Schnapsidee oder genial?

Tauschen statt kaufen: Dieser Laden im Oberallgäu sorgt für Aufsehen

Stefanie Hartinger mit Söhnchen Anton in ihrem Tauschladen "Karma Konsum" in Vorderburg: "Es erschien uns verrückt, aber wir wollten es einfach mal probieren."

Stefanie Hartinger mit Söhnchen Anton in ihrem Tauschladen "Karma Konsum" in Vorderburg: "Es erschien uns verrückt, aber wir wollten es einfach mal probieren."

Bild: Silvia Reich-Recla

Stefanie Hartinger mit Söhnchen Anton in ihrem Tauschladen "Karma Konsum" in Vorderburg: "Es erschien uns verrückt, aber wir wollten es einfach mal probieren."

Bild: Silvia Reich-Recla

Ohne Geld etwas bekommen. Das geht im "Karma Konsum" in Vorderburg bei Rettenberg. Die Tür steht offen. Wer will, nimmt sich was mit - und lässt was anderes da.
06.05.2021 | Stand: 14:12 Uhr

Stefanie Hartinger (39) hat in Vorderburg bei Rettenberg einen Tauschladen eröffnet. Nicht, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Im „Karma Konsum“ geht es um Tauschen ohne Geld. Bücher, Kleidung oder Dienstleistungen. Dem Angebot sind kaum Grenzen gesetzt – ähnlich wie bei den Tauschringen, die auch vor 15, 20 Jahren im Allgäu „in“ waren, jetzt aber ein Schattendasein fristen oder ganz der Vergangenheit angehören.

Hartinger aber geht mit „Karma Konsum“ ihren eigenen Weg. Sie wollte einfach etwas machen, was es so in der Gegend nicht gibt, etwas, das nicht viel Zeit beansprucht. Etwas, das vielen zugutekommt, egal wie dick ihr Geldbeutel ist. Und etwas, das auf Vertrauen baut: ein offener Laden, der zum Tauschen einlädt. Seit zwei Jahren wohnt die 39-Jährige mit Familienangehörigen, Partner und den beiden Kindern in der ehemaligen Sennerei Großdorf in Vorderburg. Seit Sommer ist dort in der Amthausstraße „Karma Konsum“ offen.

Bücher, Kleidung, kleinere Elektronikartikel können getauscht werden. Noch wird das Angebot zurückhaltend angenommen.
Bücher, Kleidung, kleinere Elektronikartikel können getauscht werden. Noch wird das Angebot zurückhaltend angenommen.
Bild: Silvia Reich-Recla

Wer will, geht einfach hinein in den kleinen Raum mit dem gelb-roten Fliesenboden. Die weiße Tür ist offen, montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr. An einem kleinen Stehtisch kann man sich Kaffee brühen, am schwarzen Brett eine Dienstleistung anbieten, sich ein Buch oder Kinderkleidung nehmen – und gegen etwas anderes tauschen. „Eis wird nur noch verkauft, wenn wir da sind“, sagt die 39-Jährige. Die Truhe war den Sommer über offen, aber „es war viel Eis weg und wenig Geld da.“ Sie selbst näht liebend gerne Kinderkleidung. Die liegt im Laden – zum Tauschen. Sie könnte das Genähte auch über ein Internetportal anbieten. „Das ist mir zu viel Aufwand.“

So viel ist noch nicht los, meist werden Bücher getauscht“, sagt Hartinger, die sich ihren Lebensunterhalt als Schulsozialarbeiterin in Immenstadt verdient, derzeit aber in Elternzeit ist. Sie möchte mit dem Laden auch ein Zeichen gegen den extremen Konsum setzen. Es werde so viel produziert – und so viel Gutes lande im Müll. „Da könnte man doch auch tauschen?“ Und wie viel ist was wert, wer sagt mir das? „Das liegt ganz im persönlichen Ermessen.“ Jeder soll das geben, was er mit gutem Gewissen geben kann.

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