Läuft wie am Schnürchen

Mach mit beim großen Strick-Rekord in Memmingen!

Diese zwei Frauen möchten den neuen Strick-Rekord für Memmingen holen: Anja Großmann (rechts) und Elvira Jörg-Ulrich organisieren das größte öffentliche Stricken in Memmingen.

Diese zwei Frauen möchten den neuen Strick-Rekord für Memmingen holen: Anja Großmann (rechts) und Elvira Jörg-Ulrich organisieren das größte öffentliche Stricken in Memmingen.

Bild: Dunja Schütterle/oH

Diese zwei Frauen möchten den neuen Strick-Rekord für Memmingen holen: Anja Großmann (rechts) und Elvira Jörg-Ulrich organisieren das größte öffentliche Stricken in Memmingen.

Bild: Dunja Schütterle/oH

Memmingen schaffte 2018 den Rekord: 150 Personen strickten gleichzeitig auf dem Theaterplatz. Das möchten zwei Frauen nun toppen. Anja Großmann und Elvira Jörg-Ulrich lassen am 8. Juni in Memmingen wieder für 30 Minuten die Nadeln glühen. Diesmal mit noch mehr Teilnehmern. Und das Coole daran ist: Auch Du kannst bei dem Rekordversuch mitmachen. Dafür musst du kein Strickprofi sein. Egal ob Profi, oder blutiger Anfänger - jeder kann mitmachen. Also an die Nadeln, fertig, los!
06.06.2019 | Stand: 17:04 Uhr

Memmingen ist Rekordhalter und die einzige Stadt in Deutschland, die einen eingetragenen und offiziell bestätigten Titel der meisten Personen im öffentlichen Raum aufweisen kann, die 30 Minuten am Stück strickten: Jeder an seinem eigenen ganz individuellen Strickstück.

150 Personen beteiligten sich am letztjährig aufgestellten Rekord des Deutschen Rekordinstituts, der am Theaterplatz stattfand. Und was 2018 wie am Schnürchen klappte, soll heuer mit weiteren Teilnehmern noch getoppt werden, sagen die Organisatorinnen Anja Großmann und Elvira Jörg-Ulrich. Sie rühren schon kräftig auf allen Kanälen die Werbetrommel für den zweiten Anlauf des Strickrekords.

Unterstützt werden die Initiatorinnen von der Stadtverwaltung, die dem erneuten Rekordversuch am offiziellen Welttag des öffentlichen Strickens am kommenden Samstag (8. Juni) die Daumen drückt. Um für jede Wetterlage gerüstet zu sein, findet das Event am Westertorplatz im Untergeschoss des Eingangsbereichs von Karstadt statt.

Bereits 2018 holte die Stadt mit 150 Teilnehmern den Rekord. Das soll heuer getoppt werden.
Bereits 2018 holte die Stadt mit 150 Teilnehmern den Rekord. Das soll heuer getoppt werden.
Bild: Dunja Schütterle/oH

Ob strickbegeistert oder blutiger Anfänger - jeder, der aus einem Faden einen Maschenanschlag auf die Reihe oder besser auf die Nadeln bringt - egal, ob rechts oder links -, kann mit dabei sein. "Es muss nur ab 13.30 Uhr konzentriert 30 Minuten an seinem Strickstück gearbeitet werden", sagt Großmann dazu.

Die Teilnehmernummern werden ab 11 Uhr am Westertorplatz ausgegeben. Mitbringen sollte man eine Sitzgelegenheit, sein Strickzeug und eventuell einen Sonnenschutz. "Im letzten Jahr hatten wir auch Gäste, die einen langen Anfahrtsweg nach Memmingen auf sich nahmen, um die Gemeinschaft der Strickbegeisterten kennenzulernen", erklärt Elvira Jörg-Ulrich.

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Jeden letzten Sonntag im Monat treffen sich die beiden Damen mit anderen Frauen und manchmal auch vereinzelten Herren aus der Region in der schwäbischen Kunkelstube des Illerbeurer Bauernhofmuseums. Das alte Wort Kunkel hat dabei zweierlei Bedeutungen: Zum einen bezeichnet es das stabförmige Gerät beim Spinnen, worauf die Fasern befestigt wurden, und zum anderen ist es nach alter Überlieferung die veraltete Bezeichnung für das weibliche Geschlecht.

Altes Handwerk lebt weiter

Seit vier Jahren gehört die offene Gruppe zur Attraktion des Museums, der man über die Schulter blicken kann. "Vor allem wenn wir Spinnen, ist was los. Wir zeigen beispielsweise auch, wie man aus reiner Schafswolle strickbares Garn gewinnt oder wie man die Wolle mit Naturmaterialien einfärbt", berichten die beiden Hobbyhandarbeiterinnen.

Einmal im Monat treffen sich Strickbegeisterte und bereiten sich auf den erneuten Rekordversuch vor.
Einmal im Monat treffen sich Strickbegeisterte und bereiten sich auf den erneuten Rekordversuch vor.
Bild: Dunja Schütterle/oH

In der Gemeinschaft wird aber nicht nur gestrickt, es wird auch gehäkelt, gewebt, geklöppelt und genäht. Besonders alte Handwerkstraditionen erleben in der Kunkelstube ein Comeback. Eine fast vergessene Tradition ist das Fertigen von Zwirn- und Posamentenknöpfen, die als Zierrat an der Sonntagswäsche oder an Trachten angenäht wurden. Dabei sind es die Handarbeiterinnen selbst, die ihr Wissen, wie das des Knopfmachens, gerne in der Gruppe weitergeben. "Man lernt voneinander und hilft sich gegenseitig. So profitiert jeder Einzelne von dem Schwarmwissen", wie Elvira Jörg-Ulrich bestätigt.

Auch Herausforderungen und sogenannte "Knitalongs" mit einer Projektanleitung, die dann von allen zusammen in mehreren Abschnitten zeitgleich gestrickt werden, halten die "Stricklieseln" auf Trab. Das gemeinsame Hobby verbindet: Dank des Internets und den sozialen Medien und Apps sind die Selbermacherinnen nicht nur untereinander vernetzt, sondern tauschen sich auch weltweit auf Plattformen wie YouTube miteinander aus.

Es ist nicht wie bei vielen Frauen die Leidenschaft für Schuhe, von denen man nicht genug im Schrank haben kann. Die Passion der Kunklerinnen sind Stricknadeln, bunte Wollknäuel und ausgefallene Strickdesigns, die sie für sich selbst, die Familie und Freunde in Strickstücke umsetzen. "Ich verschenke gerne meine handgemachten Sachen, denn die sind viel persönlicher und mit Liebe gemacht", erläutert Jörg-Ulrich.

Dass die Nadeln am zweiten Anlauf des Deutschlandrekords erneut glühen werden, ist sicher. Denn alle, die hier mit an einem Strang ziehen, haben ein gemeinsames Hobby, dem sie mit Leidenschaft rekordverdächtig nachgehen.

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