Rosenheim

Einzelhändler wollte Läden trotz Lockdown öffnen: Warum er es nun doch nicht tut

Der Rosenheimer Sporthändler Udo Siebzehnrübl wollte seine fünf Intersport-Filialen am 11. Januar öffnen. Dann kam Applaus von der falschen Seite.

Der Rosenheimer Sporthändler Udo Siebzehnrübl wollte seine fünf Intersport-Filialen am 11. Januar öffnen. Dann kam Applaus von der falschen Seite.

Bild: Matthias Balk, dpa (Symbolfoto)

Der Rosenheimer Sporthändler Udo Siebzehnrübl wollte seine fünf Intersport-Filialen am 11. Januar öffnen. Dann kam Applaus von der falschen Seite.

Bild: Matthias Balk, dpa (Symbolfoto)

Er sei kein Corona-Leugner, sagt Udo Siebzehnrübl aus Rosenheim. Doch er werde seine Sport-Geschäfte öffnen. Dann kam Applaus von der falschen Seite.
Von Philipp Wehrmann
05.01.2021 | Stand: 21:16 Uhr

Der oberbayerische Sporthändler Udo Siebzehnrübl hatte angekündigt, er werde am Montag, 11. Januar, seine fünf Intersportfilialen öffnen - ob die Politik den Lockdown verlängert oder nicht. Wie die Fachzeitschrift Textilwirtschaft berichtete, schrieb der Einzelhändler einen offenen Brief an die bayerischen Handelsverbände. Er sei nicht auf Krawall gebürstet, sondern erhoffe sich eine Reaktion von der Politik, weil die Öffnung des Einzelhandels mit passenden Hygienekonzepten möglich sei.

Rechte Szene nutzte Aktion aus - Siebzehnrübl entscheidet sich deshalb um

Aus der Bevölkerung bekam er viel Zuspruch. Händlerkollegen aus anderen Städten hätten sich aus Solidarität für Montag zum Einkaufen bei ihm angekündigt, sagte Siebzehnrübl. Trotzdem macht er jetzt einen Rückzieher.

Die rechte Szene habe die Aktion für ihre Zwecke ausgenutzt, sagte Siebzehnrübl am Dienstag dem Bayerischen Rundfunk. "In dieses Fahrwasser soll Intersport nicht gezogen werden, da ist eine Grenze für mich erreicht." Er trete von seiner Ankündigung wieder zurück. "Wir wollen keine Sattelhalter für die rechte Szene und Corona-Leugner sein", zitiert ihn t-online.de

Sporthändler kritisiert: Lebensmittel-Discounter dürfen Sportartikel verkaufen

Schon zuvor hatte er erklärt, es "schmeckt" ihm natürlich nicht, dass er für die unerlaubte Öffnung seiner Geschäfte eine Strafe zahlen müsste. Das sagte Siebzehnrübl im Interview mit Textilwirtschaft. Bei einer Ladenöffnung im Lockdown droht dem Händler ein Bußgeld von 5000 Euro, im Wiederholungsfall mehr. Er habe aber ohnehin bereits einen "siebenstelligen Betrag in den Sand gesetzt". Da sei es ihm das wert. Es sei eine "Mega-Ungerechtigkeit", wenn er Prospekte von Lebensmittel-Discountern sehe, die mehrere Seiten Sportartikel anböten. Gleichzeitig verliere er seine Kunden an Onlinehändler wie Amazon. Deshalb sorge er sich, seine Mitarbeiter nicht halten zu können. Er selbst habe zwar seinen Online-Umsatz verdoppelt - aber 90 Prozent des Umsatzes erziele er in seinen Geschäften in Altötting, Pasing, Passau, Riem und Rosenheim.

#WirMachenAuf: Einzelhändler will Geschäft trotz Lockdown öffnen

Während am Dienstag Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten Bundesländer über eine Verlängerung der Corona-Maßnahmen diskutierten, sprachen sich Einzelhändler in den sozialen Medien unter dem Hashtag #WirMachenAuf für eine Öffnung der Geschäfte aus und kündigen teilweise an, sich nicht an die Vorschriften zu halten - wie Siebzehnrübl.

Die geplante Aktion des Rosenheimers sollte zeigen, wie groß die Verzweiflung im Einzelhandel sei, sagt Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern, dem Bayerischen Rundfunk. Es sei ein Hilfeschrei an die Öffentlichkeit und Politik. Gerade für Händler mit Winterware sei die Situation besonders schwierig. Im Lockdown Geschäfte zu öffnen sei allerdings "ein offener Rechtsbruch", sagte Ohlmann dem Sender. Aus diesem Grund unterstütze der Verband die Aktion auch nicht. Er vermutet dem Bericht zufolge aber, dass sich Nachahmer finden könnten.