Eltern hören auf Kinder

Von den Kids Klimaschutz lernen: In MOD gibt's jetzt "Parents for Future"

Bei Dr. Florian Kautzky (links) und Robert Herbst laufen die Fäden für Parents for Future in Marktoberdorf zusammen. Sie werben für ein Umdenken beim eigenen, oft klimaschädlichen Verhalten.

Bei Dr. Florian Kautzky (links) und Robert Herbst laufen die Fäden für Parents for Future in Marktoberdorf zusammen. Sie werben für ein Umdenken beim eigenen, oft klimaschädlichen Verhalten.

Bild: Andreas Filke

Bei Dr. Florian Kautzky (links) und Robert Herbst laufen die Fäden für Parents for Future in Marktoberdorf zusammen. Sie werben für ein Umdenken beim eigenen, oft klimaschädlichen Verhalten.

Bild: Andreas Filke

„Papa, mach das Licht aus!“, „Mama, dreh’ die Heizung nicht so hoch!“ Eltern lernen von ihren Kindern. Das hat vor Jahren schon geklappt, als die Stadt Marktoberdorf ein Energiesparprogramm aufgelegt hatte. Kinder und Schüler erhielten die Hälfte des gesparten Geldes für den Kindergarten oder die Klassenkasse. An Aktualität hat die Thematik nicht verloren. Angesichts des Klimawandels scheint es wichtiger denn je, dass Eltern von ihren Kindern lernen. Deshalb zieht die Bewegung Fridays for Future in Marktoberdorf Kreise: Es gibt auch die rund 30 Personen starke Gruppe Parents (dt.: Eltern) for Future.
17.09.2020 | Stand: 15:28 Uhr

Ihn interessiere Klimaschutz seit den 1980er Jahren, sagt Dr. Florian Kautzky. Saurer Regen und Waldsterben waren damals die großen Themen. Dabei ist sein Antrieb auch religiös begründet. Es gehe ihm um eine Kernfrage des Glaubens: „Wie gehen wir mit der Schöpfung um?“ Diese Frage stellt er auch im gemeinsamen Pfarrgemeinderat von St. Martin und St. Magnus, dessen Vorsitzender er ist. Mittlerweile hat sich aus dem Gremium ein Arbeitskreis zur Bewahrung der Schöpfung gebildet.

Und dann ist da noch seine Tochter Miriam. Sie hat erst in Augsburg eine Gruppe von Fridays for Future gegründet und das Thema dann ans Gymnasium in Marktoberdorf gebracht, wo sie im vergangenen Sommer das Abitur geschrieben hat. Miriam gelte als die eigentliche Triebfeder, weshalb sich immer mehr Marktoberdorfer mit dem Klimaschutz beschäftigen, sagt Robert Herbst. Zusammen mit Christian Vavra und Stefan Elmer hat er Parents for Future initiiert.

Wir wollen keine Spaßverweigerer sein. Verzichten heißt nicht, etwas zu verlieren.
Robert Herbst

Eltern gehen auf die Straße

„Seit gut einem halben Jahr sind wir auf der Straße“, sagt Herbst – wenn sie als größere Gruppe mit dem Fahrrad durch die Stadt fahren, wenn sie die Kinder und Jugendlichen bei ihren Fridays-for-Future-Demonstrationen in Marktoberdorf begleiten oder im Bündnis für Nachhaltigkeit beratschlagen. Denn: „Der Klimawandel betrifft alle Generationen“, sagt Kautzky.

Die Grundproblematik, dass sich etwas ändern muss, um das Klima zu retten, sei wahrscheinlich vielen bewusst. Doch die Reaktionen seien völlig unterschiedlich, bisweilen extrem: Die einen ignorierten alles und wiesen das als Humbug zurück, andere nähmen sich das Ganze derart zu Herzen, dass sie fast daran zerbrechen.

Die Schöpfung bewahren

Wie also vorgehen? Auch da verweist Kautzky auf die Schöpfung: Es gehe darum, das Schöne auf der Welt aufzuzeigen, diesem in Dankbarkeit zu begegnen. Daraus könnten sich Zuversicht und Hoffnung entwickeln und den Weg zum Umdenken eröffnen, damit dieses Schöne erhalten bleibt.

Umdenken bedeute nicht, „Spaßverweigerer zu sein“, hebt auch Herbst hervor. Denn Verzicht sei nicht gleichzusetzen mit Verlust. Vielmehr eröffnet das eine andere Erlebniswelt. Beispielsweise für den, der öfter das Rad benutzt – wenn es denn ein ausreichend dichtes Wegenetz gibt. Eine geringe Nutzung des eigenes Autos bedinge jedoch, dass der öffentliche Nahverkehr funktioniert und attraktiv genug für einen Umstieg sei.

Carsharing – mehrere Personen nutzen dasselbe Auto – besitze viel Potenzial, stoße aber derzeit an Grenzen. Was Robert Herbst als Vater von vier kleinen Kindern spätestens dann erlebt, wenn er mit der Familie einen Ausflug unternehmen will: „Wo gibt es einen Siebensitzer im Carsharing?“

Wie überhaupt der Alltag oft die Grenzen zwischen Wollen und Können aufzeige. „Aber mir gelingt es schon, dreimal pro Woche mit dem Zug in meine Praxis nach Buchloe zu fahren“, sagt Kautzky. Und Fleisch müsse auch nicht jeden Tag auf den Teller. In der Glühbirne zu Hause leuchteten sparsame LEDs, der Strom dafür sei zu 100 Prozent ökologisch. Oft seien es die kleinen Schritte, die ans Ziel führten. Vieles werde bereits unternommen, „aber wir müssen das Tempo verschärfen“, sonst sei die Wende nicht mehr zu schaffen und der Klimawandel mit seinen Wetterextremen werde sich weiter verschärfen.

Vorbehalte abbauen, Toleranz fördern

Nicht nur das Auto lasse sich teilen. Selbst bei Bohrmaschine, Akkuschrauber, vielen Haushaltsgeräten bis hin zum Rasenmäher und anderem bringe Teilen allen ein Gewinn, weil nicht jeder alles braucht. Das spare Geld und Bodenschätze. Teilen stärke also die Nachbarschaft. „Es entsteht eine ganz neue Gesellschaft“, wird Herbst fast philosophisch: „Ich bin gespannt.“

Vorher gelte es, viele Vorbehalte abzubauen. Denn Toleranz bedeute noch viel zu oft: Ich bin dafür, solange es mich nicht betrifft. Dabei setzt Kautzky auf Freiwilligkeit. Wer etwas für das Klima leiste und dabei zur Einsicht gelange, es nützt der Umwelt und damit der ganzen Bevölkerung, der mache es gern.

Bis dahin sei viel Aufklärungsarbeit nötig. Sei es bei diversen Treffen, bei Demos oder in den Marktoberdorfer Kirchengemeinden. Dort wollen sich die Pfarrgemeinderäte zunächst mit den zehn Thesen der Deutschen Bischofskonferenz zum Klimawandel beschäftigen, sagt Kautzky. Angedacht sind dann im größeren Kreis Klimastammtische oder ein Klimafrühstück.