Bahnverkehr

Naturschützer: Bayerns Schienennetz braucht mehr Geld und Innovation

"Die Bahn ist im Freistaat jahrzehntelang vernachlässigt worden", sagt der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz (BN), Martin Geilhufe.

"Die Bahn ist im Freistaat jahrzehntelang vernachlässigt worden", sagt der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz (BN), Martin Geilhufe.

Bild: Matthias Becker (Symbolbild, Archiv)

"Die Bahn ist im Freistaat jahrzehntelang vernachlässigt worden", sagt der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz (BN), Martin Geilhufe.

Bild: Matthias Becker (Symbolbild, Archiv)

Der Bund Naturschutz sieht Bayerns Schienennetz als chronisch unterfinanziert. Impulse für Klimaschutz fehlen. Deutsche Bahn plant Fahrpreiserhöhung.
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dpa
14.09.2022 | Stand: 16:50 Uhr

Bayerns Schienennetz krankt nach Ansicht von Umweltschützern unter einer chronischen Unterfinanzierung und fehlenden Impulsen für mehr Klimaschutz. "Der Verkehrssektor gehört zu den Haupt-Klimakillern, insbesondere in Bayern. Die Bahn ist im Freistaat jahrzehntelang vernachlässigt worden. Massenhaft wichtige Projekte, die in der Fläche wirken, werden zugunsten von einigen wenigen Großprojekten wie der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München vernachlässigt", sagte der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz (BN), Martin Geilhufe, am Mittwoch, 14. September 2022, in München.

Geihufe fordert "Ende des Autokults"

Das schwere Zugunglück bei Garmisch vor einigen Wochen habe die Missstände zuletzt dramatisch vor Augen geführt, betonte Geilhufe. "Das muss sich ändern, die Staatsregierung muss ihren Autokult endlich beenden und in nachhaltige Eisenbahnprojekte investieren."

Anlässlich des bundesweiten Tags der Schiene am 16. und 17. September drängt der Bund Naturschutz auf Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Bahnbereich. Dazu seien deutlich mehr Investitionen in Bestandssanierung und Ausbau von Bahn-Infrastruktur nötig, sagte Geilhufe. In einem Papier fordert der BN von der Staatsregierung vor allem die beschleunigte Elektrifizierung von Bahnstrecken; derzeit könne nur die Hälfte aller Strecken elektrisch befahren werden.

Vollelektrifizierung aller Bahnstrecken in Bayern als Ziel

Laut Staatsregierung sollten bis 2030 weitere 25 Prozent folgen, fest geplant seien derzeit aber nur 14 Prozent, hieß es weiter. "Dieses Vorhaben ist aufgrund langwieriger Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten alles andere als realistisch. Ziel muss sowieso eine Vollelektrifizierung aller Bahnstrecken in Bayern sein", sagte der Sprecher des BN-Arbeitskreises Verkehr, Gernot Hartwig.

Die Elektrifizierung der Hauptstrecken soll vom Bund, die der regionalen Nebenstrecken vom Freistaat Bayern finanziert werden.

Landeseigener Fahrzeugpool als Lösung

Der Verband schlägt für mehr Klimaschutz daher vor, übergangsweise alle jetzigen Dieselstrecken mit sogenannten Akkutriebwägen (BEMUs) zu befahren. Die Beschaffung dieser Fahrzeuge stellt für die Verkehrsunternehmen aber eine erhebliche finanzielle Herausforderung dar. "Ohne staatliche Hilfe wird sie nicht zu meistern sein", sagte Hartwig. Eine Lösung wäre ein landeseigener Fahrzeugpool, wie etwa in Baden-Württemberg, der dann den Verkehrsunternehmen zur Verfügung stehe.

Außerdem forderte der BN eine flächendeckende Reaktivierung von Bahnstrecken. Er schlägt dafür konkret 28 Strecken vor, die diesbezüglich geprüft werden sollen. Zudem müssten überlastete Strecken und Knotenpunkte ausgebaut, Projekte für Stadt-Umland-Bahnen wie in Erlangen, im Allgäu bei Kempten und in Regensburg nach Kräften unterstützt sowie Verladeeinrichtungen und Gleisanschlüsse für den Güterverkehr geschaffen werden.

Verkehrsminister Bernreiter sieht Verantwortung beim Bund

Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sagte: "Die Forderungen nach mehr Investitionen in die Schieneninfrastruktur sind richtig, allerdings hat der Bund Naturschutz den falschen Adressaten gewählt: Die alleinige Verantwortung sowohl für den Erhalt als auch den Ausbau der bundeseigenen Schieneninfrastruktur liegt nach dem Grundgesetz beim Bund." Der Freistaat nehme trotzdem bereits seit Jahren freiwillig viel Geld in die Hand, um bei wichtigen Maßnahmen wie zum Beispiel der Elektrifizierung oder dem barrierefreien Stationsausbau eine Beschleunigung herbeizuführen. Die Länder-Verkehrsminister drängten außerdem schon seit Monaten darauf, dass der Bund endlich wie angekündigt die Regionalisierungsmittel erhöhe.

Deutsche Bahn kündigt Erhöhung der Fahrpreise im Winter an

Unterdessen vermeldete die Deutsche Bahn, dass sich die Fahrgäste auch in diesem Winter auf eine Fahrpreiserhöhung einstellen müssen. Das jedenfalls sagte Vorstandsmitglied Michael Peterson. Er verwies auf die stark gestiegenen Energiekosten. Am Rande der Präsentation eines neuen Zuges in Berlin sagte Peterson, die Bahn werde Ende des Monats über die Erhöhung informieren. Aufs Jahr gerechnet erwartet der Konzern zusätzliche Energiekosten von etwa zwei Milliarden Euro. Üblicherweise steigen die Preise zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember