Oberpfalz besonders betroffen

USA wollen mehr Soldaten aus Deutschland abziehen - wohl auch aus Bayern

Von dem geplanten Abzug der US-Truppen aus Deutschland sollen einem Medienbericht zufolge mehrere Standorte in Bayern und Rheinland-Pfalz betroffen sein. Im Bild: Der Eingang zum Truppenübungsplatz in Grafenwöhr.

Von dem geplanten Abzug der US-Truppen aus Deutschland sollen einem Medienbericht zufolge mehrere Standorte in Bayern und Rheinland-Pfalz betroffen sein. Im Bild: Der Eingang zum Truppenübungsplatz in Grafenwöhr.

Bild: Daniel Karmann/dpa

Von dem geplanten Abzug der US-Truppen aus Deutschland sollen einem Medienbericht zufolge mehrere Standorte in Bayern und Rheinland-Pfalz betroffen sein. Im Bild: Der Eingang zum Truppenübungsplatz in Grafenwöhr.

Bild: Daniel Karmann/dpa

US-Präsident Trump will mehr Soldaten als zunächst gedacht aus Deutschland abziehen. Der Plan würde auch Regionen im Freistaat hart treffen.

Von dem geplanten Abzug der US-Truppen aus Deutschland sollen einem Medienbericht zufolge mehrere Standorte in Bayern und Rheinland-Pfalz betroffen sein. Im Bild: Der Eingang zum Truppenübungsplatz in Grafenwöhr.
dpa
29.07.2020 | Stand: 19:15 Uhr

Die Zahl der US-Soldaten in Bayern und ganz Deutschland soll insgesamt um fast 12.000 verringert werden - und damit deutlich stärker als bislang bekannt. Rund 6400 Soldaten sollen in die USA zurückgeholt werden, weitere 5600 sollen in andere Nato-Länder verlegt werden, wie Verteidigungsminister Mark Esper am Mittwoch in Washington erklärte. Zuvor hatte der SWR berichtet, dass von dem Abzug unter anderem die Standorte Vilseck und Grafenwöhr in der Oberpfalz betroffen sein würden.

Durch die Truppenabzüge werde die "strategische Flexibilität" der US-Streitkräfte erhöht, sagte Esper im Pentagon vor Journalisten. Bislang hatte die US-Regierung von einem Abzug von rund 10.000 der etwa 36.000 Soldaten in Deutschland gesprochen.

 

4500 Soldaten aus Vilseck sollen abgezogen werden

Im Zuge des US-Truppenabzugs aus Deutschland sollen auch etwa 4500 Soldaten Vilseck in der Oberpfalz verlassen. US-Verteidigungsminister Mark Esper sagte am Mittwoch in Washington, dass das zweite Kavallerie-Regiment aus Vilseck abgezogen werden.

 

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Grafenwöhr einer der größten US-Truppen-Standorte in Europa

Der bayerische Standort Grafenwöhr in der Oberpfalz gilt bislang als einer der größten US-Truppen-Standorte in Europa. Laut Bürgermeister Edgar Knobloch (CSU) sind in der 6500-Einwohner-Stadt sowie am benachbarten Standort Vilseck derzeit mehr als 10.000 Soldaten stationiert. Für die Region sei das ein enormer Wirtschaftsfaktor. So seien etwa 3000 Einheimische bei der US-Armee und deren Vertragspartnern beschäftigt.

Trump hatte den Teilabzug der US-Truppen aus Deutschland im Juni angekündigt und ihn mit den aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands begründet. Die Bundesregierung in Berlin war vor der Bekanntgabe nicht informiert worden.

 

Widerstand im US-Kongress gegen Trumps Pläne

Zur Umsetzung des geplanten - und wahrscheinlich aus logistischen Gründen langwierigen - Teilabzugs dürfte aber noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Im US-Kongress hat sich bereits bei Trumps Republikanern und den Demokraten Widerstand formiert. Der Plan wird dort vor allem kritisch gesehen, weil er das Verteidigungsbündnis Nato schwächen und Russland in die Hände spielen könnte. Im Senat und im Repräsentantenhaus gibt es daher Pläne, den Teilabzug über das Gesetz zum kommenden Militärhaushalt zu verhindern. Zudem bewirbt sich Trump im November um eine zweite Amtszeit. Falls er die Wahl verlieren sollte, könnte der neue Präsident die Pläne auf Eis legen.

Die US-Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als Sicherheitsgarant für die Bundesrepublik. Damals gab es zeitweise fast 250.000 US-Soldaten in Deutschland. Nach dem Fall der Mauer wurde allerdings radikal reduziert: Im Jahr 2000 waren es nur noch 70 000 US-Soldaten, zehn Jahre später 48.000 und heute sind nur noch 36 000 übrig. Damit ist Deutschland aber immer noch der zweitwichtigste Truppenstandort der USA weltweit nach Japan.

 

Tausende Freundschaften, Partnerschaften und Ehen betroffen

Die Truppenstationierung ist aber auch heute noch ein wesentliches Bindeglied zwischen beiden Ländern. Da ist einerseits der zwischenmenschliche Aspekt: Über die Jahrzehnte sind Tausende Freundschaften, Partnerschaften und Ehen zwischen Deutschen und Amerikanern entstanden. Für die Regionen um die US-Stützpunkte kommt der wirtschaftliche Aspekt hinzu.

In ganz Deutschland werden etwa 12.000 deutsche Ortskräfte von den US-Streitkräften beschäftigt. Daneben hängen viele Tausende weitere Arbeitskräfte an den US-Truppen – neben denen in Bayern besonders auch in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.