Übung in Füssen

Härtetest für Hubschrauber-Piloten der Bundespolizei. Wir haben spektakuläre Fotos

Am Allgäuer Hauptkamm trainieren Piloten der Bundespolizei wieder Rettungseinsätze im Gebirge. Südöstlich des Nebelhorns wird die Bergung eines Vermissten nachgestellt.

Am Allgäuer Hauptkamm trainieren Piloten der Bundespolizei wieder Rettungseinsätze im Gebirge. Südöstlich des Nebelhorns wird die Bergung eines Vermissten nachgestellt.

Bild: Benedikt Siegert

Am Allgäuer Hauptkamm trainieren Piloten der Bundespolizei wieder Rettungseinsätze im Gebirge. Südöstlich des Nebelhorns wird die Bergung eines Vermissten nachgestellt.

Bild: Benedikt Siegert

Es ist der absolute Ernstfall, den 14 frisch ausgebildete Piloten der Bundespolizei derzeit im Allgäu proben. Das Szenario ist simpel: Von einem Touristen in Oberstdorf fehlt seit 48 Stunden jede Spur. Er ist von einer Bergtour am Allgäuer Hauptkamm nicht mehr in seine Pension zurückgekehrt. Es ist ungewiss, ob er verletzt, abgestürzt oder gar tot ist. Eine Situation also, wie sie häufig im Allgäu vorkommt – und die Rettungskräfte immer wieder vor Probleme stellt.
17.10.2018 | Stand: 17:35 Uhr


„Was wir üben, ist der Worst-Case – das unangenehmste, was man sich vorstellen kann“, sagt Michael Marx, stellvertretender Ausbildungsleiter der Bundespolizei-Piloten. Er meint damit einerseits die Widrigkeiten im Gebirge, also wechselnde Winde, schattige Hänge oder Hindernisse in Form von Geröll, Schnee oder Eis. Aber auch die Größe des abzusuchenden Gebiets. „Die Piloten wissen weder, wo sie suchen müssen, noch wen, ob einen Verletzten, Toten oder einfach jemanden, der sicher verlaufen hat“, sagt Marx.

Er nennt es die „Kür“, was von den Piloten im Allgäu abverlangt wird. Sie alle haben eine 22 Monate dauernde Ausbildung hinter sich. Ihre Pilotenlizenz bekamen sie vom Luftfahrtbundesamt bereits überreicht. Im Allgäu absolvieren die 14 Beamten aus ganz Deutschland nun seit Anfang der Woche ihre letzten „einsatzbezogenen Übungen“.

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Piloten-Übungen in Füssen

Einer von ihnen ist der 24-jährige Henry Pottkämper, dessen Kindheitstraum es immer war, Pilot zu werden. Gemeinsam mit seinem Lehrer und einem weiteren Besatzungsmitglied hat er nun schon einige der 90 Minuten dauernden Flüge hinter sich.

Wie man sich das vorstellen kann? „Der Lehrer entscheidet beispielsweise, wo ich im Gebirge landen soll. Oder wir stellen eben eine Suchaktion nach“, erzählt Pottkämper. Er hält das für das herausfordernste Element der gesamten Ausbildung bei der Bundespolizei. „Aber auch die Maschinen kommen bei den Einsätzen an ihre Grenzen“, sagt Marx. Zu tun hat das mit der geringeren Luftdichte in Höhenlagen und der damit verbundenen höheren Drehzahl der Rotorblätter, die zum Fliegen nötig ist.

Gestartet wird mit den neun Helikoptern am Morgen in Oberschleißheim bei München. Der Platz des Luftsportvereins Füssen dient dann als Stützpunkt vor Ort für die Flüge ins Hochgebirge. Dort gibt es Verpflegung für die Piloten und Tankwagen stehen bereit, sollte der Treibstoff zur Neige gehen
Jedes Jahr trainieren die Piloten der Bundespolizei zum Abschluss im Allgäu. Manche der frisch ausgebildeten Piloten kehren dann auch wieder in die Region zurück. Etwa im Cockpit des Rettungshelikopters „Christoph 17“ mit Sitz in Durach. Dessen Piloten werden nämlich auch von der Bundespolizeifligerstaffel in Oberschleißheim gestellt.

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Den vermissten Touristen bei der Übung haben die Flugschüler übrigens schon nach kurzer Zeit gefunden. Er hatte sich südöstlich vom Nebelhorn aufgehalten. Bei einer nahegelegenen Rettungsstation landete der Helikopter. Das Üben für den Ernstfall, es hat heute also geklappt. (mit fut)