Vorfall in München

Kleintransporter fährt in Menschengruppe: Wohl erste Festnahmen

Ein dunkler Transporter fährt auf einen am Boden liegenden Mann zu, fünf Männer gehen dann auf ihn und seine Begleiter los, verletzten ihn schwer - und verschwinden. Die Attacke, mutmaßlich von einer Rockergang begangen, macht Schlagzeilen im nicht unbedingt für Rockerkriege bekannten München.

Polizisten stehen nahe der Stelle in München, an der am Nachmittag ein Fahrzeug in eine Gruppe von Menschen gefahren ist. Drei Menschen wurden verletzt, ob durch die Kollision mit dem Auto oder durch die nachfolgende Prügelei, war zunächst unklar.

Bild: Matthias Balk/dpa

Polizisten stehen nahe der Stelle in München, an der am Nachmittag ein Fahrzeug in eine Gruppe von Menschen gefahren ist. Drei Menschen wurden verletzt, ob durch die Kollision mit dem Auto oder durch die nachfolgende Prügelei, war zunächst unklar.

Bild: Matthias Balk/dpa

Es ist ein Szenario, das sofort schlimmste Assoziationen weckt: Ein Auto fährt in München offensichtlich mit voller Absicht in eine Gruppe von Menschen.

10.06.2020 | Stand: 22:06 Uhr

Die Folgen sind weniger schlimm als zunächst befürchtet: Ein dunkler Kleintransporter ist in der Ungererstraße im Münchner Stadtteil Schwabing-Freimann in eine Menschengruppe auf dem Gehweg gefahren - wie der Hergang vermuten lässt, geschah dies mit voller Absicht. "Offensichtlich haben wir es mit einer äußerst brutalen Auseinandersetzung polizeibekannter Rockergruppen zu tun", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem Hörfunksender "Antenne Bayern".

Die sechs Insassen des Fahrzeugs seien auch noch auf die angefahrene Gruppe losgegangen und hätten "gewaltsam auf sie eingewirkt", teilte die Polizei nach dem Vorfall am Mittwochnachmittag mit. Bei dem Vorfall wurden drei Menschen schwer verletzt. Bei ihnen handelt es sich um zwei Personen mit Wohnsitzen in München (42 und 56 Jahre) und um einen 45-Jährigen aus dem Landkreis München. Einer der Verletzten wurde von dem Auto getroffen, ein weiterer habe schwere Stichwunden, wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage bestätigte. Die Polizei geht davon aus, dass einer der Angreifer ein Messer dabei haben könnte. Woher die Verletzungen des dritten Opfers stammen, wird aktuell noch geprüft. Die Verletzten wurden in die umliegenden Krankenhäuser eingeliefert. Sie schweben nicht in Lebensgefahr.

Ob die Verletzungen durch die Kollision mit dem Fahrzeug oder durch die nachfolgende Prügelei zustande kamen, war zunächst unklar. Nach Angaben von Zeugen sei bei dem Angriff auch ein Stichwerkzeug benutzt worden, hieß es.

Die Polizei in München teilte mit: "Nach den ersten vorläufigen Ermittlungen gab es eine Vorbeziehung zwischen den Tätern und den Verletzten, die auf einen Zusammenhang mit dem Rocker-Milieu hindeutet."

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Attacke in München - Ermittlungen in der Rocker-Szene

Polizei München leitet Großfahndung ein

Der Bereich um den Tatort wurde von zahlreichen Polizisten weiträumig abgesperrt und eine Großfahndung eingeleitet. Ein Hubschrauber kreiste über dem Stadtteil Schwabing. "Die Fahndung läuft auf Hochtouren", sagte ein Polizeisprecher. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand nach ersten Erkenntnissen nicht.

Innenminister Herrmann sagte: "Es ist unerträglich, dass solche Bandenkriege auf offener Straße in München ausgetragen werden. ... Dass inzwischen bereits die ersten Tatbeteiligten festgenommen werden konnten, ist ein großartiger Erfolg unserer Polizei", so der Minister weiter.

Nun sollen die ersten Tatverdächtigen festgenommen worden sein. Innenminister Joachim Herrmann (63, CSU) sagte der "Bild": "Ich bin zunächst einmal froh, dass wir hier nicht von einem Terroranschlag ausgehen müssen und keine größere Gefahr für die Bevölkerung bestand." Er versprach, dass die bayerische Polizei alles unternehmen werde, um die Täter dingfest zu machen. „Dass inzwischen bereits die ersten Tatbeteiligten festgenommen werden konnten, ist ein großartiger Erfolg unserer Polizei."

Wie die "Bild" berichtet, soll der Angriff der Höhepunkt eines Streits zwischen zwei verfeindeten Rocker-Gruppen sein. Demnach soll ein mit Hells Angels besetztes Auto in einen Rocker der „Black Jackets“ gefahren sein. Auf ihn soll auch mit einem Messer eingestochen worden sein.

Polizei: Zusammenhang mit dem Rocker-Milieu

Die Polizei München bestätigte unserer Redaktion mittlerweile den Verdacht, dass es sich bei dem Angriff um einen Angriff unter zwei verfeindeten Rocker-Gruppierungen handeln könnte. "Nach den ersten vorläufigen Ermittlungen gab es eine Vorbeziehung zwischen den Tätern und den Verletzten, die auf einen Zusammenhang mit dem Rocker-Milieu hindeutet", hieß es in einer am Abend veröffentlichten Pressemeldung der Einsatzkräfte.

Schwarzer Mercedes Kleintransporter gesucht

Die Polizei fahndet aktuell nach dem schwarzen Mercedes Kleintransporter. Der Bereich um den Einsatzort wurde weiträumig abgesperrt. Mehr als 80 Polizisten sowie ein Hubschrauber sind im Einsatz. Zahlreiche Zeugen wurden befragt. Rund um die Ungererstraße und Domagkstraße kam es zu deutlichen Verkehrsbehinderungen im Straßenverkehr.