Hiobsbotschaft für Skifahrer

Bayern schiebt Skifahren einen Riegel vor - Aiwanger plädiert: "Wieder öffnen, sobald verantwortbar"

Im Streit um die Öffnung von Skigebieten in den Alpen appelliert Bayern weiterhin an die anderen Alpenländer, die Pisten auch über Weihnachten und Silvester nicht zu öffnen.

Im Streit um die Öffnung von Skigebieten in den Alpen appelliert Bayern weiterhin an die anderen Alpenländer, die Pisten auch über Weihnachten und Silvester nicht zu öffnen.

Bild: Anthony Anex, dpa/Archiv

Im Streit um die Öffnung von Skigebieten in den Alpen appelliert Bayern weiterhin an die anderen Alpenländer, die Pisten auch über Weihnachten und Silvester nicht zu öffnen.

Bild: Anthony Anex, dpa/Archiv

Bayern schließt nicht nur seine Skigebiete, sondern macht auch Ausflüge ins benachbarte Ausland praktisch unmöglich. Ein Überblick.
27.11.2020 | Stand: 13:42 Uhr

Hiobsbotschaft für Hunderttausende Skisportler in Bayern: Skitourismus wird - sofern er auf Liftbetrieb baut - wegen der Corona-Pandemie auch für Tagesausflügler bis in den Januar hinein praktisch nicht möglich sein. In Bayern dürfen Skilifte, Seilbahnen und die dazugehörige Gastronomie während des Lockdowns ohnehin nicht öffnen.

Wer in ein Risikogebiet reist, als das gegenwärtig unter anderem die Alpenländer Österreich, Schweiz und Liechtenstein eingestuft sind, muss bei der Rückkehr nach Bayern zehn Tage in Quarantäne. Das gilt ab Dezember auch für Tagestouristen, eine bisher noch geltende Ausnahmegenehmigung soll damit entfallen.

"Halb Europa ist im Frühjahr von Ischgl aus mit infiziert worden", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit Blick auf den österreichischen Skiort, der für Massentourismus im Schnee steht. Im vorigen Winter waren von einer Après-Ski Bar in Ischgl zahlreiche Infektionen in vielen Ländern Europas ausgegangen.

Skiwandern, Skitourengehen und Skilanglauf nicht betroffen

Nicht betroffen von den neuen Einschränkungen seien Skiwandern, Skitourengehen oder Skilanglauf in Bayern, sagte Söder. Gegen die reine Bewegung in freier Natur sei nichts einzuwenden.

Die Schweiz und Österreich, Haupt-Destinationen für deutsche Skitouristen, wollen ihre Skigebiete, anders als Bayern, nicht schließen. "Wenn jemand einen Lift verwendet, dann ist das ähnlich, wie wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel verwendet. Anhand dieser Gesichtspunkte muss man Entscheidungen treffen", hatte Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz am Vortag gesagt.

Aiwanger hofft auf einheitliche Regelung

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Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, dessen Partei Freie Wähler eine moderatere Linie beim Skitourismus befürwortet hatte, hofft auf eine einheitliche Regelung, sobald die Infektionszahlen dies erlauben. „Der Druck von Skigebieten und Skifahrern ist verständlicherweise groß, dass die Politik eine Öffnungsperspektive liefert",sagte er am Donnerstag gegenüber der Allgäuer Zeitung. Es müsse gewährleistet sein, dass nicht Infektionsgefahren durch den Skitourismus entstehen, das Skifahren an sich sei ja gut zu organisieren. "Vieles hängt auch daran, ob Österreich die Skigebiete öffnet und wie sich die Coronazahlen in Deutschland, Bayern und den Skiregionen entwickeln. Sobald es nach Weihnachten verantwortbar ist, sollten wir Öffnungen zulassen“, so der Minister.

Die Liftbetreiber in Deutschland lehnen eine Schließung aller Skigebiete ab. Ein Wintersportverbot wäre für die betroffenen Regionen katastrophal und zudem unverständlich, sagte Matthias Stauch, Vorstand des Verbandes Deutscher Seilbahnen (VDS), am Donnerstag. Bewegung an der frischen Luft sei gesund.

Liftbetreiber lehnen Schließung ab

Das Infektionsgeschehen in Ischgl in der vergangenen Wintersport-Saison sei nicht vom Skibetrieb ausgegangen. "Es kommt nicht vom Skisport. Wir wollen bei uns kein Halligalli", betonte er.

Ein Wintersportverbot würde viele Betreiber an ihre Grenzen bringen. "Das ist für unsere Betriebe existenzbedrohend", sagte Stauch. "Wenn uns jetzt zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem 10. Januar das Geschäft wegbricht, ist das katastrophal." Der Verband schloss eine Klage nicht aus.

Bereits 27 Prozent der Einnahmen weg

Die vorzeitig beendete Wintersaison 2019/2020 habe die Bilanzen belastet, sagte Vorstandsvize Christine Kury. Rund 27 Prozent der Einnahmen seien weggebrochen. Der Sommer sei mit einem Plus von 16,5 Prozent zum Vorjahr "sehr gut" ausgefallen. Der Winter sei aber das stärkere Geschäft. "Nun sind wir wieder in einem Lockdown." Das werde erneut auf die Bilanzen schlagen.

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