Corona-Grenzschließungen

So wirken sich die Corona-Grenzschließungen auf Bayern aus

Ziel der Grenzkontrollen wie hier bei Füssen ist, das Einschleppen von ansteckenderen Varianten des Coronavirus über die Grenze einzudämmen.

Ziel der Grenzkontrollen wie hier bei Füssen ist, das Einschleppen von ansteckenderen Varianten des Coronavirus über die Grenze einzudämmen.

Bild: Benedikt Siegert

Ziel der Grenzkontrollen wie hier bei Füssen ist, das Einschleppen von ansteckenderen Varianten des Coronavirus über die Grenze einzudämmen.

Bild: Benedikt Siegert

Aus Angst vor Corona-Mutationen sind die Grenzen zu Tschechien und Tirol für viele dicht. Die Wirtschaft warnt vor den Folgen - trotz gelockerter Regeln.
Ziel der Grenzkontrollen wie hier bei Füssen ist, das Einschleppen von ansteckenderen Varianten des Coronavirus über die Grenze einzudämmen.
dpa
15.02.2021 | Stand: 07:50 Uhr

Nach dem Start der strikten Einreisebeschränkungen an den Grenzen zu Tschechien und Österreich richtet sich zum Wochenbeginn der Blick vor allem auf die Wirtschaft. Zwar dürfen Berufspendler mit wichtigen Aufgaben in systemrelevanten Branchen nun doch nach Deutschland einreisen, wie Bund und Freistaat am Sonntag mitteilten. "Wir gehen pragmatisch vor, wo immer das möglich ist", betonte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Die Autoindustrie fürchtet trotzdem, dass am Montag einige Werke stillstehen könnten.

Markus Söder über Corona-Befürchtungen: "Was für ein Unsinn"

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wies am Sonntag bei einem Besuch in Schirnding an der tschechischen Grenze Kritik an den Maßnahmen zurück. Die Kontrollen bedeuteten nicht das Ende des freien Europas, wie manche sagten. "Was für ein Unsinn." Er sei überzeugt, dass es Europa stärke, wenn es gelinge, eine neue Corona-Welle zu verhindern.

Tschechien verhängte am Abend wegen der dramatisch hohen Corona-Infektionszahlen erneut einen Notstand. Er gelte von Montag an für 14 Tage, teilte die Minderheitsregierung unter Ministerpräsident Andrej Babis mit. Man entspreche damit einer Bitte der Vertreter aller 14 Verwaltungsregionen einschließlich der Hauptstadt Prag.

Fünfmal mehr Corona-Todesfälle in Tschechien

Seit Beginn der Pandemie gab es in dem Land mit gut zehn Millionen Einwohnern mehr als eine Million bestätigte Corona-Infektionen und 18.143 Todesfälle. Nach den jüngsten Zahlen der EU-Gesundheitsagentur ECDC gab es in Tschechien innerhalb von 14 Tagen rund 915 Infektionen je 100.000 Einwohner; das entspricht gut dem Fünffachen des deutschen Werts (177).

Ziel der Grenzkontrollen ist, das Einschleppen von ansteckenderen Varianten des Coronavirus über die Grenze einzudämmen. Sowohl in Tschechien als auch im österreichischen Bundesland Tirol sind diese Varianten deutlich stärker verbreitet als in Deutschland. Deshalb dürfen aus den betroffenen Gebieten derzeit nur noch Deutsche sowie Ausländer mit Wohnsitz und Aufenthaltserlaubnis in Deutschland einreisen. Ausnahmen gab es zunächst für Ärzte, Kranken- und Altenpfleger, Lkw-Fahrer und landwirtschaftliche Saisonkräfte.

Berufspendler sollen nun doch nach Deutschland einreisen dürfen

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Einreise aus Tirol und Tschechien könnte leichter werden

Künftig sollen nun aber auch Berufspendler einreisen dürfen, die gebraucht werden, um die Funktionsfähigkeit ihrer Betriebe in systemrelevanten Branchen aufrecht zu erhalten. Sie müssen dafür bis einschließlich Dienstag ihren Arbeitsvertrag dabei haben. Danach sollen die Länder Bayern und Sachsen Betriebe als systemrelevant definiert und individuelle Bescheinigungen ausgestellt haben, die an der Grenze vorgezeigt werden sollen.

Voraussetzung für die Einreise der Mitarbeiter ist aber weiter ein maximal 48 Stunden alter negativer Test, zudem müssen sie sich digital vor der Einreise anmelden.

Viele Betriebe hatten befürchtet, am Montag nicht wie gewöhnlich produzieren zu können. Denn allein in Bayern arbeiten nach den aktuellsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) 22 000 Tschechen und 9600 Österreicher, viele davon im verarbeitenden Gewerbe.

Autoindustrie fürchtet, Werke müssen schließen

Die Autoindustrie sieht trotz der Erleichterungen Probleme - vor allem, weil auch Lkw-Fahrer einen aktuellen Coronatest vorlegen müssen. Diese Testpflicht sei so kurzfristig gar nicht umzusetzen, erklärte der Branchenverband VDA. Weil die Maßnahmen so kurzfristig gekommen wären, hätten die Werke sich keine Zulieferkomponenten auf Vorrat legen können. Die Automobilproduktion werde ab Montagmittag deshalb größtenteils zum Erliegen kommen. "Die Werke in Ingolstadt, Regensburg, Dingolfing, Zwickau und Leipzig sind als erste betroffen."

Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) werden sich die mutierten Viren auch in Deutschland nach und nach ausbreiten, dies soll aber verlangsamt werden.