Schulbeginn

Gegen den Lehrermangel: Schwangere dürfen wieder unterrichten

2900 Lehrerinnen in Bayern bekommen ein Kind.

2900 Lehrerinnen in Bayern bekommen ein Kind.

Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolbild)

2900 Lehrerinnen in Bayern bekommen ein Kind.

Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolbild)

Lehrerinnen, die ein Kind erwarten, durften zuletzt das Schulhaus nicht betreten. Jetzt soll sich das ändern – wohl auch, um den Lehrkräftemangel abzumildern.
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Von Henry Stern
14.09.2022 | Stand: 09:39 Uhr

Schwangere Lehrerinnen sollen mittelfristig wieder im Klassenzimmer unterrichten dürfen – auf freiwilliger Basis. Eine entsprechende Neuregelung kündigte Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zum Schuljahresbeginn am Dienstag an.

Im Zuge der Corona-Pandemie waren Schwangere zum Schutz vor einer Infektion vom Unterricht im Klassenzimmer ausgeschlossen worden – bis heute gilt sogar ein Betretungsverbot für das komplette Schulgelände. Teilweise konnten sie von zu Hause aus arbeiten, etwa Unterrichtsmaterialien erstellen. (Lesen Sie auch: In und um Memmingen sind die Lehrer knapp - Diese Maßnahmen sollen helfen)

Diese Einschränkung soll nun aufgehoben werden, erklärte Piazolo: „Nicht als Zwang, aber als Möglichkeit.“ Hintergrund der Lockerung dürfte die Debatte um unbesetzte Lehrerstellen in Bayern sein. So schätzt der Lehrerverband BLLV, dass aktuell rund 1500 Vollzeit-Stellen durch den Ausfall von Schwangeren und Langzeit-Erkrankten nicht besetzt sind, viele von ihnen arbeiten in Teilzeit. Insgesamt sind rund 2900 Lehrerinnen schwanger. Die Regierung will die Neuregelung "in den nächsten Wochen" auf den Weg bringen.

Wie groß der Lehrermangel ist, sagt der Minister nicht

Während die Lehrerverbände zum Schuljahresbeginn erhebliche Lücken in der Versorgung vor allem in Grund-, Mittel- und Förderschulen beklagen, sieht Piazolo bei der Lehrerversorgung keine so dramatische Situation: „Einige hundert Verträge sind aktuell noch offen“, erklärte er – bei mehr als 100.000 Lehrkräften in Bayern. Eine konkrete Zahl, wie viel Personal fehlt, wollte der Schulminister jedoch auch auf Nachfrage nicht nennen: Dies wäre „unredlich“, weil sich die Situation auch nach Schuljahresbeginn ständig verändere. Doch der Lehrermangel werde wohl auch in den nächsten Monaten aufgrund einer Reihe von Unbekannten wie möglichen Corona- oder Grippewellen ein Thema bleiben, befürchtet Piazolo: „Wir haben insgesamt aber eine solide Unterrichtsversorgung.“

Demnach hat der Freistaat zum neuen Schuljahr rund 4300 Lehrerinnen und Lehrer neu eingestellt. Dass das nicht reicht, um alle offenen Stellen zu besetzen, hatte der Minister vergangene Woche eingeräumt. Gleichzeitig steigt aber die Zahl der Schülerinnen und Schüler, im Vergleich zu 2021 um rund 46.000 auf 1,68 Millionen. Darunter sind 30.000 aus der Ukraine geflüchtete Kinder und Jugendliche. (Lesen Sie auch: Nachgefragt bei der Brauch-Expertin: Warum gibt es eigentlich Schultüten?)

Weiter ausgebaut werde das Angebot an Ganztagsschulen und Mittagsbetreuung. Die Programme zur Bewältigung von Lernrückständen und psychischen Belastungen infolge der Corona-Lockdowns würden fortgesetzt. Allein dafür stünden rund 200 Millionen Euro zur Verfügung.