Oktoberfest-Attentat vor 40 Jahren

Attentats-Opfer: Mahnung gegen Rechts - "Vergessen können wir nicht"

Das neue Dokumentationszentrum ist vor Beginn der Gedenkfeier zum 40. Jahrestag des rechtsterroristischen Attentats auf das Oktoberfest an der Theresienwiese zu sehen.

Das neue Dokumentationszentrum ist vor Beginn der Gedenkfeier zum 40. Jahrestag des rechtsterroristischen Attentats auf das Oktoberfest an der Theresienwiese zu sehen.

Bild: picture alliance/Sven Hoppe/dpa

Das neue Dokumentationszentrum ist vor Beginn der Gedenkfeier zum 40. Jahrestag des rechtsterroristischen Attentats auf das Oktoberfest an der Theresienwiese zu sehen.

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Überlebende des Oktoberfestattentats haben zum 40. Jahrestag eindrücklich ihre Geschichte geschildert und zum Kampf gegen Rechts aufgerufen.
Das neue Dokumentationszentrum ist vor Beginn der Gedenkfeier zum 40. Jahrestag des rechtsterroristischen Attentats auf das Oktoberfest an der Theresienwiese zu sehen.
dpa
26.09.2020 | Stand: 11:09 Uhr

"Ich möchte endlich wieder auf einen Berg steigen, mit dem Rad um den Starnberger See fahren. Ich möchte einfach nur schmerzfrei drei Stunden durch den Tierpark marschieren oder beschwingt tanzen", sagte die 73-jährige Renate Martinez am Samstag bei einem Gedenken.

Am allermeisten aber habe sie sich gewünscht, dass die Täter verurteilt werden "und im Knast landen, wo diese vielfachen Mörder längst hingehören". Solche Verbrechen dürften nie wieder geschehen.

Das Oktoberfest-Attentat dürfe nicht in Vergessenheit geraten, sagte die damals ebenfalls schwer verletzte Gudrun Lang. Sie habe ihre erste große Liebe verloren. "Das Attentat zwang mich und viele andere zu einer neuen Wegführung, mit der ich mich erst nur schwerlich zurechtfand", sagte sie.

Aber: "Aus Zerstörung muss wieder etwas erwachsen – nicht Hass, sondern die Hoffnung des Guten." Robert Höckmayr (52) sagte, die Kultur des Erinnerns sei ein starkes Signal einer wachsamen Gesellschaft gegen Rechts. "Wir können vielleicht einiges verdrängen - doch vergessen können wir nicht. So habe ich zwei Geschwister direkt beim Anschlag verloren. Vierzig Jahre Gedenken - das ist für mich daher vor allem ein Denken an ihre vierzig Jahre ungelebtes Leben."

Langes Ringen zum die Bezeichnung "Rechter Terror"

Dimitrios Lagkadinos (57), der beide Beine verlor, mahnte: "Die Weltanschauung des Rechtsextremismus nährt sich aus Hass und Ausgrenzung und geht selten von Einzelnen aus, sondern ist organisiert und vernetzt." Für die DGB-Jugend, die über Jahrzehnte das Gedenken maßgeblich aufrechterhielt, erinnerte Pia Berndt an den langen Weg bis zur Wiederaufnahme der Ermittlungen und zur Einstufung der Tat als rechtsextremistisch.

Viele hätten seit 1980 gewusst, dass der Attentäter Gundolf Köhler kein verwirrter Einzeltäter war. "Es war wichtig, sich dafür einzusetzen, dass dieser feige Angriff - auf uns alle - nicht in Vergessenheit gerät. Sich dafür einzusetzen, dass das Attentat auch offiziell als "rechter Terror" bezeichnet wird."

Am Abend des 26. September 1980 hatte eine Bombe zwölf Wiesnbesucher sowie den rechtsextremen Bombenleger Gundolf Köhler in den Tod gerissen und mehr als 200 verletzt. Der lange geforderte Fonds von Bund, Land und Stadt München für Opfer des Oktoberfest-Attentats vor 40 Jahren soll 1,2 Millionen Euro umfassen.

Münchens OB entschuldigt sich bei den Opfern für Versäumnisse

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat sich zum 40. Jahrestag des rechtsterroristischen Oktoberfest-Attentats bei den Opfern für Versäumnisse der Behörden entschuldigt. Es sei enttäuschend und bedauerlich, dass die Hintergründe des Attentats trotz der neuen intensiven und ernsthaften Ermittlungen nicht mehr vollständig aufgeklärt werden konnten, sagte Reiter am Samstag bei einem Gedenken auf der Theresienwiese.

"Noch schwerer aber wiegt ein anderes Versäumnis: nämlich, dass man die Familien der Getöteten, die Überlebenden und ihre Angehörigen jahrzehntelang in beschämender Weise allein gelassen hat mit ihren Verletzungen, ihren Schmerzen und ihren Traumata", sagte Reiter. "Ihre Hilferufe hat man ignoriert, ihre Forderungen nach Unterstützung wurden oft genug abgelehnt und sie selbst sogar als Simulanten diffamiert." Das sei für einen Rechtsstaat vollkommen inakzeptabel und einer humanen Gesellschaft unwürdig.