Jeder kann helfen!

Jetzt auch im Westallgäu: Drohne soll Rehkitze vor dem Mähtod retten

Jäger Volker Herforth (orangefarbene Jacke) und seine Helfer haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Wiesen vor dem Mähen mit ihren Hunden abzulaufen. Erschnüffeln könnten die Hunde die Kitze nicht, da sie witterungslos sind, sagt Herforth. Der Geruch der Hunde verhindere aber, dass weitere Muttertiere ihre Kitze in den Wiesen ablegen. Außerdem hat er eine Drohne angeschafft, die die Tiere via Wärmebildkamera aufspürt. Wenn der Landwirt sich vor dem Mähen bei ihm meldet...

Jäger Volker Herforth (orangefarbene Jacke) und seine Helfer haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Wiesen vor dem Mähen mit ihren Hunden abzulaufen. Erschnüffeln könnten die Hunde die Kitze nicht, da sie witterungslos sind, sagt Herforth. Der Geruch der Hunde verhindere aber, dass weitere Muttertiere ihre Kitze in den Wiesen ablegen. Außerdem hat er eine Drohne angeschafft, die die Tiere via Wärmebildkamera aufspürt. Wenn der Landwirt sich vor dem Mähen bei ihm meldet...

Bild: Birgit Hitzfelder

Jäger Volker Herforth (orangefarbene Jacke) und seine Helfer haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Wiesen vor dem Mähen mit ihren Hunden abzulaufen. Erschnüffeln könnten die Hunde die Kitze nicht, da sie witterungslos sind, sagt Herforth. Der Geruch der Hunde verhindere aber, dass weitere Muttertiere ihre Kitze in den Wiesen ablegen. Außerdem hat er eine Drohne angeschafft, die die Tiere via Wärmebildkamera aufspürt. Wenn der Landwirt sich vor dem Mähen bei ihm meldet...

Bild: Birgit Hitzfelder

Im Mai beginnt in der Allgäuer Landwirtschaft die Heuernte. Für kleine Rehkitze, die sich in den Wiesen verstecken, bedeutet das oft einen grausamen Tod. Denn die süßen Bambis rennen bei Gefahr noch nicht weg, sondern drücken sich tiefer ins Gras. Jäger Volker Herforth hat im Landkreis Westallgäu deshalb eine Drohne mit Wärmebildkamera angeschafft. Sie fliegt die Wiesen vor dem Mähen ab und spürt die Tierchen auf. Einzige Bedingung: Landwirte müssten vor dem Gras schneiden bei ihm anrufen. Hier erfährst Du die Nummer und mehr...
23.05.2019 | Stand: 13:34 Uhr

Bisher kamen sogenannte „Rehkitz-Retter“ zum Einsatz, um zu vermeiden, dass Jungtiere unter die scharfen Messer der Mähmaschinen gelangen. Die Geräte animieren die Muttertiere durch Blinken und Pfeif-Geräusche, ihren Nachwuchs aus der Wiese zu führen beziehungsweise gar nicht erst dort abzulegen. Denn das Wild deutet diese Signale in der Regel als Gefahr.

Doch „das Vergrämen“ habe nur bedingt funktioniert, sagt Volker Herforth, Jäger im Revier Heimenkirch Nord-Ost und Sprecher des Jägerkreisverbandes. Die Landwirte müssten dann schon mehrere Tage vor dem Mähen Bescheid geben, um die technischen Geräte rechtzeitig aufzustellen.

Rehe und Hasen nutzen in diesen Tagen die Deckung der hohen Wiesen, um ihren Nachwuchs vor Beutegreifern wie dem Fuchs zu schützen. Doch dort droht ihnen ein anderer grausiger Tod, wenn die Mähsaison wieder losgeht.

Für Landwirte im Landkreis Lindau sollen keine Mühen und Kosten entstehen, sagt er. Die einzige Hürde: Sie müssen, wenige Stunden bevor sie ihre Felder mähen, dem Jäger Bescheid geben. Wer seine Felder vor dem Mähen absuchen lassen oder bei der Finanzierung der Drohne helfen möchte, kann sich bei Volker Herforth melden, Telefon (01 75) 9 61 90 48

Herforth und seine Helfer sind daher zu der Praxis übergegangen, wenige Stunden bevor die Landwirte mit ihren Maschinen ausrücken, die Wiesen zu Fuß abzulaufen, um die kleinen Fellknäuel zu finden.

