Porträt

Kardinal Reinhard Marx: Ein streitbarer Anwalt für die Schwachen

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx.

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx.

Bild: Lennart Preiss

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx.

Bild: Lennart Preiss

Kardinal Reinhard Marx hat dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Der gebürtige Westfale gilt als profilierter Sozialethiker - und streitbarer Geist.
04.06.2021 | Stand: 12:19 Uhr

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx gilt als einer der profiliertesten Sozialethiker in der katholischen Kirche Deutschlands. Marx sei ein "wortgewaltiger Anwalt und Fürsprecher der Schwachen", sagte der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) einmal über den streitbaren Theologen. Heute bot Marx dem Papst überraschend seinen Rücktritt an.

Reinhard Marx - er kam am 21. September 1953 im westfälischen Geseke (Kreis Soest) zur Welt - wurde nach diversen kirchlichen Ämtern 1996 Weihbischof in Paderborn. Dort unterrichtete er auch in christlicher Gesellschaftslehre.

Reinhard Marx wurde 2010 zum Kardinal ernannt

Es folgte eine steile Karriere in der katholischen Kirche. 2002 wurde er Bischof von Trier, mit 48 Jahren war er damals der bundesweit jüngste Diözesanbischof. Ende 2007 bestimmte ihn Papst Benedikt XVI. zum Nachfolger des damaligen Münchner Erzbischofs, Kardinal Friedrich Wetter. Anfang Februar 2008 wurde Marx im Münchner Dom in das neue Amt eingeführt. 2010 erfolgte die Ernennung zum Kardinal.

Von 2014 bis 2020 war Marx dann Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

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Kardinal Reinhard Marx tritt ab: Bilder einer Karriere

Kardinal Marx ist ein kommunikativer Mensch, der gut auf die Menschen zugehen kann. Kirchenpolitisch aber gilt er als Hardliner, als absolut Rom-treuer, strikt konservativer Kirchenmann. Da verwundert es nicht, dass Marx manchem Geistlichen als zu mächtig, ja zu machtbewusst erschien, mithin zu verliebt in den öffentlichen Auftritt. Als Kurien-Erzbischof Georg Gänswein einst mahnte, der Vorsitzende einer Bischofskonferenz sei „ein Moderator, nicht der Nationalpapst seines Landes“, zielte das wohl auch auf Marx ab.

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Dass er ein widersprüchliches Bild abgibt, schadete ihm allerdings nicht. Mal galt er als konservativ, mal als Reformer. Mal war er zugänglich und jovial, mal kompromisslos und energisch.

Kardinal Marx gründete Stiftung für Missbrauchsopfer in der Kirche

Marx polarisiert durchaus. Das allerdings muss man ihm lassen: Er stand und steht zu seiner Meinung - und setzte Zeichen. Im Dezember 2020 etwa gründete er eine Stiftung für Betroffene sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Er habe sich entschlossen, dafür "den allergrößten Teil" seines Privatvermögens aufzuwenden, insgesamt 500.000 Euro, erklärte Marx damals.

Diese Klarheit zeigt sich nun auch in dem Brief an den Papst, in dem Marx seinen Rücktritt anbietet. Die katholische Kirche sei an einem „toten Punkt“ angekommen, heißt es darin. Mit seinem Amtsverzicht könne vielleicht ein persönliches Zeichen gesetzt werden für neue Anfänge, für einen neuen Aufbruch der Kirche. Seine Bitte um Annahme des Amtsverzichts sei eine ganz persönliche Entscheidung, so Kardinal Marx. „Ich möchte damit deutlich machen: Ich bin bereit, persönlich Verantwortung zu tragen, nicht nur für eigene Fehler, sondern für die Institution Kirche, die ich seit Jahrzehnten mitgestalte und mitpräge.“