Auch Allgäu betroffen

Polizei durchsucht Wohnungen von 100 Verdächtigen wegen gefälschter Impfpässe

Gefälschte Impfpässe (Archivbild): Polizeibeamte durchsuchtenam Donnerstag die Wohnungen von rund 100 Menschen. Der Verdacht: Sie sollen gefälschte Impfnachweise verwendet haben. Auch Blutentnahmen wurden angeordnet.

Gefälschte Impfpässe (Archivbild): Polizeibeamte durchsuchtenam Donnerstag die Wohnungen von rund 100 Menschen. Der Verdacht: Sie sollen gefälschte Impfnachweise verwendet haben. Auch Blutentnahmen wurden angeordnet.

Bild: Sven Hoppe

Gefälschte Impfpässe (Archivbild): Polizeibeamte durchsuchtenam Donnerstag die Wohnungen von rund 100 Menschen. Der Verdacht: Sie sollen gefälschte Impfnachweise verwendet haben. Auch Blutentnahmen wurden angeordnet.

Bild: Sven Hoppe

Großrazzia bei rund 100 Menschen. Der Verdacht: Sie sollen sich bei einem Arzt gefälschte Impfnachweise besorgt haben. Auch Blutentnahmen wurden angeordnet.
13.01.2022 | Stand: 19:02 Uhr

Schlag gegen den Umgang mit gefälschten Impfnachweisen: Am frühen Donnerstagmorgen durchsuchen Polizeibeamte in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen die Wohnungen von rund 100 Menschen. Der Verdacht: Die Beschuldigten sollen sich bei einem Arzt in Wemding (Kreis Donau-Ries) Impfnachweise besorgt haben, ohne tatsächlich gegen Corona geimpft worden zu sein. Im Allgäu sind mindestens zwei Personen im Visier der Fahnder, bestätigte Polizeisprecher Markus Trieb unserer Redaktion.

Die groß angelegte Durchsuchungsaktio begann am Donnerstag gegen 6 Uhr und lief unter Leitung der Kripo Dillingen. Beteiligt waren rund 200 Beamte, hieß es.

Anlass der Durchsuchungen waren Ermittlungen gegen einen Arzt aus Wemding im Landkreis Donau-Ries (Nordschwaben). Dieser soll - wie berichtet - zum einen bei Patienten eine Corona-Impfung nur vorgetäuscht haben. Die betroffenen Patienten wollten sich bei dem Mediziner gegen Corona impfen lassen, bekamen von diesem aber laut Polizei aber nur eine Art Placebo gespritzt.

Zum anderen soll der Arzt vielen Menschen einen Impfnachweis ausgestellt haben, obwohl gar keine Impfung stattgefunden hatte. "Gegen diese Personen wird nun wegen Beihilfe, beziehungsweise Anstiftung zum Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse und deren Verwendung ermittelt", sagte Polizeisprecher Trieb gegenüber der Allgäuer Zeitung.

Wer einen Impfpass, einen Genesenen-Nachweis oder Corona-Test fälscht oder gefälschte Nachweise verwendet, begeht eine Straftat. Eine entsprechende Gesetzesverschärfung trat am 24. November 2021 in Kraft. (Lesen Sie auch: Das ist der neue Corona-Bußgeldkatalog in Deutschland)

Auch Blutentnahmen bei Verdächtigen angeordnet

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Die Beamten hatten bei ihren Durchsuchungen Beschlüsse des Amtsgerichts Augsburg im Gepäck. Diese umfassen neben der Beschlagnahme von Beweisstücken auch mögliche Blutentnahmen bei den Verdächtigen - zum Nachweis, dass sie trotz Impfnachweises gar nicht gegen Covid-19 geimpft sind. "Sollten die Beschuldigten sich bewusst mit gefälschten Impfnachweisen Zutritt zu Veranstaltungen verschafft haben, bei denen 2G vorgeschrieben ist, stehen auch hier Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz im Raum", hieß es bei der Polizei. Dies hätte entsprechend hohe Bußgelder zur Folge.

Die Ermittler stellten bei der Aktion unter anderem rund 80 Impfausweise und etwa 70 Smartphones sicher. Zudem wurde bei etwa 50 Beschuldigten Blut abgenommen, um den Impfstatus zu klären, wie die Polizei nach einer ersten Auswertung der Aktion berichtete.

"Nahezu alle Personen verhielten sich durchweg kooperativ", berichteten die Ermittler. Es sei besonders darum gegangen, den Beschuldigten die Maßnahmen und Hintergründe zu erläutern. Dazu seien auch Kommunikationsbeamte im Einsatz gewesen. "Es kam zu keinen nennenswerten Fällen, bei denen die Beschuldigten gegen die Maßnahmen der Beamten agierten."

70 Smartphones sichergestellt bei Großrazzia

Bei der Großrazzia handelt es sich um den bislang größten Schlag gegen den Umgang mit gefälschten Impfnachweisen in Bayern.

Erst vor einer woche hatte es in Österreich eine ähnliche Großrazzia gegeben. Nach Angaben des österreichischen Innenministeriums untersuchten landesweit etwa 100 Beamte insgesamt 24 Häuser und Wohnungen. Der Verdacht richtet sich gegen 22 Beschuldigte. Bei den Durchsuchungen wurden zahlreiche gefälschte Impfpässe sowie Mobiltelefone und Computer sichergestellt. Ermittelt wird auch dort wegen Urkundenfälschung.

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