Kaputte Flaschen am See

Partymüll von Jugendlichen: Achtjährige aus Sonthofen am Fuß verletzt

Matilda Rose, 8, ist im Sommer am Ortwanger See in eine Glasscherbe getreten. Nun musste ihre Sehne operiert werden.

Matilda Rose, 8, ist im Sommer am Ortwanger See in eine Glasscherbe getreten. Nun musste ihre Sehne operiert werden.

Bild: Sibylle Mettler

Matilda Rose, 8, ist im Sommer am Ortwanger See in eine Glasscherbe getreten. Nun musste ihre Sehne operiert werden.

Bild: Sibylle Mettler

Auf "Fridays for Future"-Veranstaltungen haben Tausende von Allgäuer Jugendlichen vergangene Woche für mehr Klima- und Umweltschutz demonstriert. Doch offenbar ist es wie bei den Erwachsenen: Manche brauchen etwas länger, bis sie es drauf haben! In Burgberg und Sonthofen gab es den Sommer über immer wieder Probleme mit Partymüll, den feiernde Schüler an den Seen zurückgelassen haben. Ein achtjähriges Mädchen hat sich in der Folge an zerbrochenenen Flaschen die Sehne an einem Zeh zerschnitten. Die Mutter appelliert jetzt an die Vernunft von Feiernden.
25.09.2019 | Stand: 13:15 Uhr

Matildas linker Fuß steckt in einem dicken Verband. Vor ein paar Tagen wurde sie operiert. Ein Arzt flickte in ihrem Fuß zusammen, was eine große Glasscherbe im Juli angerichtet hatte. Die Achtjährige aus Sonthofen trat beim Baden am Ortwanger See in eine große Glasscherbe. Diese zerschnitt eine Sehne. Nun appelliert Matildas Mutter Elisabeth Rose insbesondere an feiernde Jugendliche, ihren Müll zu entsorgen – „damit nicht noch einem Kind so etwas wie Matilda passiert“.

Nach dem Unfall der Tochter hat sich Elisabeth Rose mit vielen Leuten unterhalten. Alle beklagen, dass der Ortwanger See, der Sonthofer See und der Illerstrand vor allem nach dem Abitur mit Scherben und anderem Müll übersät sind. „Der stammt von Jugendlichen, die Party machen und ihr Zeug danach nicht wegräumen“, sagt Rose.

Das Schlimmste ist überstanden: Mathilda zeigt den Verband an ihrem operierten Fuß.
Das Schlimmste ist überstanden: Mathilda zeigt den Verband an ihrem operierten Fuß.
Bild: Sibylle Mettler

Die 42-Jährige hat nichts gegen die privaten Feiern, hat sich als Jugendliche dort selbst mit Gleichaltrigen getroffen. „Wir hatten aber einen Müllsack dabei und stellten die Bierflaschen wieder in die Kästen zurück“, betont sie. Wer den Abfall liegen lässt, dem wirft die Mutter Körperverletzung vor. „Man kann ja nirgends mehr barfuß laufen“, beklagt sie.

Matilda wollte mit ihrem Vater und dem Bruder am 5. Juli am Ortwanger See Schlauchboot fahren, als sie in eine abgebrochene Bierflasche trat. „Zwei junge Kerle der Freiwilligen Feuerwehr leisteten sofort Erste Hilfe“, sagt Rose. Das Mädchen selbst kann sich nicht mehr an viel erinnern. Ein Krankenwagen brachte sie in die Notaufnahme, wo die klaffende Wunde genäht wurde.

Erst später kam heraus, dass die Achtjährige ihren großen Zeh nicht mehr richtig bewegen konnte, weil die Sehne an zwei Stellen durchtrennt war. Ein Spezialist habe zur Operation geraten und an dem Zeh nun einen Sehnentransfer durchgeführt, berichtet die Mutter.

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Problem: zu viel Alkohol

Das Müll-Problem an den Gewässern ist den Kommunen bekannt. Burgberg, in dessen Gebiet der Ortwanger See liegt, hat laut Verwaltungsmitarbeiter Ludwig Wegscheider Abfallbehälter aufgestellt und bereits vor Jahren eine Grünanlagensatzung erlassen. Offene Feuer seien dort nur an ausgewiesenen Stellen erlaubt. Und die Polizei habe eine rechtliche Handhabe gegen ausufernde Partys.

Auch Sonthofen versucht laut Fachbereichsleiter Walter Wilhelm, über die Polizei auf feierwütige Jugendliche einzuwirken. Zudem sammle der Bauhof dort wie in Burgberg regelmäßig den zurückgelassenen Abfall ein.

Wilhelm und Wegscheider sind sich aber bewusst, dass man das Problem mit dem Müll nicht richtig in den Griff bekommen wird. Denn wenn zu viel Alkohol getrunken wird, „dann geht die gute Kinderstube verloren“,sagt Wilhelm.