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Spektakuläre Sanierung: Historische König-Ludwig-Brücke schwebt zurück

Nach der Restaurierung des Holztragwerks hieven Krane die einzelnen Elemente an ihren ursprünglichen Platz

Nach der Restaurierung des Holztragwerks hieven Krane die einzelnen Elemente an ihren ursprünglichen Platz

Bild: Ralf Lienert

Nach der Restaurierung des Holztragwerks hieven Krane die einzelnen Elemente an ihren ursprünglichen Platz

Bild: Ralf Lienert

Sie ist ein „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“, aber mit rund 170 Jahren schon etwas in die Jahre gekommen. Deshalb musste die historische König-Ludwig-Brücke in Kempten in den vergangenen Monaten generalsaniert werden. Dafür nötig: Wiederum gekonnte (moderne) Ingenieursbaukunst und rund 5,5 Millionen Euro. Jetzt gehen die Arbeiten auf die Zielgerade - und das verspricht ein ähnliches Spektakel zu werden, wie schon zu Beginn. Was es für schweres Gerät zu bestaunen gibt, wie der Zeitplan aussieht und wo mit Behinderungen zu rechnen ist, erfährst Du hier.
06.07.2018 | Stand: 17:47 Uhr

Die König-Ludwig-Brücke in Kempten geht wieder in die Luft. Vergangenen September wurde die historische Holzkonstruktion zur Sanierung ausgehoben. Technikfreunde aus Nah und Fern hatten verfolgt, wie Krane von einer benachbarten Brücke aus das denkmalgeschützte Tragwerk in drei Teilen aus der Verankerung hievten. Ab Montag steht die Rückkehr an ihren ursprünglichen Platz bevor. Ausgefuchste Logistik ist dazu nötig. Und für zwei Wochen die Sperrung einer der meistbefahrenen Verbindungen in der Stadt.

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Spektakuläre Brücken-Sanierung in KE

Wer ein Faible hat für große Maschinen, kommt in den nächsten Wochen auf seine Kosten. Auf der Oberen Illerbrücke werden zeitweise vier Großkrane installiert – über 1.000 Tonnen bringen sie zusammen auf die Waage. Für die Berechnungen der Statik halfen Kapazitäten der TU München. „Die sind unsere Versicherung“, sagt Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann. Erneut gehe man bei der Aktion an die Grenzen der Belastbarkeit von Brücken und Kranen.

Allein das Mittelteil der König-Ludwig-Brücke wiegt 130 Tonnen. Ungeheure Hebelkräfte werden wirken, wenn die Ausleger der Krane hinüber schwenken zu den 30 Meter entfernt aufragenden Brückenpfeilern.

Staus in Kempten vorprogrammiert

Zwei Wochen sind für die Umsetzung der restaurierten Teile vorgesehen. In der Zeit müssen sich die Fahrer von 29.000 Fahrzeugen täglich einen anderen Weg über die Iller suchen. Staus sind an mehreren Stellen programmiert. Deswegen raten die Verantwortlichen allen Auswärtigen, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Vom Hauptbahnhof sind es zehn Minuten zu Fuß bis zur Baustelle. Diese ist umzäunt. Dennoch kann man von beiden Seiten oder auch von der flussabwärts liegenden Rosenaubrücke aus verfolgen, wie die Krane und Tieflader zusammenspielen. Wenn schwebende Lasten unterwegs sind, wird auch der einzig verbliebene Fußweg auf der Oberen Illerbrücke gesperrt.

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Am Dienstag soll das Ostteil der Brücke verladen und eingehoben werden. Die anderen Elemente folgen nach und nach. Immer wieder müssen Krane versetzt werden. Der Aufwand wird getrieben für den Erhalt eines prämierten „Wahrzeichens der Ingenieurbaukunst in Deutschland“. Die Kosten belaufen sich auf 5,5 Millionen Euro.

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"Männerspielzeug" in Kempten

Die von 1847 bis 1851 erbaute König-Ludwig-Brücke ist eine der wenigen erhaltenen Eisenbahnbrücken aus Holz.
Sie gilt als Dokument der Eisenbahnerschließung Bayerns durch die Ludwig-Süd-Nord-Bahn sowie Beispiel des sich im 19. Jahrhundert entwickelnden ingenieurmäßigen Brückenbaus.
Sie trägt seit 2012 die Auszeichnung als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“.
Vor allem in den 1840er Jahren errichteten viele Bauingenieure Brücken aus Holz. Die für den Eisenbahnbau geeigneten Systeme stammten überwiegend aus den USA.
Das von William Howe entwickelte und in Kempten angewendete System verband hohe Tragfähigkeit mit großen Spannweiten und einer wirtschaftlichen Bauweise.