Interview im Ostallgäu

Der Wolf im Allgäu: Jäger fordert Abschussfreigabe

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Der Allgäuer Wolf (hier ein Symbolbild) ist nicht sonderlich beliebt. Der Jäger und Wildschadensberater Ludwig Linder fordert eine Abschussgenehmigung.

Bild: Patrick Pleul/Benedikt Siegert

Der Allgäuer Wolf (hier ein Symbolbild) ist nicht sonderlich beliebt. Der Jäger und Wildschadensberater Ludwig Linder fordert eine Abschussgenehmigung.

Bild: Patrick Pleul/Benedikt Siegert

Der Tatort lag nur wenige Meter von seinem Revier entfernt - auch deshalb lässt Ludwig Linder das Thema seit Wochen nicht mehr los. Die Berichterstattung hat er minutiös verfolgt und mit vielen seiner Kollegen darüber debattiert, was man tun könne. Es geht um den Wolf, der im Oberallgäu mehrere Kälber gerissen hat. Und Linder ist sich sicher: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Wolf auch im Ostallgäu erste Kälber reißt und her kommt, wenn er nicht sowieso schon da ist." Was Linder genau fordert, erfährst Du hier.
20.08.2018 | Stand: 16:37 Uhr

Die momentane Lösung, die wir haben, ist nicht praktikabel.
Ludwig Linder

Von Wertach sei es nicht weit bis ins Ostallgäu, zumal die Tiere bis zu 80 Kilometer am Tag zurücklegen - besonders wenn sie Hunger haben, was im nährstoffarmen Winter drohen könnte.Linder hat als Jäger eine Fläche von rund 1400 Hektar gepachtet, ein Teil davon liegt auf dem Gemeindegebiet von Oy-Mittelberg. Nur wenige Meter sind es von da bis zu der Stelle, an der ein oder mehrere Wölfe eine regelrechte Blutspur hinterlassen und mehrere Kälber getötet haben. Eines steht für ihn seitdem fest: "Die momentane Lösung, die wir haben, ist nicht praktikabel."

Linder spielt damit auf die lange Zeit an, bis mittels DNA nachgewiesen worden sei, dass es sich um einen Wolf handelt. Und ob man ihn nun abschießen darf oder nicht. Der Wildschadensberater des Bayerischen Jagdverbands (BJV) fordert daher eine schnelle Lösung der Politik, damit Revierjäger das Tier erlegen dürfen.

Ist der Wolf ein Wolf?

Warum er das so sieht, erklärt Linder auf seinem Hochsitz in der Nähe der Breitenbergbahn. Er nimmt sein Fernglas zur Hand und zeigt auf eine Schafweide: "Wenn jetzt ein Wolf käme, sind mir die Hände gebunden", erklärt Linder. "Das Einzige, was ich nach derzeitiger Rechtslage machen dürfte, wäre, ihn mit einem Stock zu vertreiben." Reißt das Raubtier ein Stück Vieh, bedarf es laut Linder momentan erst einer aufwendigen DNA-Analyse und dann einer Entscheidung der Regierung in München, um einen Wolf abzuschießen.

Ein langwieriger, bürokratischer Prozess also, den Linder für wenig geeignet hält: Die Tiere so dem Wolf zu überlassen, könne man den Landwirten nicht antun. "Die Jäger haben eine Verantwortung den Verpächtern gegenüber, also den Bauern", betont der 68-Jährige. Bisherige Überlegungen, Weidetiere durch Zäune zu schützen, hätten sich laut Linder nicht bewährt. "Wir reden in Bayern ja über große Alp-Flächen im alpinen Bereich, die kann man gar nicht umzäunen." Zumal der Wolf durch viele Gatter und Maschendrähte ohnehin durchkommt, was sich jetzt gezeigt habe.

Wie eine künftige Regelung aussehen könnte, davon hat Linder eine klare Vorstellung. "Der Wolf muss ähnlich wie der Biber seinen Status als geschützte Wildart verlieren." Die Population sei stabil, eine Ausrottung der Tierart sei auch nach der Bejagung nicht zu erwarten. Das wolle auch gar kein Jäger. Er räumt aber auch mit einem romantisierenden Bild des Tiers auf: "Für den im zehnten Stock lebenden Stadtbürger ist der Wolf eine tolle Sache." Der müsse mit den Schäden auch nicht leben. Tabus, sagt Linder, dürfe es im Bezug auf den Wolf nun nicht mehr geben.

Eine Lösung muss her

Ihm schwebt daher eine Lösung vor, die sich schon beim Kolkrabe oder Murmeltier bewährt hat. Diese unterliegen zwar dem Jagdrecht, sind aber ganzjährig geschont. "In Ausnahmefällen kann aber ein Abschuss erfolgen", erklärt Linder. Ganz wichtig ist ihm, dass der Revierjäger vor Ort gemeinsam mit der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt eine Entscheidung treffen darf. "Nur er weiß, welcher Wolf aus dem Rudel die Herde angeht und abgeschossen werden muss", sagt der 68-Jährige.

Auf diese Weise könne auch ein Erziehungseffekt im Rudel einsetzen, das sich dann nach seiner Auffassung keinen Kälbern oder Schafen mehr nähern wird. Es verhalte sich dabei wie beim Fuchs und dem Hennenstall. "Er kommt sonst immer wieder an die Stelle zurück, wo er Beute gemacht hat", sagt der Jäger.

Auch auf die Frage, warum der Wolf überhaupt Kälber reißt, weiß der Pfrontener eine Antwort: "Er findet in den Wälder einfach zu wenig zu fressen." In Bayern gebe es viele rotwildfreie Gebiete, dazu würden viele schwache Rehe ohnehin vom Jäger erlegt - da bleibt für den Wolf laut Linder nicht mehr viel übrig. Umso wichtiger hält er die Kontrolle der Population.

Linder zeigt sich "sehr, sehr optimistisch", eine schnelle Erlaubnis zum Abschuss zu bekommen. Ministerpräsident Markus Söder habe den Jägern schon vor geraumer Zeit ein Entgegenkommen versprochen. Darauf zählt er jetzt.

Dass der Wolf irgendwann ins Allgäu kommen würde, sei allen klar gewesen. "Nur dass es jetzt so schnell geht, haben viele eben nicht gedacht", sagt er.