Zu niedrige Erzeugerpreise

Schweinehaltung in Bayern laut Aiwanger und Bauern in Gefahr

Die Existenz der bayerischen Schweinehaltung ist laut Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und dem Bayerischen Bauernverband in Gefahr.

Die Existenz der bayerischen Schweinehaltung ist laut Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und dem Bayerischen Bauernverband in Gefahr.

Bild: Jan Woitas, dpa (Symbolfoto)

Die Existenz der bayerischen Schweinehaltung ist laut Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und dem Bayerischen Bauernverband in Gefahr.

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Kommt das Fleisch für Schweinsbraten und fränkische Bratwurst bald aus Brasilien? Bauernverband und Wirtschaftsminister Aiwanger schlagen Alarm.
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dpa
21.09.2021 | Stand: 08:18 Uhr

Der Bayerische Bauernverband (BBV) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sehen die Existenz der bayerischen Schweinehaltung in Gefahr. Ein Hauptgrund ist das derzeitige Tief der Erzeugerpreise, die die Landwirte von den Abnehmern im Lebensmitteleinzelhandel bekommen. "Wir haben eine Krise, wie wir sie bis dato noch nicht gekannt haben", sagte BBV-Präsident Walter Heidl der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist eine Krise von zwei Seiten: bei den Preisen und den Kosten. Das trifft unsere Schweinehalter dramatisch."

Zuvor hatte Aiwanger gewarnt: "Es wäre fatal, wenn es bereits in wenigen Jahren keinen Schweinebraten und Bratwürstchen mehr aus bayerischer Produktion gäbe, sondern aus China, Brasilien und den USA, über Großschlächtereien und Wurstfabriken außerhalb unserer Kontrollmöglichkeiten." Wenn heute kurzfristig nur auf billig geschaut werde, "wird das am Ende verdammt teuer für uns." Vergangene Woche hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ihre Besorgnis erklärt.

Rückgang der Erzeugerpreise bei Schweinefleisch: Das sind die Ursachen

Heidl nannte mehrere Ursachen für den Rückgang der Erzeugerpreise - wenig Feste im zweiten Coronajahr, gesunkener Absatz in der Gastronomie, weniger Nachfrage in den Urlaubsgebieten, und die gesperrte Ausfuhr deutschen Schweinefleischs in Drittländer wegen des Auftretens der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen. "Das Ganze wird verschärft durch steigende Kosten bei Energie und Futter."

Die Bürger spüren laut Bauernverband von den niedrigen Erzeugerpreisen jedoch nichts: "Im Gegenteil, die Marge zwischen Landwirtschaft und Ladentheke ist gestiegen", sagte Heidl. "Der Erzeugerpreis ist um 30 Cent pro Kilo gesunken, und der Preis an der Ladentheke um etwa einen Euro gestiegen. Die Bauern fragen sich, wie das möglich ist. Hier werden offensichtlich Gewinne zu Lasten der Erzeuger gesteigert." Die Krise kommt nach Heidls Worten in einer ohnehin von anhaltendendem Strukturwandel geprägten Situation. "Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe hat sich innerhalb von zehn Jahren auf 4200 halbiert. Anders als früher ist auch die Zahl der Tiere gesunken, und zwar um etwa 20 Prozent auf drei Millionen." Es stehe sehr viel auf dem Spiel. "Es geht um die Frage, ob uns die Tierhaltung wegbricht oder nicht."

Bauernverband fordert verbindliche Herkunftsbezeichnung für Fleisch

Der Lebensmitteleinzelhandel dürfe nicht nur Maximalforderungen an das Tierwohl formulieren, sagte Heidl. "Die Anforderungen, die unsere Landwirte erfüllen sollen, müssen auch honoriert werden. Wenn man die deutsche Landwirtschaft ausbremst, wandert die Tierhaltung ab. Dann gibt es überhaupt keine Kontrolle mehr." Der Bauernverband fordert eine verbindliche Herkunftsbezeichnung für Fleisch. "Bisher ist der Markt mehr oder weniger anonym, sagte Heidl. "Mit einer verbindlichen Herkunftsbezeichnung hätten wir die Möglichkeit, die höheren Standards, die Regionalität und das Image unserer Landwirtschaft transparent bis an die Ladentheke transportieren zu können."

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Aiwanger ruft den Lebensmitteleinzelhandel auf, kostendeckende Preise an Schlachtereien und Landwirte zu bezahlen. "Ich appelliere an den Lebensmitteleinzelhandel, die heimische Versorgungsbasis durch auskömmliche Preise abzusichern", sagte Aiwanger. Die derzeitigen 1,25 Euro je Kilogramm Schweinefleisch sind ruinös."

Eine eventuelle Abhängigkeit von Importen hält Aiwanger beim Thema Ernährung nicht für akzeptabel: "Wir sollten aus Corona gelernt haben, wie bedeutend es ist, sich mit wichtigen Produkten selbst versorgen zu können. Das gilt besonders für Lebensmittel."

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