CSU-Chef im Sommerinterview

Söder: Impfskeptiker Aiwanger manövriert sich ins politische Abseits - FW-Chef: "Unverschämtheit"

Markus Söder (CSU, l), und Theo Koll, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin, beim ZDF-Sommerinterview im Nürnberger Max-Morlock-Stadion.

Markus Söder (CSU, l), und Theo Koll, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin, beim ZDF-Sommerinterview im Nürnberger Max-Morlock-Stadion.

Bild: Daniel Karmann

Markus Söder (CSU, l), und Theo Koll, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin, beim ZDF-Sommerinterview im Nürnberger Max-Morlock-Stadion.

Bild: Daniel Karmann

Ministerpräsident Markus Söder spart im Sommerinterview des ZDF nicht mit Kritik - und zwar sowohl an Hubert Aiwanger als auch an der Union.
01.08.2021 | Stand: 20:05 Uhr

Mit seinen demonstrativen Zweifeln an Corona-Impfungen stellt sich Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger nach Ansicht von Ministerpräsident Markus Söder zunehmend ins politische Abseits. "Meine Sorge ist, dass er sich in eine Ecke manövriert, aus der er selber nicht mehr herauskommt", sagte CSU-Chef Söder am Sonntag im ZDF-Sommerinterview in Nürnberg. Er mache sich " a bissl" Sorge um Aiwanger, der auch bayerischer Wirtschaftsminister in Söders Kabinett ist.

Söder betonte, es gehe dabei nicht um die Frage, ob er sich impfen lassen wolle oder nicht, dies stehe jedem frei. Aber der Sound und der Sprech dahinter seien problematisch. Wenn Aiwanger etwa von Nebenwirkungen spreche, bei dem ihm "die Spucke wegbleibt" oder er beispielsweise sage, es sei nicht bewiesen, ob die Impfstoffe wirkten. "Da muss man aufpassen", sagte Söder.

Söder im Sommerinterview: Aiwanger mit gleicher Wortwahl wie AfD

Aiwanger verwende die gleiche Wortwahl wie AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, sagte Söder und warnte Aiwanger, der wiederum Spitzenkandidat der Freien Wähler für die Bundestagswahl am 26. September ist, "an irgendeinem Rand" nach Wählerstimmen zu fischen. "Das ist ein totaler Trugschluss. Die Leute wählen am Ende richtige Querdenker." Wenn Aiwanger sich aber in deren Nähe begebe, müsse er aufpassen, dann nicht auch als solcher identifiziert zu werden. "Und dann wird es in der Tat schwierig."

Söder verwies aber darauf, dass Aiwanger im bayerischen Kabinett bisher jeden Beschluss der Anti-Corona-Maßnahmen mitgetragen habe. Er sehe daher keinen Grund, Aiwanger aus dem Kabinett zu entlassen. Zudem habe er das Gefühl, dass auch die Freien Wähler selbst "sehr unglücklich sind über seine Äußerungen". Er wolle der Partei nun Zeit geben, die Lage selbst ein Stück weit zu reflektieren. Bemerkenswert sei aber auch die Reaktion der Wirtschaft, die sich klar gegen Aiwanger gestellt habe.

Söder: Passiver Unionswahlkampf ist Ursache für schlechte Umfragen

Söder teilte aber nicht nur Kirtik gegen Aiwanger aus, auch den Wahlkampf der Union sieht er skeptisch: Letztere sei wegen ihres passiven Wahlkampfs selbst für ihre sich zunehmend verschlechternden Umfrageergebnisse verantwortlich. Wie im Fußball empfehle es sich, "einfach auch noch mal selbst zu stürmen und ein bisschen offensiv zu werden", sagte Bayern Ministerpräsident am Sonntag im ZDF-Sommerinterview in Nürnberg. In den jüngsten Umfragen kommt die Union nur noch auf Werte zwischen 27 und 28 Prozent, zwischenzeitlich hatte sie bei mehr als 30 Prozent gelegen.

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Söder betonte, er erwarte für den Wahlkampf in den kommenden Wochen eine angriffslustigere Strategie: "Das muss jetzt kommen." Bei der Einschätzung gebe es auch keine Differenzen mit Unionskanzlerkandidat und CDU-Chef Armin Laschet: "Wir sind uns einig, wir brauchen einfach mehr Tempo und Power", sagte Söder.

Söder sieht sich im Wahlkampf als "Antreiber"

Seine eigene Rolle im Wahlkampf neben Laschet verstehe er als "Antreiber", sagte Söder. Nachdem sich CDU und CSU in den vergangenen Wochen durch die Fehler der anderen in den Umfragen verbessern konnten, sei die Union nun wieder auf dem früheren niedrigen Niveau. Seine Sorge sei, dass der "seltsame Wahlkampf" weiter dahinplätschert und die Union am Ende wegen fehlenden Engagements nicht stark und souverän genug werde, um eine Regierung zu bilden.

Aiwanger wirft Söder Unverschämtheit und Falschbehauptung vor

Hubert Aiwanger ließ die Kritik an seiner Person nicht lange unwidersprochen: We warf Söder nach dessen ZDF-Sommerinterview unter anderem eine "bewusste Falschbehauptung" vor. "Es ist eine bewusste Falschbehauptung, ich hätte gesagt, dass nicht bewiesen sei, ob Impfstoffe wirken", sagte Aiwanger. "Ich habe im Gegenteil gesagt, Impfen ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Corona, aber es muss freiwillig bleiben."

Zum Vorwurf Söders Aiwanger fische am rechten Wählerrand konterte der FW-Chef: "Es ist eine Unverschämtheit, mich als "Querdenker" abstempeln zu wollen, weil ich gegen die Impfpflicht bin und mehr Sensibilität einfordere beim Thema Impfen von unter 12-Jährigen, was auch die Stiko bisher nicht empfiehlt."