Corona-Krise

Aiwanger und Wirtschaft warnen vor Pleitewelle

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger fordert Öffnungsperspektiven für Geschäfte.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger fordert Öffnungsperspektiven für Geschäfte.

Bild: Sven Hoppe, dpa (Archivbild)

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger fordert Öffnungsperspektiven für Geschäfte.

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Je länger der Lockdown dauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass vielen Unternehmen trotz Staatshilfen das Geld ausgeht. Kommt die Insolvenzwelle?
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger fordert Öffnungsperspektiven für Geschäfte.
dpa
03.02.2021 | Stand: 17:27 Uhr

Der bayerischen Wirtschaft könnte in den kommenden Monaten die bislang ausgebliebene Pleitewelle noch bevorstehen. Sowohl Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) als auch der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) warnten am Mittwoch, dass vielen Firmen in den vom Lockdown getroffenen Branchen ungeachtet aller staatlichen Hilfen mittlerweile das Geld fehle.

Aiwanger fordert Öffnungsperspektiven für Handel

Aiwanger sagte, er sei überzeugt, dass einer Reihe von größeren und kleineren Betrieben derzeit "die Luft ausgeht, weil sie eben über Wochen hinweg nicht mehr liquide bleiben können". Der Freie-Wähler-Chef forderte "Öffnungsperspektiven" für Handel, Friseure und andere geschlossene Betriebe. BIHK-Präsident Eberhard Sasse sagte: "Die Lage ist wirklich bitterernst. Es wird viele Geschäftsaufgaben geben."

Der Bund hat bis Ende April die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen ausgesetzt. Die fehlenden Einnahmen der vom Lockdown getroffenen Betriebe führen nach Sasses Worten mittlerweile zu schwerwiegenden finanziellen Engpässen. "Wenn die Liquidität nicht da ist, dann gehen die Lichter aus", sagte der BIHK-Präsident.

Auch einige Selbständige und Kleinunternehmer werden vermutlich aufgeben

Abgesehen von Firmenpleiten rechnen die Kammern damit, dass viele Selbstständige und Kleinunternehmer aufgeben und ihre Betriebe zusperren, bevor sie überschuldet sind. "Es gibt auch eine verschämte, stille Insolvenz", sagte Sasse dazu.

Aiwanger bezifferte die täglichen wirtschaftlichen Einbußen des Lockdowns in Bayern auf "Richtung 100 Millionen Euro". "Wir müssen Schließungen begründen, nicht Öffnungen", sagte der Freie Wähler-Chef. "Die Öffnung ist der Normalzustand."

Aiwanger hat sich in den vergangenen Monaten vielfach für Lockerungen eingesetzt, sich bei Ministerpräsident Markus Söder (CSU) damit jedoch nicht durchsetzen können. Mittlerweile werden jedoch angesichts gesunkener Infektionszahlen die Proteste aus der bayerischen Wirtschaft gegen den Lockdown lauter.

Auszahlung der Corona-Hilfen verzögerte sich

Die Auszahlung der verschiedenen Hilfen für bedrängte Unternehmen hat sich in den vergangenen Monaten mehrmals verzögert, wie auch Aiwanger einräumte. Demnach sind von den Anträgen auf Novemberhilfe bislang gut 70 Prozent abgearbeitet, von den Anträgen auf Dezemberhilfe weniger als ein Drittel. Aiwanger betonte aber, dass es in Bayern immer noch schneller gehe als im übrigen Deutschland.

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