Ist Corona Schuld an Schlafproblemen?

Das Coronavirus raubt den Bayern den Schlaf

Die Corona-Krise sorgt für Schlafprobleme - vor allem bei Bayern.

Die Corona-Krise sorgt für Schlafprobleme - vor allem bei Bayern.

Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Die Corona-Krise sorgt für Schlafprobleme - vor allem bei Bayern.

Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Jeder zehnte Deutsche schläft seit Beginn der Corona-Pandemie schlechter. In Bayern ist es jeder Siebte. Was macht die Krise eigentlich mit unserer Psyche?
Die Corona-Krise sorgt für Schlafprobleme - vor allem bei Bayern.
Von Stephanie Sartor
02.09.2020 | Stand: 12:20 Uhr

Man würde meinen, dass die Menschen wenigstens im Schlaf nicht an Corona denken – schließlich beschäftigt sie das Thema schon tagsüber genug. Aber: Nicht einmal im Bett hat man in diesen unsteten Zeiten seine Ruhe. Eine aktuelle Umfrage hat ergeben, dass viele Menschen seit dem Ausbruch der Pandemie deutlich schlechter schlafen als zuvor – und zwar vor allem in Bayern.

Christian Bredl, Chef der TK in Bayern, bringt es in einem Pressestatement so auf den Punkt: "Corona raubt vielen Bayern den Schlaf." Bei der Umfrage "Corona 2020" des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) gaben 14 Prozent der bayerischen Befragten – also jeder Siebte – an, dass sie seit Beginn der Corona-Pandemie schlechter schlafen als zuvor.

Ausreichender Schlaf ist wichtig für die Gesundheit

Das ist der TK zufolge mit Abstand der höchste Wert in Deutschland. Bundesweit gaben zehn Prozent der Befragten an, schlechter zu schlafen als früher. "Wer in der aktuellen Pandemiesituation häufig unter Stress steht, ist deutlich stärker betroffen. In dieser Gruppe der Befragten raubte Corona – im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie – jedem Vierten den Schlaf", erläutert Bredl.

Dabei sei ausreichender und erholsamer Schlaf ein wichtiger Baustein für die psychische und physische Gesundheit. Der Körper regeneriere sich beim Schlafen. "Das ist ein sehr komplexer neurophysiologischer Vorgang, bei dem wichtige Prozesse unter anderem für die Regeneration oder die Gedächtnisbildung ablaufen", macht Bredl deutlich. "Dauerhaft schlechter Schlaf stört diese Prozesse und kann langfristig die Gesundheit beeinträchtigen. Schlafstörungen können mit einem erhöhten Risiko für Depressionen und Angststörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas einhergehen."

Psychische Störungen könnten sich verschlimmern

Wie sehr sich die Corona-Krise auf die Seele der Menschen auswirken kann, damit hat sich auch die Bundespsychotherapeutenkammer beschäftigt. Die Arbeitsgemeinschaft macht deutlich: Die Corona-Pandemie kann bei vielen Menschen psychische Störungen auslösen oder deutlich verschlimmern. "Neben Depressionen und Angststörungen, akuten und posttraumatischen Belastungsstörungen können auch Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, Zwangsstörungen und Psychosen zunehmen", teilt Kammerpräsident Dietrich Munz mit. Auch Allgäuer Beratungsstellen berichten von Problemen.

Ältere Menschen zählen laut den Psychotherapeuten zu den am stärksten betroffenen Gruppen. Aber auch Kinder und Jugendliche sind durch die Schließung von Kitas und Schulen und den Verlust von Kontakten psychisch gefährdet. Zwar verfügten die Menschen grundsätzlich über ein erhebliches Potenzial, psychische Gefährdungen und Krisen zu durchleben und sich auch allein wieder davon zu erholen. Die Corona-Pandemie stellt den Psychologen zufolge die menschlichen Selbstheilungskräfte jedoch vor eine außergewöhnliche Herausforderung. Und diese Herausforderung schlägt sich offenbar auch in der Schlafqualität nieder.

Dass man mehrmals in der Nacht aufwacht, ist normal

Wie ein gesunder Schlaf generell aussieht und was den Menschen die Nachtruhe rauben kann, das hat das Universitätsklinikum Erlangen zusammengefasst. Einem Ratgeber zum Thema Schlaf zufolge, den die Klinik erstellt hat, verbringt ein junger Erwachsener etwa die Hälfte des Nachtschlafs im Leichtschlaf – dass wir also nicht immer tief und fest schlafen, ist vollkommen normal. Jeweils ein Viertel des Nachtschlafes besteht aus dem Traumschlaf (REM-Schlaf) und dem Tiefschlaf. Auch dass man in der Nacht mehrmals kurz aufwacht, ist der Uniklinik zufolge nicht ungewöhnlich – in den meisten Fällen erinnern sich die Menschen nicht einmal mehr daran, dass Sie nicht durchgeschlafen haben.

 

Etwa die Hälfte der Deutschen hat der Erlanger Klinik zufolge schon Durchschlafprobleme erlebt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Psychische Erkrankungen, etwa Depressionen, können Schlafstörungen genauso auslösen wie körperliche Erkrankungen, etwa Schilddrüsen-Probleme, Magen-Darm-Erkrankungen oder Herz-Kreislauf-Störungen. Auch ein unregelmäßiger Schlaf- Wachrhythmus, bedingt zum Beispiel durch Schichtarbeit, kann sich negativ auswirken. Ebenso wenig förderlich für einen guten Schlaf sind Alkohol, Nikotin und Koffein. Außerdem können belastende Lebensereignisse, plötzliche Veränderungen im Privatleben oder Stress im Job zu Schlafproblemen führen – und gerade das ist in diesen unsteten Corona-Zeiten wahrlich keine Seltenheit. (Aktuelles zur Corona-Lage im Allgäu und der Welt lesen Sie in unserem Newsblog.)