Trauerredner aus KF

Darum müssen wir über den Tod sprechen

Trauerredner Thorsten Friedrich Das Kontor

Seit 2015 arbeitet Thorsten Friedrich von Neugablonz aus. Er organisiert Trauerfeiern, spricht aber auch auf Hochzeiten und Namensfeiern.

Bild: Mathias Wild

Seit 2015 arbeitet Thorsten Friedrich von Neugablonz aus. Er organisiert Trauerfeiern, spricht aber auch auf Hochzeiten und Namensfeiern.

Bild: Mathias Wild

Vor einem Monat starb der Vater unseres Autors. Plötzlich war der Tod allgegenwärtig. Kann man sich darauf vorbereiten? Kann man richtig trauern - oder falsch?
06.05.2021 | Stand: 14:17 Uhr

Der Tod hat die Farbe Schwarz. Nicht Flieder und Gelb und Blau. Mit diesen Farben hat Trauerredner Thorsten Friedrich seine Räume geschmückt: "Wir sind ja hier nicht bei einer Beerdigung", sagt der 38-Jährige und lächelt freundlich. "Im Ernst: Bei mir soll man sich wohl fühlen."

Hier, in seinem 'Wohnzimmer', empfängt Thorsten Friedrich beinahe jeden Tag trauernde Angehörige. Und hier, im Kontor, lernt man den 38-jährigen Kaufbeurer richtig kennen: Die katholischen Abhandlungen im Bücherregal erzählen, wie er mit 16 Jahren, nach einer überstandenen Krebserkrankung, entschied, Theologie zu studieren.

Die kirchenkritischen Texte zeigen, wie er "irgendwann mit der Kirche als Institution" nicht mehr klargekommen ist und sich nicht zum Priester weihen lies. "Als Studienvertreter wollte ich sogar das Theologiestudium weltlicher gestalten. Das war vielleicht etwas blauäugig", sagt Thorsten Friedrich und grinst.

Links steht die Urne, rechts die Regie-Klappe - nach dem Studium ging Friedrich zum Film. Er drehte als Autor und Regisseur Dokumentationen für die Öffentlich-Rechtlichen und für RTL "Alles Atze." (Was, so könnte man meinen, einen eher als Trauerredner ausschließt, als befähigt.) "Vielleicht bin ich ein bisschen zum Medien-Arsch geworden", sagt Friedrich nachdenklich. "Ich glaube, ich habe mich zu sehr von meinem Umfeld zurückgezogen, also habe ich gekündigt."

Ein Bestatter, den er bei einem Dreh-Termin kennenlernte, bot ihm an, als Trauerredner zu arbeiten. 2006 richtete er seine erste Beerdigung aus. "Mittlerweile müssten es über 1.000 sein", sagt er. 1.000 Schicksale, 1.000 Mal Tränen, Verzweiflung, Angst. "Von Spaß bei meiner Arbeit zu sprechen wäre wohl etwas zu viel", erzählt Friedrich. "Aber meine Arbeit erfüllt mich. Ich kann für die Menschen da sein. Und mir Zeit nehmen, was bei vielen Priestern gar nicht mehr möglich ist."

Thorsten Friedrich will nicht nur Redner , sondern auch Seelsorger sein. Wie er tröstet, und wie Du Trauernden beistehen kannst, erzählt er hier:

  • Wie geht's? "Die Frage kommt einem immer ziemlich blöd vor: Da ist gerade ein Familienmitglied gestorben und Du fragst Deinen Kumpel, wie's ihm geht. Wie soll's schon gehen: Scheiße! Aber mach es trotzdem! Du zeigst Interesse und vielleicht entwickelt sich dadurch ein Gespräch."
  • Was braucht der Trauernde? "Trauer ist individuell. Und Du kannst nicht Gedankenlesen. Frag nicht nach, ob Du etwas tun kannst - sondern was Du tun kannst. Und mach konkrete Vorschläge: 'Soll ich heute für Dich kochen? Möchtest Du spazieren gehen?' Akzeptiere aber auch ein 'Nein' als Antwort.

  • Dränge nichts auf! "Nur weil Du glaubst, Deinem Freund würde es gut tun, 'endlich mal wieder ins Kino zu gehen', ist das noch lange nicht so. Wenn Du merkst, dass jemand Abstand braucht, gib ihm Raum."

  • Trauernde dürfen (fast) alles: In der Trauerphase ist man ein anderer Mensch und reagiert oft ganz anders, als im Alltag. Vielleicht ist man gereizt, vielleicht vergesslich oder vielleicht einfach trübselig. Das musst Du akzeptieren, wenn Du einem Trauernden beistehst... aber:

  • Lacht gemeinsam! "Auf der Beerdigung den Clown zu spielen, kommt vielleicht nicht so besonders gut an. Aber es ist absolut in Ordnung gemeinsam zu lachen. Das kann für den Trauernden unheimlich befreiend sein."