Bergwacht Bayern zieht Bilanz

Viele Menschen starben im Winter beim Wandern in den bayerischen Bergen - auch im Allgäu

Die Bergwacht Bayern musste diesen Winter zu 5500 Einsätzen ausrücken. Viele Menschen starben beim Wandern oder durch Lawinen.

Die Bergwacht Bayern musste diesen Winter zu 5500 Einsätzen ausrücken. Viele Menschen starben beim Wandern oder durch Lawinen.

Bild: imago stock&people (Symbolbild)

Die Bergwacht Bayern musste diesen Winter zu 5500 Einsätzen ausrücken. Viele Menschen starben beim Wandern oder durch Lawinen.

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Die Bergwacht Bayern blickt auf die Einsätze in der Wintersaison zurück: Es gab ungewöhnlich viele Todesfälle beim Wandern und mehr Lawinentote.
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dpa
06.05.2022 | Stand: 14:42 Uhr

Hinaus in die Natur: Wandern liegt im Trend - und immer mehr Menschen zieht es auch im Winter zu Fuß in die Berge. Doch bei Schnee und Eis können sonst einfache Wege zu schwierig begehbaren, gefährlichen Routen werden. Ungewöhnlich viele Todesfälle beim Wandern und mehr Lawinentote als in den Vorjahren: Diese Bilanz zogen am Freitag im oberbayerischen Bad Tölz die Bergwacht Bayern und der Lawinenwarndienst zum Ende der Wintersaison.

5500 Einsätze der Bergwacht Bayern von Dezember bis April

Insgesamt mussten die ehrenamtlichen Helfer rund 5500 Mal ausrücken. Vier Menschen starben in Lawinen, die höchste Zahl der vergangenen zehn Jahre. Zwei von ihnen waren Wanderer. Insgesamt verunglückten 19 Wanderer und Bergsteiger tödlich - ein neuer Höchststand.

In mehreren Fällen rutschten Menschen auf Schnee und Eis aus und stürzten in die Tiefe. Die einen waren mit Turnschuhen unterwegs, die anderen änderten die Route und folgten einer App oder starteten bei ungünstigen Wetterbedingungen. Die für winterliche Verhältnisse nötige Ausrüstung - Eispickel, Steigeisen oder Grödeln als abgespeckte Version - hätten viele Wanderer nicht dabei.

Selbst wenn es in den Tälern schon grünt, liegt in der Höhe Altschnee - das bedeutet Rutschgefahr. In hohen Lagen können auch jetzt noch Lawinen kommen, wenn es am Nachmittag warm wird und der Schnee sich vom Boden löst.

Bergwacht Bayern: Immer wieder fehlt die Wahrnehmung für Gefahren

Immer wieder fehle die Wahrnehmung für Gefahren und die Kompetenz, sich entsprechend angepasst zu verhalten, warnte der stellvertretende Landesleiter der Bergwacht Bayern, Jürgen Bummer. "Die Leichtigkeit der digitalen Bilderwelt in den sozialen Medien suggeriert häufig eine allgegenwärtige Verfügbarkeit und Machbarkeit von Gipfelzielen, unabhängig von allen weiteren Faktoren und persönlichen Fähigkeiten." Mehr als 200 Mal mussten die Bergwachtler Menschen retten, die nicht weiter konnten oder sich verstiegen hatten, aber unverletzt waren.

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"Es ist gut und wichtig, wenn insbesondere junge Menschen die Natur und die Berge für sich entdecken und wertschätzen lernen", sagte Bummer. "Umso tragischer ist es, wenn schwere oder sogar tödliche Unfälle passieren, die mit einer größeren Sensibilität für alpine Gefahren leicht vermeidbar gewesen wären."

Wanderer in Oberstdorf verlaufen - einer ist gestorben

An den Tagen um Ostern rutschte ein Ehepaar aus Sachsen-Anhalt, unterwegs in Turnschuhen und mit unzureichender Ausrüstung, an einem verschneiten Wegabschnitt im Zugspitzgebiet in den Tod. Im Februar machten sich zwei Wanderer bei Schnee und Wind zu einer Hütte bei Oberstdorf auf und verliefen sich. Einer erfror, der andere starb im Krankenhaus. Im März stürzten ein Pärchen und ein 35-jähriger Mann aus Ostbayern an der Maiwand bei Flintsbach am Inn tödlich ab.

(Lesen Sie auch: Mehr als 20 Menschen sterben seit Jahresbeginn bei Bergunfällen im Allgäu und Oberbayern)

Mit rund 5500 Einsätzen musste die Bergwacht von Anfang Dezember bis Ende April öfter ausrücken als in der vergangenen Saison, aber ähnlich oft wie vor der Corona-Zeit. In den Skigebieten liefen wieder die Lifte. Dort ereigneten sich die meisten Unfälle. Rund 3500 Skifahrer und Skifahrerinnen sowie 725 Snowboarder brauchten Hilfe.

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Beim Skitourengehen passiert gemssen an der Zahl der Sportler eher wenig

Beim Skitourengehen, das seit der Pandemie noch mehr zum Trendsport geworden ist, passiert gemessen an der Zahl der Sportler eher wenig. In dieser Saison gab es hier knapp 130 Einsätze, in der vergangenen Saison bei geschlossenen Skigebieten gut 200.

Dabei gehen deutlich mehr Menschen als früher auf Tour. "Wir sehen das auch an den Klickzahlen auf unserer Homepage, sie sind doppelt so hoch wie früher", sagte Christoph Hummel von der Lawinenwarnzentrale am Landesamt für Umwelt. Bis zu 1,5 Millionen Mal wurde die Seite früher geklickt, jetzt sind es bis zu drei Millionen Klicks.

(Lesen Sie auch: Rettungshubschrauber im Allgäu: Diese Hubschrauber fliegen Einsätze in den Allgäuer Bergen)

Tourengeher im Berchtesgadener Land in Lawinen gestorben

Zwei Tourengeher starben im hochalpinen Gelände im Berchtesgadener Land in Lawinen. Schneefälle und Wind sorgten Ende Januar bis Mitte Februar für gefährliche Situationen. "Das war die Phase, in der wir eine heikle Lawinenlage hatten", sagte Hummel. Dass es in diesem Winter eher wenig Schnee hatte, habe die Lawinengefahr nicht verringert. "Schneearme und windige Winter sind immer unfallträchtig. Wenn die Schneedecke dünn ist, gibt es einen ungünstigen Schneedeckenaufbau." Zudem gilt der Wind als Baumeister der Lawinen. Er verfrachtet und verdichtet den Schnee, der aber oft nicht gut mit dem Untergrund verbunden ist - das führe zu Schneebrettgefahr. (Sabine Dobel, dpa)

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