Jugendlicher erschlägt Mann

Königsplatz-Prozess in Augsburg: Wie kann ein einzelner Schlag tödlich sein?

In dem Augsburger Königsplatz-Prozess ist ein 17-Jähriger angeklagt. Er soll vor etwa einem Jahr einen Mann mit einem Faustschlag getötet haben.

In dem Augsburger Königsplatz-Prozess ist ein 17-Jähriger angeklagt. Er soll vor etwa einem Jahr einen Mann mit einem Faustschlag getötet haben.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

In dem Augsburger Königsplatz-Prozess ist ein 17-Jähriger angeklagt. Er soll vor etwa einem Jahr einen Mann mit einem Faustschlag getötet haben.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Das Opfer vom Augsburger Königsplatz war gesund und hatte ein „Sportlerherz“. Durch den Schlag erlitt Roland S. eine seltene Verletzung, erklärt ein Gutachter.
In dem Augsburger Königsplatz-Prozess ist ein 17-Jähriger angeklagt. Er soll vor etwa einem Jahr einen Mann mit einem Faustschlag getötet haben.
Von Jörg Heinzle
04.11.2020 | Stand: 20:51 Uhr

Es war ein einziger Faustschlag – und er endete für das Opfer tödlich. Halid S., 17, konnte es offenbar selbst nicht glauben, dass er mit nur einem Schlag den 49-jährigen Roland S. am Königsplatz in Augsburg getötet hat. Als Kripobeamte ihn zu Hause festnahmen, sagte er, er habe niemanden umgebracht. Der Mann habe wohl einen Herzinfarkt erlitten. Tatsächlich aber kann ein einzelner Schlag tödlich sein, erklärte der Rechtsmediziner Randolph Penning nun im Prozess vor dem Augsburger Landgericht. Es sei aber selten, weil mehrere Faktoren zusammenkommen müssten.

Tödlicher Schlag am Augsburger Königsplatz verursachte seltene Verletzung

Halid S. traf sein Opfer seitlich am Kinn. Es muss ein Schlag mit großer Wucht gewesen sein. Das Gehirn geriet so in eine starke Drehbewegung. Dadurch riss eine der Schlagadern, die das Gehirn versorgen. Der Riss selbst ist nicht sehr groß, er ist nur mit Vergrößerung gut zu erkennen. Aber dadurch füllte sich ein Teil des Hirns relativ schnell mit Blut. Und das führte zu einem schnellen Tod. Solch eine Verletzung sei sehr selten, sagt der Rechtsmediziner.

Penning, 66, sagte, er habe in seiner Karriere gut 16.000 Obduktionen durchgeführt. Er könne sich an etwa zehn ähnliche Fälle erinnern. Roland S., tätig bei der Berufsfeuerwehr in Augsburg, sei wohl auch wegen seines Jobs fit gewesen, sagt der Mediziner. Er habe ein „Sportlerherz“ gehabt und keine relevanten Vorerkrankungen. Einen Herzinfarkt könne er ausschließen, ebenso auch eine Vorbelastung durch eine angeborene Gefäßaussackung – in der Fachsprache als Aneurysma bezeichnet..

Prozess in Augsburg: Helfer hatten keine Chance, das Opfer zu retten

Randolph Penning sagt, dass ein solcher durch einen Schlag verursachter Riss in der Hirngrundschlagader eigentlich immer tödlich sei. Ersthelfer und Notarzt hatten faktisch keine Chance mehr, das Leben des Mannes zu retten. Der Rechtsmediziner zitiert in seinem Gutachten auch aus einer Untersuchung von 23 Todesfällen dieser Art. Aus ihr ergebe sich, dass im Wesentlichen drei Voraussetzungen vorliegen müssen, dass eine solche Verletzung passiert: Der Schlag müsse massiv sein. Er müsse völlig überraschend kommen, sodass sich das Opfer nicht anspannen kann. Und in nahezu allen beschriebenen Fällen sei das Opfer auch alkoholisiert gewesen. Penning vermutet, dass der Alkohol unterbewusste Reflexe verzögert. Roland S. hatte auf dem Christkindlesmarkt mehrere Tassen Glühwein getrunken und zur Tatzeit laut Gutachten rund ein Promille Alkohol im Blut.

Der Rechtsmediziner gab vor Gericht auch eine Einschätzung dazu ab, ob Halid S. wissen konnte, dass sein Schlag das Opfer töten kann. Penning sagt, er glaube nicht, dass diese Art der Verletzung über Fachkreise hinaus weiter bekannt sei. Allerdings erklärt er auch: Ein solch überraschender Faustschlag ins Gesicht, speziell bei einem alkoholisierten Menschen, berge immer das Risiko eines Sturzes, der ebenfalls tödlich enden könne.

Im Königsplatz-Prozess sind drei junge Männer angeklagt

In der Anklage wird Halid S. Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Der 17-Jährige soll zugeschlagen haben, nachdem es zu einem Streit gekommen war. Der Streit soll sich daran entzündet haben, dass ein Freund von Halid S. den 49-Jährigen nach einer Zigarette gefragt hat. Roland S. soll dabei einen aus der Gruppe um Halid S. geschubst haben, dann traf ihn unvermittelt der Schlag. Ein Psychiater sagte am Mittwoch im Prozess, er halte S. für schuldfähig. Er attestierte ihm eine starke Ich-Bezogenheit. Neben Halid S. sind noch zwei weitere junge Männer angeklagt, weil sie einen Freund des 49-Jährigen geschlagen und dabei massiv im Gesicht verletzt haben sollen. (Lesen Sie auch: Ehefrau des getöteten Königsplatz-Opfers sagt unter Tränen aus.)

Der Prozess soll noch diese Woche zu Ende gehen. Für Donnerstag sind die Plädoyers von Staatsanwalt, Nebenklägern und Verteidigern vorgesehen. Am Freitag könnte dann ein Urteil verkündet werden.