Von Ermittlungen überrascht

Polizist aus München wirft Bierdose auf Kollegen

ARCHIV - 22.05.2020, Hamburg: Der Angeklagte, ein damaliger Münchner Polizist, sitzt mit Mundschutz zu Beginn des Prozesses im Gerichtssaal des Amtsgericht Altona. Dem Angeklagten und seiner Begleiterin wird versuchte gefährliche Körperverletzung und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Das Paar soll am Rande der Proteste gegen das Treffen der Staats- und Regierungschefs G20 zeitgleich gezielt jeweils eine Bierdose von einer Überführungsbrücke auf Polizisten geworden haben. Fo

Der Angeklagte, ein damaliger Münchner Polizist, sitzt mit Mundschutz zu Beginn des Prozesses im Gerichtssaal des Amtsgericht Altona. Dem Angeklagten und seiner Begleiterin wird versuchte gefährliche Körperverletzung und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Das Paar soll am Rande der Proteste gegen das Treffen der Staats- und Regierungschefs G20 zeitgleich gezielt jeweils eine Bierdose von einer Überführungsbrücke auf Polizisten geworden haben.

Bild: Georg Wendt/dpa-pool/dpa

Der Angeklagte, ein damaliger Münchner Polizist, sitzt mit Mundschutz zu Beginn des Prozesses im Gerichtssaal des Amtsgericht Altona. Dem Angeklagten und seiner Begleiterin wird versuchte gefährliche Körperverletzung und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Das Paar soll am Rande der Proteste gegen das Treffen der Staats- und Regierungschefs G20 zeitgleich gezielt jeweils eine Bierdose von einer Überführungsbrücke auf Polizisten geworden haben.

Bild: Georg Wendt/dpa-pool/dpa

Ein Polizist aus München beobachtet als Privatmann die Arbeit seiner Kollegen beim G20-Gipfel in Hamburg. Er wird wütend und wirft eine Bierdose in Richtung der Einsatzkräfte. Dass sein Handeln für ihn Konsequenzen hat, überrascht ihn.

dpa
10.06.2020 | Stand: 17:59 Uhr

Mit seiner Angst vor einem Schlagstockeinsatz hat ein in Hamburg vor Gericht stehender Ex-Polizist aus München einen Dosenwurf auf seine Kollegen bei einem G20-Protest erklärt. "Ich hatte Schiss, selbst niedergeknüppelt zu werden", sagte der 38-Jährige in einer Vernehmung der bayerischen Polizei, deren Protokoll am Mittwoch vor dem Amtsgericht Altona verlesen wurde. Bei einem privaten Besuch der Demonstration "Welcome to Hell" am 6. Juli 2017 habe er zusammen mit seiner Freundin erlebt, wie die Polizei den St.-Pauli-Fischmarkt räumte. Die Beamten seien dabei "brutal und ohne Anlass" vorgegangen, erklärte die mitangeklagte 31-Jährige über ihre Verteidigerin.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten versuchte gefährliche Körperverletzung und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte vor. Sie belegt ihre Vorwürfe mit Videoaufnahmen der Polizei. Die Sequenzen zeigen beide Beschuldigte bei der Tat in Zivilkleidung auf einer Brücke.

Tausende vermummte Teilnehmer

Zu der Demonstration hatten Hamburger Linksautonome aufgerufen. Rund 12.000 Menschen versammelten sich. Die Polizei stoppte den Abmarsch, weil sich nach ihren Angaben mehrere Tausend Teilnehmer vermummt hatten. Als die Beamten versuchten, die Vermummten abzutrennen, sei die Lage eskaliert, erklärte die Polizeiführung später vor einem Ausschuss der Bürgerschaft. Es seien mehr als 700 Straftaten verübt worden.

Der Verteidiger des ehemaligen Polizisten betonte am Mittwoch, dass die Dose in einigen Metern Entfernung von den Beamten an der Unterführung aufs Pflaster geschlagen sei. Die Angeklagten bekräftigten, dass sie niemanden verletzten wollten. Die Verteidigerin der 31-Jährigen bezweifelte, dass die nur noch wenig gefüllte Dose ihrer Mandantin einen der Polizisten in Vollschutz hätte verletzen können. In der Vernehmung durch die bayerische Polizei hatte der Angeklagte dagegen gesagt, dass seine Kollegen bestimmt Verletzungen davongetragen hätten, wären sie von seiner Bierdose getroffen worden.

Ermittlungen überraschen Angeklagten

Die Ermittlungen hatten den Angeklagten völlig überrascht. Wenige Minuten nach dem Dosenwurf vom 6. Juli 2017 hatte er noch "Spiegel online" ein kurzes Videointerview gegeben, in dem er seine Empörung über den Polizeieinsatz äußerte. Ein halbes Jahr später, am 11. Januar 2018, wurde er in München aus dem Dienst geholt und mit den Vorwürfen konfrontiert, wie aus dem Vernehmungsprotokoll weiter hervorgeht. Er sei sehr überrascht und aufgewühlt gewesen, bestätigte der Angeklagte. Er wurde erkennungsdienstlich behandelt und musste seine Dienstwaffe abgeben. Es sei sein letzter Tag als Polizeibeamter gewesen, resümierte Richter Reinhard Kloß.

Geschockt und wütend gewesen

In der Vernehmung durch die bayerische Polizei hatte der Angeklagte auch erklärt, er sei damals in Hamburg geschockt und wütend gewesen. Angesichts des Polizeieinsatzes auf dem Fischmarkt habe er Panik bekommen. Der Richter bemerkte an dieser Stelle, dass er durch die Videoaufnahmen vom Geschehen einen anderen Eindruck habe: "Sie beide stehen relativ entspannt da oben (auf der Brücke)." Der Verteidiger des 38-Jährigen stellte klar, dass sein Mandant die Panik hatte, bevor er mit seiner Freundin auf die Brücke ging. Eine konkrete Aktion der Polizei, die den Dosenwurf unmittelbar ausgelöst haben könnte, konnten die Verteidiger nicht nennen.

Fortsetzung Ende Juni

Der Prozess soll am 26. Juni fortgesetzt werden. Der Anwalt des ehemaligen Polizisten kündigte an, dass er Freispruch für seinen Mandanten beantragen werde.