Deutschkurs fällt aus

Bürokratie: Wenn 22 Euro die Integration ausbremsen

In Sonthofen fällt ein Deutschkurs aus, weil der Bund die höheren Fahrtkosten für vier Asylbewerber aus Oberstaufen nicht übernehmen will. Nun ist die Mindest-Teilnehmerzahl nicht erreicht. Der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz kritisiert die Bürokratie.
29.01.2021 | Stand: 00:42 Uhr

Bürokratische Posse oder Grundsatzfrage? Wegen 22 Euro Mehrkosten pro Kopf und Monat für vier Asylbewerber scheitert ein abendlicher Integrationskurs. Regelmäßig betone die Bundesregierung, dass Integration vor Ort passieren müsse, schreibt Landrat Anton Klotz an Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller. „Leider werden uns im Oberallgäu vom Bundesamt für Migration bei unserer Integrationsarbeit immer wieder unnötig Grenzen gesetzt.“

Die Vorgeschichte Für einen einjährigen Abend-Integrationskurs in Sonthofen hat die Oberallgäuer Volkshochschule (VHS) acht Bewerber aus der näheren Umgebung. Zwölf müssten es sein, sagt VHS-Leiterin Stefanie Schraudolph. Es gibt vier weitere Interessenten aus Oberstaufen. Doch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) übernimmt deren Fahrtkosten nach Sonthofen nicht, weil Immenstadt der nächstgelegene Kursort ist und dort im Dezember wieder ein Kurs untertags beginnt.

Die Folge Der Abendkurs in Sonthofen fällt aus; ein Teil der Flüchtlinge paukt nun untertags. Einige können das nicht, weil sie arbeiten. Sie würden für ihren Arbeitswillen bestraft, in dem sie nun keinen Deutschkurs besuchen können, sagt Schraudolph. Das Monatsticket für die Fahrt nach Sonthofen würde 122 Euro kosten, das nach Immenstadt 100. Es geht also um 1.056 Euro.

Das Bundesamt Ein Bamf-Sprecher verweist auf die nötige Sparsamkeit; man müsse das Thema Fahrtkosten bundesweit sehen. Ohnehin hält der Bamf-Sprecher Abendkurse für einen „nicht optimalen Notbehelf“. Für Teilnehmer, die tagsüber arbeiten, seien abendlicher Unterricht plus Hausaufgaben sehr hart. Zumal sich Abendkurse viel länger hinziehen, weil die tägliche Unterrichtsdauer kürzer ist wie bei einem Tageskurs. Eigentlich „megaschlecht“, sagt er. Integrationskurse umfassen 600 Stunden Sprachunterricht. Dazu kommen 100 Stunden in „Orientierung“, wobei es um Sozialkunde, Werte und mehr geht.

Der Landrat Klotz kritisiert „das unflexible und bürokratische Vorgehen.“ Es erschwere die Arbeit vor Ort, frustriere und demotiviere die Ehrenamtlichen und mindere die Integrationsbereitschaft der Geflüchteten. So gehe wertvolle Zeit bei der Integrationsarbeit verloren. Das kurzfristige Ziel, Fahrtkosten zu minimieren, stehe im starken Gegensatz zum gesamtheitlichen wirtschaftlichen Denken.

Warum dann der Landkreis nicht einfach die Mehrkosten trägt, hakt die Allgäuer Zeitung nach. Für Klotz geht es ums Prinzip. Man wolle so einen Abendkurs aber nicht auf Dauer scheitern lassen, sagt er, und dass man gegebenenfalls Mehrkosten übernehmen würde. – Für den aktuellen Kurs kommt das freilich zu spät, da der bereits abgesagt wurde.