Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte

Kabinett beschließt verschärfte Corona-Regeln - aber 2G-Kulanzfrist für Zwölfjährige

Markus Söder gab am Dienstag bei einer Sondersitzung des bayerischen Landtags eine Regierungserklärung ab. Ab Mittwoch gelten strengere Corona-Regeln im Freistaat. Für Ungeimpfte greifen dann strikte Kontaktbeschränkungen.

Markus Söder gab am Dienstag bei einer Sondersitzung des bayerischen Landtags eine Regierungserklärung ab. Ab Mittwoch gelten strengere Corona-Regeln im Freistaat. Für Ungeimpfte greifen dann strikte Kontaktbeschränkungen.

Bild: Peter Kneffel, dpa

Markus Söder gab am Dienstag bei einer Sondersitzung des bayerischen Landtags eine Regierungserklärung ab. Ab Mittwoch gelten strengere Corona-Regeln im Freistaat. Für Ungeimpfte greifen dann strikte Kontaktbeschränkungen.

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Das Kabinett hat es nun beschlossen: Es gibt ab Mittwoch strengere Corona-Regeln in Bayern. Doch mit Außnahmen.
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dpa
23.11.2021 | Stand: 16:32 Uhr

Angesichts der weiter steigenden Corona-Zahlen hat das bayerische Kabinett am Dienstag harte Gegenmaßnahmen beschlossen. Sie sollen - nach Zustimmung des Landtags am Nachmittag - in der kommenden Nacht in Kraft treten und damit ab Mittwoch gelten.

  • Für Ungeimpfte gelten dann in Bayern strikte Kontaktbeschränkungen: Es dürfen sich nur noch maximal fünf Personen aus zwei Haushalten treffen. Lediglich Kinder unter zwölf, Geimpfte und Genesene zählen nicht mit.
  • Alle Clubs, Diskotheken und Bars müssen schließen, Restaurants dürfen nur noch bis 22 Uhr offen bleiben. Weihnachtsmärkte fallen aus. Kultur- und Sportveranstaltungen dürfen ab Mittwoch nur noch mit einer Auslastung von maximal 25 Prozent an Zuschauern stattfinden.
  • Zudem gilt dann quasi flächendeckend die 2G-Regel: Auch zu Friseuren, Hochschulen, Musik-, Fahr- und Volkshochschulen sowie Bibliotheken haben nur noch Geimpfte und Genesene Zugang. In vielen Bereichen gilt sogar künftig 2G plus: Zugang also nur für Geimpfte und Genesene, aber auch nur mit einem zusätzlichen negativen Schnelltest. Dies gilt etwa für Kultur- und Sportveranstaltungen, Messen und Tagungen sowie Freizeiteinrichtungen aller Art, etwa Zoos, Bäder und Seilbahnen.
  • In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 1.000 gelten dann noch drastischere Einschränkungen: Die Gastronomie, Hotels, Sport- und Kulturstätten müssen schließen, Freizeit-, Sport- und Kulturevents aller Art werden untersagt. Anders als zunächst geplant dürfen aber Friseure nun doch offen bleiben.
  • Schulen und Kitas bleiben bayernweit geöffnet. Gleiches gilt für den Handel - dort gelten aber folgende Beschränkungen: eine Person auf 10 Quadratmeter und in 1.000er-Hotspots eine Person auf 20 Quadratmeter.

Die Corona-Regeln in Bayern im Detail finden Sie hier.

Dramatische Corona-Situation

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) machte in einer Regierungserklärung noch einmal die Dramatik der Situation deutlich. "Obwohl Bayern mit das beste Gesundheitssystem Deutschlands und der Welt hat, droht die komplette Überlastung", sagte der CSU-Chef am Dienstag in München. Landesweit gab das Robert Koch-Institut die Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstag mit 644,9 an, zehn Landkreise wiesen eine Inzidenz von mehr als 1000 auf.

Söder fordert "moralische Impfpflicht"

Die große Zahl an Patienten, die auf den Intensivstationen versorgt werden müssen, sorge für bislang unbekannte Konkurrenzsituationen auf den Stationen. Es bestehe daher die Gefahr, dass sich die gesamte medizinische Versorgung für alle verschlechtern könne. Söder sprach von einer "moralischen Impfpflicht" aus Solidarität. Er kündigte für die Corona-Maßnahmen dichte Kontrollen und für Verstöße harte Strafen an. Die große Zahl Corona-Toter sei bedauerlich. "Wenn wir für jeden Corona-Toten in Deutschland eine Schweigeminute machen würden, brauchen wir ungefähr zehn Wochen dazu."

Söder räumt ein, vierte Welle unterschätzt zu haben

Söder räumte ein, die vierte Corona-Welle in ihrer Dynamik und ihrem Tempo nicht kommen sehen zu haben. Dies sei aber auch bei vielen Wissenschaftlern so gewesen. Die Delta-Variante des Virus sei viel tückischer als bisherige Varianten. Hauptursache für die hohen Infektionszahlen in Bayern sei die niedrige Impfquote, die sich auch bei anderen Impfungen in der Vergangenheit immer wieder offenbart habe, sagte Söder.

2G-Kulanzfrist für Kinder bis zwölf Jahre

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Kinder in Bayern sollen künftig bis zu einem Alter von zwölf Jahren und drei Monaten automatisch zu allen Bereichen mit 2G-Beschränkung zugelassen werden. Das hat das Kabinett am Dienstag in München beschlossen. Sie dürfen nun also auch bis zu drei Monate nach ihrem zwölften Geburtstag Freizeiteinrichtungen und ähnliches besuchen, wenn sie noch nicht gegen Corona geimpft oder genesen sind.

Bis jetzt noch kein zugelassener Impfstoff für Kinder

Hintergrund des Kabinettsbeschlusses ist, dass sich Kinder unter zwölf noch nicht gegen Corona impfen lassen können, weil es für sie bis jetzt noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Und bis einem vollständigen Impfschutz dauert es nach dem zwölften Geburtstag mindestens einige Wochen. Nach bisheriger Rechtslage drohte den betroffenen Kindern aber direkt ab dem zwölften Geburtstag die 2G-Regel - also der Ausschluss von Freizeitaktivitäten diverser Art.

Damit korrigiert die Staatsregierung ihre bisherige Linie. Zuletzt hatte das Gesundheitsministerium noch erklärt, über Zwölfjährigen könne aktuell keine dreimonatige Karenzzeit eingeräumt werden. (Lesen Sie auch: Mehr Kontrollen der Corona-Regeln angekündigt)

2G-Ausnahme auch für Jugendliche bei sportlichen oder musikalischen Aktivitäten bis Jahresende

Eine Ausnahme von der 2G-Regel gilt befristet bis Jahresende auch für alle 12- bis 17-jährigen Schüler "zur eigenen Ausübung sportlicher, musikalischer oder schauspielerischer Aktivitäten", für Besuche in Gaststätten sowie für Übernachtungen in Hotels und Ferienwohnungen.

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