Treffen von Markus Söder und Sebastian Kurz

Kurz: Reisewarnungen sind ein großes Problem

Markus Söder und Sebastian Kurz sind besorgt über die steigenden Corona-Zahlen in Bayern und Österreich.

Markus Söder und Sebastian Kurz sind besorgt über die steigenden Corona-Zahlen in Bayern und Österreich.

Bild: Sven Hoppe, dpa

Markus Söder und Sebastian Kurz sind besorgt über die steigenden Corona-Zahlen in Bayern und Österreich.

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In einem sind sich Bayern und Österreich einig: Es soll keine Grenzschließungen geben. Beim Tourismus gibt es etwas unterschiedliche Interessen.
Markus Söder und Sebastian Kurz sind besorgt über die steigenden Corona-Zahlen in Bayern und Österreich.
dpa
09.10.2020 | Stand: 18:23 Uhr

Nach manchen Hakeleien in den vergangenen Monaten wollen Bayern und Österreich beim Kampf gegen Corona künftig enger zusammenarbeiten - und vor allem Grenzschließungen unter allen Umständen vermeiden. Das betonten Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Freitag nach einem Treffen im Zollamt Bad Reichenhall direkt an der Grenze.

Kurz machte dabei sehr deutlich, dass er im Winter trotz Corona auf möglichst viele Touristen aus Deutschland und Bayern setzt. Er würde sich bei der deutschen Benennung von Corona-Risikogebieten deshalb eine noch stärkere regionale Differenzierung wünschen - derzeit gilt insbesondere das bei Urlaubern beliebte Tirol als Risikogebiet. Reisewarnungen seien schon "ein sehr großes Problem", klagte er.

"Wir in Deutschland wollen keinen zweiten Lockdown, wir wollen auch keine Schließung der Grenzen", sagte Söder. "Eine Schließung der Grenzen wäre eine Ultima Ratio, die jetzt keiner will." Kurz betonte ebenfalls, die Grenzen müssten offen bleiben. Der Kanzler warnte dabei sehr deutlich vor schweren Folgen für die eng verwobene Wirtschaft. Der Grenzverkehr müsse funktionieren. "Wenn das nicht möglich ist, dann zerstört uns das unseren Binnenmarkt in Europa."

Söder und Kurz sind über steigende Corona-Zahlen besorgt

Söder und Kurz zeigten sich extrem besorgt über die drastisch gestiegenen Corona-Zahlen in ganz Europa. "Wir erleben in Europa gerade die zweite Welle", sagte Kurz. Söder mahnte, man müsse aufpassen, "dass wir vernünftiges wirtschaftliches, soziales Leben erhalten können". Zudem kündigte Söder für die Zukunft einen engeren Austausch mit Kurz über die jeweiligen Anti-Corona-Maßnahmen an.

In den vergangenen Monaten hatte es hier wiederholt Hakeleien zwischen beiden Ländern gegeben. Als im März der Wintersportort Ischgl als Corona-Hotspot ins Blickfeld geriet, hatte die Regierungsspitze in Wien wenig Verständnis für die internationalen Schuldzuweisungen. Söder sagte dazu nun, es habe dort im Winter schon eine "Infektionsquelle" gegeben. Das sei aber "alles abgestellt worden", es habe sich "unglaublich viel getan und viel verändert". Im Sommer aber hatte sich in Bayern teilweise Unverständnis geregt, als die Anti-Corona-Maßnahmen in Österreich schneller und umfassender als anderswo wieder gelockert worden waren - etwa die Maskenpflicht.

Kurz würde sich bei der deutschen Benennung von Corona-Risikogebieten jetzt eine noch stärkere regionale Differenzierung wünschen. Die Ansteckungszahlen in Städten in Österreich seien oftmals deutlich höher als in als in den ländlichen Gebieten. "Die Orte, wo die meisten Deutschen aber im Winter ihren Urlaub verbringen, das ist in den ländlichen Gebieten in den Bergen." Und viele Tourismusregionen hätten kaum oder teilweise sogar gar keine Corona-Fälle, betonte er.

Und für Österreich sei der Tourismus ein wesentlicher Bestandteil des Bruttoinlandsprodukts. "Rund 15 Prozent unserer Wirtschaft sind Tourismus, Sport und Freizeitwirtschaft, und für uns ist das daher ganz essenziell", sagte er. Es gebe nicht nur viele deutsche Gäste in Österreich, sondern auch viele Menschen mit Zweitwohnsitz. "All diese Menschen sind bei uns willkommen. Wir haben ein Interesse, dass der Tourismus auch gut funktioniert, sicher funktioniert. Wir haben, glaube ich, im Sommer auch bewiesen, dass das möglich ist."

Corona: Was wird aus der Wintersaison in Bayern und Österreich?

Wie ein Damoklesschwert schweben vor der Wintersaison die drohenden und die schon ausgesprochenen Reisewarnungen über Österreich. Die Alpenrepublik braucht die ausländischen Touristen dringend. In den Bundesländern Tirol und Vorarlberg, für die neben Wien deutsche Reisewarnungen gelten, machten Deutsche zuletzt mehr als die Hälfte der Wintergäste aus. Allerdings scheinen die aktuellen Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus wenig Hoffnung oder Spielraum zu geben. Am Donnerstag und Freitag wurden in Österreich im Vergleich zum Vortag jeweils mehr als 1100 Neuinfizierte gezählt, umgerechnet auf die Einwohnerzahl mehr als dreimal so viele wie in Deutschland.

Gleichwohl setzt auch Söder auf funktionierenden Wintertourismus, vorrangig in Bayern - aber auch in Österreich. Wenn insbesondere konsequent weiter mit Masken, mit Hygiene, mit Schnelltests operiert werde, könnten der gesamte Raum - Bayern und das Grenzgebiet in Österreich - möglicherweise ein gutes Urlaubsgebiet zu Weihnachten sein, sagte er. Man wisse aber noch nicht, was im Dezember sei.

Dass er in den vergangenen Monaten oft für "Urlaub dahoam" geworben hatte, sieht Söder nicht als Problem. "Dass ein österreichischer Bundeskanzler mehr dafür wirbt, dass mehr Leute nach Österreich fahren, ist klar. Ein bayerischer Ministerpräsident kommt gut damit zurecht, wenn die Leute auch Urlaub in Bayern machen. Das ist, glaube ich, selbstverständlich und das tut der Freundschaft keinen Abbruch." (Lesen Sie auch: Wintersport trotz Corona - so soll das funktionieren)