Penny: "Wahre Verkaufspreise"

Discounter weist "wahre" Preise aus: Was Lebensmittel wirklich kosten müssten

H-Milch wäre gemäß den "wahren Preisen" eigentlich fast doppelt so teuer.

H-Milch wäre gemäß den "wahren Preisen" eigentlich fast doppelt so teuer.

Bild: Rolf Vennenbernd

H-Milch wäre gemäß den "wahren Preisen" eigentlich fast doppelt so teuer.

Bild: Rolf Vennenbernd

Die Uni Augsburg hat gemeinsam mit Penny "wahre" Verkaufspreise für Lebensmittel berechnet. Fleisch aus konventioneller Herstellung wäre demnach fast 200 Prozent teurer.

H-Milch wäre gemäß den "wahren Preisen" eigentlich fast doppelt so teuer.
Von Anja Dondl
11.09.2020 | Stand: 10:10 Uhr

Anfang September eröffnete in Berlin-Spandau der erste Nachhaltigkeits-Erlebnismarkt von Penny. Neben 20 interaktiven Stationen rund um das Thema Nachhaltigkeit weisen im Laden auch einige Lebensmittel zwei Preisschilder auf: Den aktuellen Lebensmittelpreis und den "wahren" Verkaufspreis ("True Costs"). Grundlage dafür ist ein gemeinsames Projekt mit der Universität Augsburg und die Frage: Was würden Lebensmittel wirklich kosten, wenn ihre ökologischen Auswirkungen entlang der Lieferkette mit in den Verkaufspreis einfließen würden?

Die aktuellen Lebensmittelpreise spiegeln nicht die wahren Kosten wieder

Dr. Tobias Gaugler vom Institut für Materials Resource Management der Universität Augsburg hat sich gemeinsam mit seinem Team exemplarisch dafür jeweils acht konventionell und ökologisch erzeugte Eigenmarken-Produkte aus dem Sortiment von Penny angeschaut - darunter Äpfel, Bananen, Kartoffeln, Tomaten, Mozzarella, Gouda, Milch und gemischtes Hackfleisch.

Schon im Jahr 2018 hat der Wirtschaftswissenschaftler die Studie "How much is the dish – was kosten Lebensmittel wirklich?" mit einer ähnlichen Fragestellung veröffentlicht. Im Fall Penny rechneten die Wissenschaftler nun aus, wie sich die Verkaufspreise der acht Lebensmittel verändern würden, wenn die über die Lieferketten anfallenden Auswirkungen von Stickstoff, Treibhausgasemissionen, Energiebedarf und Landnutzungsänderungen miteinkalkuliert werden. "Die aktuellen Verkaufspreise kompensieren nicht die negativen externen Effekte", betont Gaugler. Erst die "wahren" Preise bezögen Umwelt- und soziale Folgekosten mit ein.

(Was die Allgäuer während der Corona-Zeit vermehrt einkaufen, lesen Sie hier.)

Lebensmittel müssten teurer werden - konventionelles Fleisch um fast 200 Prozent

Bei Hackfleisch aus konventioneller Herstellung müsste laut den Berechnungen der Wissenschaftler zum Beispiel mit einem Preisaufschlag von 173 Prozent gerechnet werden. Aber auch bei Bio-Hackfleisch sind die Folgekosten nicht zu unterschätzen. Nach den Berechnungen der Universität Augsburg müsste das um 126 Prozent teurer sein. "Bio" sei nicht gleich gut und "konventionell" nicht gleich schlecht, unterstreicht Andreas Krämer, Pressesprecher der Discounter-Kette Penny.

Im Ergebnis wird deutlich: Lebensmittel müssten teurer werden, wenn wir die Folgekosten unseres Konsums berücksichtigen. Konventionell erzeugte Lebensmittel durchschnittlich um 62 Prozent pro Kilogramm und Alternativen aus dem ökologischen Anbau um 35 Prozent pro Kilogramm.

Interessant ist dabei, dass sich die Verkaufspreise von konventionell und ökologisch erzeugten Produkten annähern würden. "Der Preisgap würde sich reduzieren", erklärt Gaugler. Der Preisunterschied zwischen Bio- und konventionellen Lebensmitteln wäre demnach nicht mehr so groß.

Billige Preise und Qualität sind schwer zu vereinbaren

Die Resonanz der Kunden auf die doppelten Preisschilder im Berliner Penny-Erlebnismarkt seien größtenteils positiv, berichtet Krämer. Sie würden damit für die versteckten Umweltfolgekosten sensibilisiert werden. Das stelle auch den Hintergrund des Projekts dar.

Der eine oder andere sei aber natürlich auch irritiert, so Krämer. Für sozial schwächere Kunden stelle sich damit die Frage, ob Lebensmittel für sie überhaupt noch bezahlbar wären, müssten sie an der Kasse wirklich die "wahren" Preise bezahlen.

Letztendlich seien aber nicht nur die Kunden gefragt, wie viel ihnen Lebensmittel und die Umwelt wert sind. Vor allem liege es auch an der Politik, die Landwirtschaft zu einem klimafreundlichen Produzieren anzuregen. Denn über billige Preise könne niemand qualitativ gut arbeiten, betont Gaugler.

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