Italien/Deutschland

Münchner stellt sich nach tödlichem Unfall am Gardasee der Polizei

In diesem Boot starben vor gut zwei Wochen ein 37-jähriger Mann und seine 25 jahre alte Begleiterin. Am Tag nach dem Unglück begutachteten italienische Ermittler am Gardasee den Schaden.

In diesem Boot starben vor gut zwei Wochen ein 37-jähriger Mann und seine 25 jahre alte Begleiterin. Am Tag nach dem Unglück begutachteten italienische Ermittler am Gardasee den Schaden.

Bild: Gabriele Strada, AP, dpa

In diesem Boot starben vor gut zwei Wochen ein 37-jähriger Mann und seine 25 jahre alte Begleiterin. Am Tag nach dem Unglück begutachteten italienische Ermittler am Gardasee den Schaden.

Bild: Gabriele Strada, AP, dpa

Ein Münchner soll mit seinem Boot betrunken ein Boot gerammt haben. Zwei Italiener starben. Jetzt hat sich der Deutsche der Polizei gestellt – fast wie im Film.
06.07.2021 | Stand: 12:34 Uhr

Vor dem eisernen Eingangstor des Gefängnisses von Brescia wehen die italienische und die europäische Fahne. Hinter den Mauern sitzt seit Montagmorgen der deutsche Staatsbürger Patrick K., der beschuldigt wird, bei einem Bootsunfall auf dem Gardasee zusammen mit seinem Freund Christian T. vor gut zwei Wochen zwei junge Italiener getötet zu haben. K. hatte sich in der Nacht auf Montag in der Ortschaft Brenner an der Grenze zwischen Österreich und Italien den italienischen Behörden gestellt. Die StaatsanwaltschaftBrescia, die in dem Fall ermittelt, hatte zuvor einen internationalen Haftbefehl ausgestellt, den das Oberlandesgericht München bestätigte. Die Carabinieri brachten den Beschuldigten dann in die Haftanstalt.

Arrangiert wurde die Übergabe offenbar von den beiden Verteidigern des 52-jährigen Mannes, der in München wohnt. Nachdem in der italienischen Presse Gerüchte über einen internationalen Haftbefehl bekannt wurden, der de facto eine Woche nach der Tat am 28. Juni ausgestellt worden war, sei man aktiv geworden, heißt es von der Verteidigung. K. habe sich demnach freiwillig gestellt. Die Verteidiger hatten Kontakt zur StaatsanwaltschaftBrescia aufgenommen und dann die Übergabe verabredet.

Unfall am Gardasee mit zwei Toten: Gegen den Münchner wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt

Gegen K., der am Steuer des Motorboots gewesen sein soll, wird wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung ermittelt. „Die beiden haben nicht angehalten, sind weitergefahren und haben keine Hilfe geleistet“, sagte Oberstaatsanwalt Francesco Prete am Montag. In seinem Haftbefehl gegen K. schreibt der italienische Ermittlungsrichter Andrea Gaboardi nach Angaben der Lokalzeitung Giornale di Brescia: „Er hat mit Skrupellosigkeit und absoluter Gleichgültigkeit im Hinblick auf das menschliche Leben gehandelt.“

Der Unfall hatte sich in der Nacht des 19. Juni am Westufer des Gardasees auf Höhe des Hafens von Portese zugetragen. Nach Angaben der Ermittler sollen die beiden deutschen Touristen gegen 23.30 Uhr betrunken und mit überhöhter Geschwindigkeit mit dem Motorboot von Christian T. das Holzboot des italienischen Paares überfahren haben. Der 37 Jahre alte Mann starb offenbar sofort, ein Zeuge sah den leblosen Körper am nächsten Morgen im Bootswrack liegen. Die Leiche der 25-jährigen Begleiterin wurde am folgenden Tag von Tauchern geborgen. In einer ersten Aussage gaben die beiden Deutschen an, nichts von einem Aufprall gegen ein anderes Boot gemerkt zu haben. Sie hätten nur kurz angehalten und an eine Kollision mit einem Stück Treibholz gedacht.

Unfall am Gardasee: Italienische Opfer wurden inzwischen beerdigt

Die Ermittler hingegen behaupten, das Boot des italienischen Paares sei beleuchtet gewesen. K. habe das Motorboot betrunken und mit etwa vierfach überhöhter Geschwindigkeit gelenkt. Erlaubt sind nachts auf dem Gardasee fünf Knoten (etwa neun km/h), die Touristen seien mit rund 20 Knoten unterwegs gewesen. Chefermittler Prete sagte, während T. sich einem Alkoholtest mit positivem Ergebnis unterzogen habe, hätte K. den Test verweigert. K.s Anwalt hingegen bestreitet die Trunkenheit seines Mandanten.

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Augenzeugen hatten die beiden Deutschen bereits am Nachmittag im Ort Salò beim Biertrinken gesehen. Auf Bildern einer Überwachungskamera ist zudem zu sehen, wie einer der beiden Männer beim Anlegen im Hafen ins Wasser fällt. Nach Angaben des deutschen Anwalts sei das dem misslungenen Anlegemanöver und nicht einer etwaigen Trunkenheit geschuldet gewesen.

Die beiden italienischen Opfer wurden in den vergangenen Tagen beerdigt. Der Vater der 25-jährigen Begleiterin sagte dabei: „Wir hoffen, dass sie bezahlen für das, was sie getan haben. Sie müssen den Fehler einsehen, den sie begangen haben. Wenn sie Hilfe gerufen hätten, wäre meine Tochter vielleicht noch am Leben.“