Doch die Trefferquote bei dieser Methode sei sehr gering. Die Rehkitze bewegen sich nicht, haben keinen Fluchtreflex und seien zudem perfekt getarnt. „Den ganzen Tag durch hohe Wiesen zu laufen, ist wie Wassertreten. Das führt zur völligen Erschöpfung“, sagt der Jäger. Es gleiche einer Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Meistens fehlen außerdem die dringend benötigten Helfer für eine derart aufwendige Suche.

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Nun setzt Herforth auf eine Drohne, um Rehkitze und Junghasen im hohen Gras aufzuspüren. Premiere für den Landkreis Lindau, sagt Herforth. Die Anschaffungskosten liegen bei knapp 4.300 Euro.

Rollt eine Mähmaschine heran, fliehen die Rehkitze nicht, sondern drücken sich lediglich noch flacher auf den Boden. Sie haben keinen Fluchtreflex und sind zudem gut getarnt.
Rollt eine Mähmaschine heran, fliehen die Rehkitze nicht, sondern drücken sich lediglich noch flacher auf den Boden. Sie haben keinen Fluchtreflex und sind zudem gut getarnt.
Bild: Birgit Hitzfelder

Mit Wärmebildkamera

Das Fluggerät mit acht Rotoren ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet und überfliegt mittels der Koordinaten eine Wiese in etwa 15 Metern Höhe, Quadratmeter für Quadratmeter. Die Videobilder werden in Echtzeit auf den Monitor am Bediengerät übertragen. Taucht dabei ein roter Fleck auf, bedeutet das, das an dieser Stelle höchstwahrscheinlich ein Kitz liegt. Herforth und seine freiwilligen Helfer können dann punktgenau losziehen, um das Tier zu retten. Mit dieser Methode sei es zu 99 Prozent sicher, alle Rehkitze im Feld zu finden, sagt Herforth. „Daraus ergibt sich die Möglichkeit, viele Wiesen in der gleichen Zeit abzusuchen, die wir ansonsten für nur eine Wiese gebraucht haben.“

Um die Drohne zu finanzieren, setzt Herforth auf Spendengelder. 3.000 Euro habe er bereits gesammelt. Für Landwirte im Landkreis Lindau sollen keine Mühen und Kosten entstehen, sagt er. Die einzige Hürde: Sie müssen, wenige Stunden bevor sie ihre Felder mähen, dem Jäger Bescheid geben. In der Vergangenheit sei das Angebot noch nicht von allen Landwirten genutzt worden, so Herforth. Durch die Drohne erhofft er sich mehr Rückmeldungen unter der Telefonnummer (01 75) 9 61 90 48.

Körperkontakt vermeiden

Finden Herforth und seine Helfer ein Rehkitz, tragen sie es mit ausgerissenen Grasbüscheln in den Händen aus der Wiese und setzen es am Waldrand ab. Körperkontakt mit den Jungtieren sollte möglichst vermieden werden, damit die Ricke ihr Kitz anschließend nicht wegen des Menschengeruchs ablehne, erklärt Herforth. Ricke ist die Bezeichnung für das Muttertier eines Kitzes.

Der Tierschutz steht für Herforth bei den aufwendigen Rettungsaktionen im Vordergrund. Es sei ein fürchterlicher Tod für die Tiere, wenn sie von den Mähmaschinen erfasst werden. Die Kitze werden aufgeschlitzt, Gliedmaßen abgetrennt und müssten dann elendig verbluten. Dabei spielten sich immer wieder herzzerreißende Dramen zwischen Muttertier und Kitz ab, wie Herforth erzählt. „Wer es einmal in seinem Leben miterlebt hat, wird es nie mehr vergessen.“ Auf der Wiese liegen dann schreiend die verstümmelten Kitze und am Waldrand schreie das Muttertier, das sich nicht herantraut.

Als Jäger habe Herforth auch schon mal den Vorwurf zu hören bekommen, warum er denn den Kitzen helfe, wenn er die erwachsenen Tiere später doch eh abschieße. Eine Anschuldigung, die Herforth nicht nachvollziehen kann. Das eine sei der Tierschutz, um die Kitze vor einem qualvollen Tod zu bewahren, dass andere gehöre zu Hege und Pflege der Wild- und Waldbestände. Natürlich werde auch geschossen wegen des Fleisches, aber eben nur streng nach Abschussplan und ohne Qualen für die Tiere.