Vor Gericht in Schweinfurt

Prozess wegen Mordes - Mutter soll Neugeborenes getötet haben

Eine Frau steht in Schweinfurt vor Gericht, weil sie ihr Neugeborenes erstickt haben soll.

Eine Frau steht in Schweinfurt vor Gericht, weil sie ihr Neugeborenes erstickt haben soll.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Eine Frau steht in Schweinfurt vor Gericht, weil sie ihr Neugeborenes erstickt haben soll.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Unbemerkt bringt eine Frau in Schweinfurt einen Jungen zur Welt. Dann soll sie das Kind erstickt haben. Nun steht die Angeklagte in Schweinfurt vor Gericht.
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dpa
26.07.2021 | Stand: 08:31 Uhr

Unmittelbar nach der Geburt soll eine Frau ihr neugeborenes Baby in einem Badezimmer in Schweinfurt getötet haben. Von Mittwoch (28. Juli) an muss sich die 27-Jährige vor dem Landgericht Schweinfurt verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten Mord vor. Für den Prozess vor einem Schwurgericht sind fünf Verhandlungstage bis zum 6. August angesetzt.

Die Frau soll im vergangenen Jahr unbemerkt von Familie und Freunden schwanger gewesen sein. Am 24. August 2020 soll sie den Jungen in einer Wohnung zur Welt gebracht und getötet haben. Die Hintergründe sind bisher unbekannt. Die 27-Jährige, die noch ein weiteres Kind hat, sitzt nach Gerichtsangaben in Untersuchungshaft.

Zunächst nicht von Verbrechen ausgegangen

Die Ermittler hatten den Fall damals nicht öffentlich gemacht, weil sie zunächst nicht von einem möglichen Verbrechen ausgegangen waren.

Seit Jahren werden immer wieder Fälle bekannt, in denen Mütter ihre Schwangerschaft verheimlichen und ihr Kind unbemerkt von ihren Angehörigen zur Welt bringen. Manchmal töten die Frauen das Baby gleich nach der Geburt oder setzen es aus, unter anderem aus Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit oder Überforderung.

Damit es solche Fälle nicht mehr gibt, wurde vor 21 Jahren in Hamburg die erste Babyklappe Deutschlands eröffnet. In Babyklappen können Mütter, die anonym bleiben wollen, ihr Kind in Sicherheit bringen. Bundesweit gibt es mittlerweile rund 100 Babyklappen. Sie sind allerdings nach wie vor umstritten.

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In Deutschland gibt es seit 2014 bei ungewollten Schwangerschaften auch die Möglichkeit der "vertraulichen Geburt". Dabei können Frauen inkognito entbinden und einen Vornamen für das Kind auswählen. Ihre persönlichen Daten werden in einem versiegelten Brief beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben verwahrt. Nach 16 Jahren darf das Kind den Namen seiner leiblichen Mutter erfahren - wenn es das möchte.

Kinderhilfswerk kritisiert: Bei psychischem Ausnahmezustand hilft Babyklappe nicht

Das Kinderhilfswerk terre des hommes Deutschland kritisiert allerdings: "Mütter, die ihre Kinder unmittelbar nach der Geburt töten oder sterben lassen, befinden sich in der Regel in einem psychischen Ausnahmezustand, der es ihnen unmöglich macht, planend, ziel- und zweckgerichtet zu handeln. Diesen Müttern ist mit Babyklappen und Angeboten der anonymen Geburt nicht zu helfen."

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