Open-Airs in Buchenberg

Anwohner fürchten "Satanisten, Einbrecher und Bombenleger"

Auf dieser Wiese am Ortsausgang Richtung Isny plant Allgäu Concerts die Open Airs im kommenden Sommer.

Auf dieser Wiese am Ortsausgang Richtung Isny plant Allgäu Concerts die Open Airs im kommenden Sommer.

Bild: Bastian Hörmann

Auf dieser Wiese am Ortsausgang Richtung Isny plant Allgäu Concerts die Open Airs im kommenden Sommer.

Bild: Bastian Hörmann

In Buchenberg formieren sich Nachbarn gegen ein Festival und den Auftritt der „Fantastischen Vier“ im kommenden Jahr. Die Besucher und Rockfans machen den Anwohnern Angst. Lies hier, was sie fürchten...
23.12.2016 | Stand: 16:49 Uhr

Sie befürchten, dass im Sommer hunderte „Satanisten, Einbrecher und Bombenleger“ nach Buchenberg kommen: die sechs Anwohner, in deren Nachbarschaft im Juli Open-Air-Konzerte über die Bühne gehen sollen. Außerdem sorgen sie sich um wild parkende Musikfans und Lärm. Denn der Veranstalter Allgäu Concerts plant am Rande des 4.400-Einwohner-Ortes ein Rock-Festival. Auch ein Konzert der Hip-Hop-Gruppe „Die Fantastischen Vier“ ist dort vorgesehen. Dafür werden momentan bereits Tickets verkauft. Und das, so eine weitere Kritik der Anwohner (die ihre Namen nicht öffentlich lesen wollen), obwohl die Genehmigung noch nicht erteilt ist. Doch dieses Vorgehen, sagt Allgäu Concerts, sei branchenüblich. Und die Veranstaltungen sollen die Anwohner so wenig wie möglich beeinträchtigen.

Ich habe hier gebaut, um in Ruhe Kühe anzuschauen.
Eine Anwohnerin

Allgäu Concerts plant die Konzerte am 8. sowie von 28. bis 30. Juli 2017 auf einer Wiese am Ortsausgang Richtung Isny. Die Agentur besitzt dort ein Grundstück, auf dem sich auch die Firmenzentrale befindet. „Drei Tage Bumbumbum – das halte ich nicht aus“, sagt eine 66-jährige Anwohnerin über das Festival. In dem Wohngebiet, das laut Veranstalter 211 Meter von der Bühne entfernt liegt, würden Senioren und Kinder wohnen: „Ich habe hier gebaut, um in Ruhe Kühe anzuschauen.“ Wenn dort nun Konzerte stattfinden, hätte sie gleich nach Kempten ziehen können. Sie und ihre Nachbarn im Alter zwischen 49 und 73 Jahren haben deshalb im Wohngebiet nach eigenen Angaben bisher etwa 60 Unterschriften gesammelt. Sie befürchten, dass Konzertbesucher ihre Gärten verwüsten, Exkremente hinterlassen und Grundstücke zuparken.

Außerdem rechnen sie mit Drogen und Einbrechern. „Nicht jeder Langhaarige ist ein Bombenleger. Aber wenn das nur auf ein Drittel zutrifft, ist es schon zu viel“, sagen sie. Mit Blick auf die angekündigten Heavy-Metal-Bands findet ein 71-Jähriger: „Das sind doch Satanisten-Vereine.“

„Man sollte nicht immer gleich vom Schlimmsten ausgehen“, beruhigt dagegen Bürgermeister Toni Barth. Trotzdem stünden für ihn die Sorgen der Bürger an erster Stelle. Er glaubt aber, dass es dem Prestige des Ortes nutzen würde, wenn solch bekannte Musiker dort auftreten. Er habe bereits mehrfach positive Rückmeldungen erhalten. „Zuerst müssen wir aber erst mal die Rahmenbedingungen klären“, sagt der Rathauschef. Denn eine Genehmigung sei tatsächlich noch nicht erteilt, aber beantragt. Bisher gebe es aber lediglich die Aussage des Gemeinderates, dass man sich solche Veranstaltungen in Buchenberg grundsätzlich vorstellen könne.

Ordentliche Organisation notwendig

Jedoch: Laut Barth und Allgäu Concerts ist es durchaus üblich in der Branche, Tickets bereits vorher zu verkaufen. Das bestätigen auf Anfrage das Management der Fantastischen Vier und andere Kommunen. „Das kann ich auch verstehen – solche Karten machen sich gut unterm Weihnachtsbaum“, sagt Barth. Damit Anwohner möglichst wenig gestört werden, ist laut Barth eine „ordentliche Organisation notwendig“. Die traue er Allgäu Concerts zu.

Die Agentur plant nach eigenen Angaben die Bühne so aufzustellen, dass der Schall nicht auf den Ort gerichtet ist. Außerdem soll das Gelände mit zwei Meter hoch umzäunt und bewacht werden. Es sei genau geregelt, wo sich die Musikfans aufhalten dürfen, sagt Geschäftsführerin Michaela Bernhard. Sollten Besucher diesen Bereich verlassen, würde der Ordnungsdienst sofort einschreiten.

Buchenbergs Bürgermeister hat sich kürzlich vor Ort alles erklären lassen. Jetzt müsse der Genehmigungsantrag Stück für Stück abgearbeitet werden – dabei fließen auch die Bedenken der Anwohner ein.