Gedenkmonat November

Allerheiligen, Allerseelen & Co.: Dieser Grabschmuck ist im Allgäu besonders gefragt

Sybilla Forster von der Gärtnerei Rochelt in Weiler bindet gerade ein Herz aus Arnika. Kränze, Kreuze und Herzen sind die Formen, die am häufigsten nachgefragt werden.

Sybilla Forster von der Gärtnerei Rochelt in Weiler bindet gerade ein Herz aus Arnika. Kränze, Kreuze und Herzen sind die Formen, die am häufigsten nachgefragt werden.

Bild: Anja Worschech

Sybilla Forster von der Gärtnerei Rochelt in Weiler bindet gerade ein Herz aus Arnika. Kränze, Kreuze und Herzen sind die Formen, die am häufigsten nachgefragt werden.

Bild: Anja Worschech

Zu Allerheiligen schmücken viele Menschen in der Region die Gräber ihrer Verstorbenen. Deshalb haben wir uns umgehört: Was wird dieses Jahr beim Grabschmuck besonders nachgefragt?
30.10.2019 | Stand: 11:45 Uhr

Kranz, Kreuz und Herz – die Formensprache an Allerheiligen sei über die Jahre immer dieselbe, sagt Sybilla Forster von der Gärtnerei Rochelt in Weiler. Bereits in der vergangenen Woche haben die Leute ihre Gestecke für die Gräber bestellt. In diesen Tagen schmückt die Floristin sie noch mit frischen Blumen wie Nelken, Rosen und Protea, deren Blüte an ein Nadelkissen erinnert.

Der Trend liegt bei Naturmaterialien und herbstlichen Farben, sagt Inhaber Armin Rochelt. Daher verwenden die Floristinnen in seiner Gärtnerei vor allem Beeren wie die Hagebutte, Gräser, Zapfen und für ein dezentes Silbergrau in den Gestecken Eukalyptus. Die Grundlage für die Gestecke sind in der Regel grüne Zweige der Weiß- und Blautanne, Kiefer und Thuja. Da die meisten Gräber im Herbst eine eher flache Bepflanzung haben, binden die Floristinnen die Gestecke gern in die Höhe, damit sich diese absetzen, sagt Forster. Kleine runde Kränze kosten etwa 25 Euro – große bis zu 100 Euro. Die Gärtnerei Rochelt hat einige Schaugräber in ihren Ausstellungsräumen. Bei der Bepflanzung achten die Floristinnen darauf, dass sich die Farbe des Steins in den Pflanzen widerspiegelt.

Auch hohe Gestecke mit Naturmaterialien sind beliebt.
Auch hohe Gestecke mit Naturmaterialien sind beliebt.
Bild: Anja Worschech

Insektenfreundlich und pflegeleicht

Dass sich der Trend mit Naturfarben über die Jahre hält, erklärt sich Lukas Hauf von der gleichnamigen Gärtnerei in Simmerberg mit der älter werdenden, gleichbleibenden Klientel. Was ihm auffällt: Die Leute fragen bei der Bepflanzung ihrer Gräber immer häufiger nach insektenfreundlichen und pflegeleichten Pflanzen. Daher empfiehlt er seinen Kunden im Herbst vor allem Hornveilchen. Außerdem: „Das Wetter wird immer extremer, daher achten die Leute darauf, dass die Pflanzen mit wenig Wasser auskommen“, sagt Hauf. Ein Trend der sich durch das ganze Jahr zieht. Sein Eindruck: War es früher noch eher ein „Muss“ ein Gesteck zu Allerheiligen auf das Grab zu legen, ist die Motivation der Leute heute eher ein „Wollen“. Daher bringen sie viele individuelle Wünsche mit und nehmen sich Zeit bei der Auswahl, so der Gärtnermeister.

Nachhaltigkeit ist ein viel gespieltes Thema ini der Politik und Klimadiskussion. Wolfgang Berger von dem Floristikladen „Blatt und Blüte“ in Lindenberg bemerkt dieses Bewusstsein immer häufiger auch bei seinen Kunden. Sie fragen nach, woher die Pflanzen kommen. Er achtet daher darauf, keine Exoten in die Gestecke zu binden, sondern setzt auf heimische Gewächse. Außerdem ist es ihm wichtig, dass seine Kränze kompostierbar sind. Deshalb gibt es in seinem Laden beispielsweise auch keine Plastikengel zu kaufen. „Mir liegt es am Herzen, dass die Kränze danach gerecht entsorgt werden.“ Je nach Friedhofssatzung sind Kunststoff-Figuren auch gar nicht erlaubt. Wie beispielsweise auf dem Bergfriedhof in Lindenberg.

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Kunststoff-Figuren mancherorts verboten

Dort ist es laut Satzung verboten, Figuren aufzustellen, „außer sie sind künstlerisch wertvoll und gleichen keiner Serienware“. Gleiches gilt für Kreuze und Symbole, die nicht im Grabmal integriert sind. Kunststoffe und „nicht verrottbare Werkstoffe“ in der Trauerfloristik sind ebenfalls nicht gestattet. Berger kennt die Vorschriften auswendig und greift dann auch gern mal bei seinen Kunden ein. „Aber mit Gestecken gibt es da eigentlich nie Probleme“, sagt Rochelt, der die strengen Vorschriften in Lindenberg kennt.

Immer öfter werden besonders filigrane, kleine Kränze nachgefragt, die man an die Urnenwände hängen kann.
Gärtnerei-Inhaber Armin Rochelt

Die veränderte Bestattungskultur hin zum Urnengrab mit wenig Aufwand, macht sich in den Gärtnereien bemerkbar. „Die Dinge werden kleiner“, sagt Berger. Das stellt auch Rochelt fest. „Immer öfter werden besonders filigrane, kleine Kränze nachgefragt, die man an die Urnenwände hängen kann.“ Die Verstorbenen wollen den Hinterbliebenen nicht zur Last fallen, daher entscheiden sich viele für ein pflegeleichtes Grab. In Lindenberg gibt es eine Ruhegemeinschaft mit Stelen, die die Urnen enthalten. Die gärtnerische Pflege übernehmen Rochelt und Berger. „Das wird von den Leuten gut angenommen“, sagt Berger. Denn trotz des Trends zu anonymen Bestattungen brauchen die Leute seiner Erfahrung nach einen Ort der Trauer.

Nach Allerheiligen und Allerseelen steht für die Gärtnereien das Weihnachtsgeschäft an. Die Weihnachtssterne stehen schon bereit, sagt Rochelt. Und für das Frühjahr zieht er auch schon die Vergiss-mein-nicht und die Primeln groß.