Staatsanwaltschaft München II ermittelt

Das Aus für die Seniorenresidenz Schliersee: Pflegekassen kündigen Versorgungsvertrag

Die Pflegekassen haben die Reißleine gezogen und den Versorgungsvertrag mit der Seniorenresidenz Schliersee gekündigt. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt wegen des Verdachts auf Körperverletzung bei 88 Bewohnern.

Die Pflegekassen haben die Reißleine gezogen und den Versorgungsvertrag mit der Seniorenresidenz Schliersee gekündigt. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt wegen des Verdachts auf Körperverletzung bei 88 Bewohnern.

Bild: Peter Kneffel, dpa (Archivbild)

Die Pflegekassen haben die Reißleine gezogen und den Versorgungsvertrag mit der Seniorenresidenz Schliersee gekündigt. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt wegen des Verdachts auf Körperverletzung bei 88 Bewohnern.

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Über Monate sollen Bewohner im Seniorenheim Schliersee schlecht betreut worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt - die Kassen haben die Reißleine gezogen.
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dpa
31.08.2021 | Stand: 10:06 Uhr

Das Aus für die in die Schlagzeilen geratene Seniorenresidenz Schliersee ist beschlossene Sache. Die Kündigung verzögert sich allerdings bis Ende September, wie die Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände in Bayern (ARGE) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Ursprünglich sollte schon zu Ende August Schluss sein.

Die ARGE begründe die außerordentliche Kündigung des Versorgungsvertrages "mit der Verletzung der gesetzlichen und vertraglichen Verpflichtungen". Diese sei "nachgewiesen durch die wiederholt festgestellten schwerwiegenden Risiken und Defizite bei den Qualitätsprüfungen".

Wie es mit den betroffenen Bewohnern nun weitergehen soll, wollen die Pflegekassen "in enger Absprache mit der zuständigen Heimaufsicht" klären.

Staatsanwaltschaft München II ermittelt wegen Verdachts auf Körperverletzung bei 88 Bewohnern

Ende März war nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft München II wegen Verdachts auf Körperverletzungsdelikte bei 88 Bewohnern des Heimes ermittelt. Einige seien verwahrlost und unterernährt gewesen, sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde damals. Zudem würden 17 Todesfälle untersucht. Zwei Verstorbene wurden den Angaben zufolge exhumiert.

Dabei gehe es auch um die Frage, ob eine Corona-Infektion oder Unterernährung ursächlich für den Tod der Menschen waren, sagte die Sprecherin damals. Die Ermittlungen beziehen sich den Angaben zufolge auf einen Zeitraum von mehreren Monaten bis Mai vergangenen Jahres. Die Ermittlungen dauerten weiter an, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Leiter der Seniorenresidenz Schliersee weist Vorwürfe zurück

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Bewohner vernachlässigt?

Nach Ermittlungen Betreiberwechsel bei Seniorenheim geplant

Der Leiter der Seniorenresidenz, Robert Jekel, wies die Vorwürfe schon im März zurück. Er betont, er sehe "derzeit keine schwerwiegenden Mängel." Es seien auch "keine fast verhungerten beziehungsweise verdursteten Menschen oder Menschen mit offenen, blutenden und eiternden Wunden angetroffen" worden.

Jekel hatte die Stelle nach eigenen Angaben erst nach Beginn der Ermittlungen angetreten. In dem Heim hatte es 2019 einen Betreiberwechsel gegeben, laut Landratsamt richteten sich Vorwürfe teils gegen einen vorangegangenen Betreiber. Seit Betriebsbeginn im Jahre 2009 seien bislang schon 15 Einrichtungsleiter in dem Heim eingesetzt gewesen. Auch der bayerische Landtag hat sich schon mit den Zuständen in dem Altenheim befasst.

Nach Ansicht Jekels wurden bei den Kontrollen, deren Ergebnis nun zum Aus der Einrichtung führen, im "Wesentlichen Dokumentationsmängel beanstandet". "Echte Pflegemängel", so Jekel, seien bei der Kontrolle nicht festgestellt worden.

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