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Immer mehr Cyber-Crime im Allgäu: So schützt Du Dich gegen Internetbetrug

Identitätsklau im Internet

Kriminelle spähen online immer öfter persönliche Daten aus und nutzen diese für ihre betrügerischen Zwecke. 

Bild: Matthias Becker

Kriminelle spähen online immer öfter persönliche Daten aus und nutzen diese für ihre betrügerischen Zwecke. 

Bild: Matthias Becker

Die Fälle von Internetkriminalität häufen sich - auch bei uns im Allgäu. Immer öfter bemerken Menschen: Auf ihren Namen und ihre Rechnung bestellen Kriminelle online Waren. Die Maschen werden ausgefeilter, die Betrüger sind immer schwerer zu enttarnen. Hier erfährst Du, warum Du auch Nachrichten von Freunden nicht immer trauen solltest. Und eine Bitte: Zeig diesen Artikel Deiner Oma, Deinem Opa, Mama und Papa. Am besten einfach jedem, der sich im Internet nicht ganz so gut auskennt!
31.05.2021 | Stand: 10:09 Uhr

Ich ist jemand anderes – was komisch klingt, kann online schnell passieren: Identitätsmissbrauch nennt es die Polizei, wenn Kriminelle sich als jemand anders ausgeben und so online beispielsweise einkaufen. Die Rechnung geht dann an das Opfer. Das Phänomen tritt immer häufiger auf, sagt Andreas Winkler von der Verbraucherzentrale Kempten. Mehrmals pro Woche melden sich Betroffene bei der Polizei in Kempten. Die gute Nachricht lautet: Mit wenigen Vorsichtsmaßnahmen kann man es den Kriminellen deutlich schwerer machen.

Zwei Wege gibt es, wie Verbrecher an die Daten ihrer Opfer gelangen. Entweder sie knacken deren Passwörter, beispielsweise mit Schadsoftware. Oder – und das kommt immer häufiger vor – sie fragen sie einfach danach. Zumindest versteckt: Mit sogenannten "Phishing-Mails" (also das abfischen Deiner persönlichen Daten) geben sie sich etwa als Bank oder Online-Versandhandel aus und bitten um die Bestätigung der Zugangsdaten. Die E-Mails wirken täuschend echt, sind gestaltet wie die der nachgeahmten Firmen. Daher sagt Winkler: "Wenn sensible Daten wie Passwörter oder Bankverbindungen abgefragt werden, ist Vorsicht geboten." Auch führen Links in solchen Mails oft auf Webseiten, die dem Original zum Verwechseln ähnlich sehen.

"Phishing-Radar" der Verbraucherzentrale gibt wertvolle Informationen über aktuelle Betrugsmaschen

Die Verbraucherzentrale gibt auf ihrer Internetseite unter dem Suchwort "Phishing-Radar" eine Übersicht über aktuelle Fälle. Demnach wurden zuletzt solche Mails etwa im Namen des Onlinehändlers Amazon und der Sparkasse verschickt. Ein Hinweis auf eine Fälschung kann laut Winkler die Internetadresse selbst sein. Etwa, wenn sie Schreibfehler enthält. Oder, sagt Walter, wenn die Adresse etwa von Bankseiten statt mit "https" mit "http" beginnt: Die erste Variante deutet auf eine gesicherte Verbindung hin. Auch ein Schloss-Symbol neben der Adressleiste deutet auf eine Original-Webseite hin.

"Im Zweifel", rät Winkler, "können Betroffene den angeblichen Absender anrufen und fragen, ob die Mail echt ist." Wichtig: Dabei nicht die in der verdächtigen Mail angegebenen Kontaktdaten nutzen.

Zwar werden die Schutzmechanismen gegen virtuelle Angriffe immer besser – doch auch die Angreifer selbst, sagt Uwe Walter, Leiter der Abteilung Cyber-Crime bei der Kripo Kempten. Ein Beispiel, das Winkler nennt: Betrüger nutzen ein neues Gutschein-System aus. Bei diesem System gibt der Käufer des Gutscheins online eine Handynummer an. An sie wird ein Code geschickt, der bei einer Bestellung in dem Online-Handel angegeben wird. Bezahlt wird der Gutschein per Handyrechnung. Betrüger gehen so vor: Sie geben fremde Handynummern an. Mithilfe gehackter Profile bitten sie dann in sozialen Netzwerken – als Freund getarnt – das Opfer, den Code weiterzuleiten. Dieser denkt sich nichts Böses – weil er den Absender zu kennen glaubt – und folgt der Bitte. Der Betrüger kann dann den Gutschein nutzen, der Betrogene zahlt.

Schützen kann man sich gegen Angriffe außer mit vorsichtigem Verhalten etwa mit aktueller Software und sicheren Passwörtern. Doch was tun, wenn trotzdem die eigenen Daten missbraucht werden? Walter rät, den betroffenen Dienstleister, etwa die Bank oder ein Online-Handel, zu informieren, damit dieser das Konto sperrt. Sobald ein Schaden entsteht, sollte der Datenmissbrauch bei der Polizei angezeigt werden. Dann und in allen anderen Fällen kann man die Verbraucherzentrale informieren, die andere vor der Masche warnt.

So machst Du Tätern das Leben schwer

  • Gegen Hacker kannst Du Dich etwa mit einem aktuellen Betriebssystem, einem Anti-Viren-Programm und einer Firewall schützen. Auch die Software des WLAN-Routers sollte aktuell sein, rät Walter. Und betont: 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.
  • Wichtig ist ein sicheres Passwort. Hier kann Dir ein Passwort-Manager behilflich sein, falls Du ein zu komplexes Passwort mit zu vielen Sonderzeichen, Groß- und Kleinbuchstaben und insgesamt 20 Zeichen gewählt hast, das Du Dir nicht merken kannst. Die sogenannte "Zwei-Faktoren-Authentisierung" ist eine sichere Variante. Ein Kryptonizer erscheint zwar auf den ersten Blick erst mal komplett verwirrend. Aber auf den zweiten Blick ist er ein wahrer Goldschatz. Du denkst Dir ein Wort aus, ganz egal welches. Und Anhand eines individuellen Übersetzercodes generierst Du Dir dann dein eigenes "verschlüsseltes" Passwort. Den Kryptonizer gibt's beispielsweise in der Verbraucherzentrale ganz praktisch als Schlüsselanhänger.
  • Achtung, wenn Dein E-Mail-Konto geknackt wurde: Viele Webseiten bieten an, ein neues Passwort per Mail zu schicken, wenn das alte vergessen wurde. Das heißt: Wer Zugriff auf das E-Mail-Konto hat, kann sich auch Zugriff zu anderen Nutzerkonten verschaffen.
  • Wenn Du Festplatten oder Computer wegwirfst oder verkaufst, solltest Du Gespeichertes mit Spezialsoftware überschreiben, rät Walter. Wer nur löscht, riskiert, dass Kriminelle die Daten wiederherstellen und nutzen.
  • Wenn Du unbestellte Ware erhälst, solltest Du dem Absender eine Frist setzen, sie abzuholen. Eine Pflicht zur Zahlung oder Rücksendung besteht nicht, sagt Winkler.
  • Hier erfährst Du, wie Du Dich vor Facebook-Hacks schützen kannst. Die kommen nämlich relativ häufig vor.

Informationen zu dem Thema gibt die Verbraucherzentrale in Kooperation mit der Stadt Kempten am Donnerstag, 21. März, ab 15.30 Uhr im Altstadthaus.