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Ostallgäuer Brutgebiete sollen besser geschützt werden

Wie man beispielsweise Feldlerchen besser schützen kann, darüber informierten Landratsamt und Landschaftspflegeverband Ostallgäu bei einer gut besuchten Veranstaltung in Dillishausen.

Wie man beispielsweise Feldlerchen besser schützen kann, darüber informierten Landratsamt und Landschaftspflegeverband Ostallgäu bei einer gut besuchten Veranstaltung in Dillishausen.

Bild: Rudolf Schmidt (Landschaftspflegeverbamd Ostallgäu)

Wie man beispielsweise Feldlerchen besser schützen kann, darüber informierten Landratsamt und Landschaftspflegeverband Ostallgäu bei einer gut besuchten Veranstaltung in Dillishausen.

Bild: Rudolf Schmidt (Landschaftspflegeverbamd Ostallgäu)

Sie haben klangvolle Namen: Kiebitz, Brachvogel, Bekassine, Wachtelkönig, Braunkehlchen oder Feldlerche. Doch ihre Zukunft sieht nicht rosig aus. Um den Bestand dieser Vögel zu sichern, sollen bei Lamerdingen und Dillishausen Brutgebiete besser geschützt werden. Wie das geschehen soll, erfährst Du hier.
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Von Günter Enzensberger
06.01.2017 | Stand: 16:26 Uhr

Vor allem Landwirte interessierten sich für das Projekt, das Wiesenbrüter vor dem Ausstreben bewahren will. Martina Müller von der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Ostallgäu formulierte das Ziel so: „Das Projekt ist ein Anstoß, die Entwicklung umzukehren und den Wiesenbrütern die Aufzucht ihres Nachwuchses zu ermöglichen.“ Dabei würden die Gebiete nördlich und südlich von Lamerdingen nun offiziell als „artenschutzrechtliche Kulisse“ geführt, in der zwar manche Dinge nicht mehr möglich seien, zum anderen aber viele Fördermöglichkeiten vorhanden wären. Finanziell unterstützt werde das Projekt von der Glücksspirale und dem bayerischen Naturschutzfonds.

Annette Saitner, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes Ostallgäu, veranschaulichte mit Luftaufnahmen die Veränderungen in der Landschaft, die mit dem Schwund der Vögel in Verbindung gebracht werden: „Der Ackerlandanteil hat sich im Schutzgebiet südlich von Lamerdingen wesentlich vergrößert, nur westlich der Bahnlinie zwischen Dillishausen und Lamerdingen gibt es noch größere zusammenhängende Grünlandflächen.“ Sie zeigte Verständnis für die Intensivierung der Landwirtschaft, zeigte aber auch Möglichkeiten auf, wie Landwirte durch Förderprogramme und der Honorierung von Einzelmaßnahmen für den Schutz der selten gewordenen Vögel entschädigt werden.

Problematische Pestizide

Gefährdet seien die vom Aussterben bedrohten Vögel zum einen durch natürliche Faktoren wie Witterung oder Nesträuber. Gravierender wirke sich jedoch die Intensivierung der Landwirtschaft und der Lebensraumverlust durch weniger Grünflächen aus. Durch Pestizideinsatz gibt es zudem weniger Insekten, von denen sich die Wiesenbrüter hauptsächlich ernähren, erklärte Saitner negative Auswirkung auf die Population.

Oft hätten schon einfache Maßnahmen einen positiven Effekt, wie das Mähen von Wiesen von innen nach außen oder der Erhalt von Senken und Mulden, die bei Starkregen kleine Wasserflächen bilden. Auch die Wiesen im Frühjahr nicht zu walzen oder unbefestigte Feldwege, die durch Pfützen, ungedüngte Flächen und einer Vielfalt von Pflanzen kleine „Inseln“ für die Vögel bilden, zählten dazu. Zum anderen gibt es laut Saitner eine Vielzahl von lukrativen Fördermaßnahmen, wenn zum Beispiel erst ab 15. Juni gemäht wird, um die Brut zu schützen.

Beispiele aus der Praxis

Der Ökologe Ralf Strohwasser, der für den Landschaftspflegeverband arbeitet, erläuterte Beispiele aus der Praxis. So könne ein Landwirt im günstigsten Fall für eine kleine Fläche von 3.000 Quadratmetern bei einem späten Wiesenschnitt, längerer Anfahrt und einem Verzicht auf Dünger pro Jahr bis zu 1.000 Euro Fördergelder erhalten.

Diskutiert wurde auch über einen im Wiesenbrütergebiet geförderten Rückschnitt von Bäumen und Hecken. Diese Gehölze gelten für andere Tiere durchaus als nützlich, locken aber diese Greifvögel an, die sich von dort gerne die Wiesenbrüter als Beute auswählen. Zur Förderung dieser, wie auch anderer Maßnahmen empfahl Müller die vorherige Kontaktaufnahme mit der unteren Naturschutzbehörde. Nach einem Ortstermin könne man dann die Maßnahmen und Fördermöglichkeiten besprechen. „Wir holzen nicht ab und reden danach darüber, ob das sinnvoll war“, so Müller.

In der Diskussion wurden viele verwandte Themen erörtert. Der Annahme, dass die Raben den Wiesenbrütern als Nesträuber zusetzten, widersprach Strohwasser: „Dafür sind wohl eher die Katzen oder Füchse verantwortlich.“