Hochwasser

Hochwasser steigt nach Dauerregen in Südbayern stärker als erwartet

Die Prien bei Frasdorf hat sich nach heftigem Dauerregen in einen reißenden Fluss verwandelt.

Die Prien bei Frasdorf hat sich nach heftigem Dauerregen in einen reißenden Fluss verwandelt.

Bild: Matthias Balk, dpa (Archivbild)

Die Prien bei Frasdorf hat sich nach heftigem Dauerregen in einen reißenden Fluss verwandelt.

Bild: Matthias Balk, dpa (Archivbild)

Dauerregen am Alpenrand lässt die Flüsse viel schneller und höher steigen als gedacht. Im Raum Rosenheim müssen die Feuerwehren Hunderte Mal ausrücken.

Die Prien bei Frasdorf hat sich nach heftigem Dauerregen in einen reißenden Fluss verwandelt.
dpa
04.08.2020 | Stand: 14:59 Uhr

Straßen und Bahnstrecken mussten gesperrt werden, im Berchtesgadener Land verwüstete eine Schlammlawine den Garten einer Doppelhaushälfte: Starke und andauernde Regenfälle haben am Dienstag in Bayern zu zahlreichen Überflutungen, langen Staus und Zugausfällen gesorgt.

Im Landkreis Rosenheim musste die vielbefahrene Autobahn 8 (München-Salzburg) bei Frasdorf zeitweise in beide Richtungen gesperrt werden. Die Fahrbahn stand unter Wasser.

Im Berchtesgadener Land verwüstete Schlammlawine ein Wohngebäude

In Vachenlueg, einem Ortsteil der Gemeinde Anger im Berchtesgadener Land, rutschte ein Wiesenhang ab und drückte die Erdmassen gegen ein Wohngebäude. Das Haus stehe bis zum ersten Stock im Schlamm, berichtete die Polizei. Die Schadenssumme war zunächst unklar.

Mehrere Gebäude in der Umgebung mussten ebenfalls geräumt werden. "Der Hang könnte ja noch weiter abrutschen", erklärte ein Polizeisprecher. Ein Sachverständiger wurde beauftragt, die Lage zu beurteilen.

Bahnstrecken wurden gesperrt

Die Deutsche Bahn (DB) sperrte wegen des Hochwassers zwei Bahnstrecken südlich von Murnau. Reisende Richtung Oberammergau oder Garmisch-Partenkirchen mussten auf den Bus umsteigen. Auch die Bundesstraße 2 musste bei Murnau gesperrt werden, ein Streifenwagen der Polizei blieb dort bei einer Kontrollfahrt im Wasser stecken.

Allein im Landkreis Rosenheim und im angrenzenden Kreis Miesbach musste die Feuerwehr mehr als 500 Mal ausrücken. Die A8 konnte erst am Dienstagnachmittag wieder komplett befahren werden. Es kam zuvor über Stunden hinweg zu erheblichen Behinderungen, auch auf den Ausweichrouten.

Nicht nur Straßen waren überflutet, auch Keller mussten im Raum Rosenheim ausgepumpt werden. In Achenmühle gab es wegen der Überschwemmungen Probleme mit auslaufendem Heizöl. Die Bergwacht evakuierte im Jenbachtal ein Jugendcamp, in dem zwölf Kinder gezeltet hatten. Die Gruppe wurde zu einer Berghütte gebracht.

Bayerische Hochwassernachrichtendienst rechnet mit weiteren Überschwemmungen

Wegen der anhaltenden Regenfälle am Alpenrand waren seit Montag auch in anderen Regionen in Südbayern die Flüsse angeschwollen. Die Wasserstände waren dabei seit Montagabend oftmals schneller und höher gestiegen als zuvor von den Behörden erwartet. Wegen der anhaltenden Regenfälle rechnet der bayerische Hochwassernachrichtendienst (HND) bis Mittwoch mit weiteren Überschwemmungen im Freistaat.

In Passau erste Warnstufe erreicht

Im niederbayerischen Passau wurde am Dienstag an der Donau zwar erst die erste Warnstufe erreicht. Die Experten des Landesamtes für Umwelt schließen aber nicht aus, dass der Pegelstand dort am Mittwochmorgen im Bereich der höchsten Meldestufe, der Stufe vier, liegen kann.

Der Inn-Zufluss sorge in der Dreiflüssestadt für einen starken Anstieg, hieß es. In den vergangenen Tagen lag die Donau in Passau stabil unter fünf Metern, am Mittwoch wird der Pegel dann vermutlich mehr als acht Meter anzeigen. Dies ist allerdings für Passau noch keine ungewöhnlich große Flut.

Besonders das Inngebiet war am Dienstag betroffen. Am Nebenfluss Mangfall wurde sogar bereits am Vormittag bei Feldolling im Landkreis Rosenheim die Warnstufe vier erreicht. Bei dieser höchsten Meldestufe sind der Definition zufolge bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet. Ab Mittwoch, wenn die Hochwasserwellen abfließen, könnten die Pegelstände dem HND zufolge dann überall wieder deutlich sinken.

Auch an der Isar wurde bis dahin mit weiter steigenden Wasserständen gerechnet. Die Landeshauptstadt forderte die Bürger in den angrenzenden Gebieten in München auf, sich auf Überschwemmungen vorzubereiten. Keller sollten kontrolliert und gegebenenfalls geräumt werden, Heizöltanks sollten gesichert werden.