Stromausfall Oberallgäu

Wenn beim Melken plötzlich der Saft weg ist

Von Mittwoch- bis Donnerstagmittag dauerte der Stromausfall bei Landwirt Benedikt Rasch in Wiederhofen (Missen-Wilhams). Die Melkmaschine konnte er zwar mit einem Notstromaggregat betreiben, die Stallarbeit verrichtete er aber im Licht einer Stirnlampe

Von Mittwoch- bis Donnerstagmittag dauerte der Stromausfall bei Landwirt Benedikt Rasch in Wiederhofen (Missen-Wilhams). Die Melkmaschine konnte er zwar mit einem Notstromaggregat betreiben, die Stallarbeit verrichtete er aber im Licht einer Stirnlampe

Bild: Ulrich Weigel

Von Mittwoch- bis Donnerstagmittag dauerte der Stromausfall bei Landwirt Benedikt Rasch in Wiederhofen (Missen-Wilhams). Die Melkmaschine konnte er zwar mit einem Notstromaggregat betreiben, die Stallarbeit verrichtete er aber im Licht einer Stirnlampe

Bild: Ulrich Weigel

Ein Stromausfall, wie am Mittwoch im Oberallgäu, ist für viele Haushalte ein kleineres, für Landwirte aber ein weit größeres Problem. Allein das Melken der vielen Tiere ist ohne Strom aus der Steckdose kaum möglich. Wie die Bewohner kleiner Ortschaften damit umgegangen sind, erfährst Du hier.
05.01.2018 | Stand: 09:20 Uhr

Das ist kein vorübergehender Stromausfall mehr, wenn nach Stunden ohne Strom der Kühlschrank von innen warm wird, die Feriengäste nicht kochen und keine Nachrichten im TV sehen können.
Christine Gebhard-Mohr

Ein Leben ohne Strom? Kaum vorstellbar. Ob Herd, Heizung, Fernseher oder Computer – alles steht. Schon ein mehrstündiger Ausfall, wie er Mittwoch 6100 Haushalte im Oberallgäu traf, bringt viele in Nöte. Heftiger erlebten den Tag um die 32 Haushalte in Wiederhofen und Aigis (Missen-Wilhams) sowie Niedersonthofen/Hof: Sie waren teils bis Donnerstagmittag ohne Strom. Erst am heutigen Freitag wird die Leitung in Aigis repariert; solange setzt „Allgäu-Netz“ dort ein starkes Notstromaggregat ein.

Laut Allgäu-Netz-Geschäftsführer Georg Fahrenschon waren nach dem Sturm an 25 Stellen beschädigte Leitungen zu reparieren. In Rechtis (Weitnau) ist eine 110.000-Volt-Leitung betroffen, für deren Reparatur Freitag die Straße nach Schwarzerd teilweise gesperrt ist.

„Das ist kein vorübergehender Stromausfall mehr, wenn nach Stunden ohne Strom der Kühlschrank von innen warm wird, die Feriengäste nicht kochen und keine Nachrichten im TV sehen können.“ So beschreibt es Christine Gebhard-Mohr aus Immenstadt-Luitharz. Bei íhr dauerte der Ausfall bis gestern Vormittag, wobei das Haus nicht komplett betroffen war. Weil nicht alle drei Phasen ihrer Stromzuleitung beschädigt waren, funktionierte zumindest ein Teil des Hausnetzes, und Fridolin Mohr legte per Verlängerungskabel Strom vom Keller nach oben.

Mit der Stirnlampe im Stall

In der Landwirtschaft kann ein Stromausfall große Herausforderung sein. Im regnerischen Grau zeugte am Donnerstag auf den ersten Blick nur ein brummendes Stromaggregat von Leben auf einem Ferienhof in Wiederhofen. Landwirt Benedikt Rasch ist froh, dass die kleine Maschine mit sechs Kilowatt Leistung wenigstens ausreicht, um die Melkmaschine zu betreiben, die Milchkühlung sowie die Heizungen im Bauernhof und im Neubau – aber nur abwechselnd. Das kleine Aggregat reicht auch, um den Hausgästen in drei Ferienwohnungen zeitweise Licht zu bieten. Mehr Luxus (wie ein Fernsehabend) ist nicht drin.

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Als Mittwoch klar war, dass der Ausfall länger dauert, schickte Rasch seine Gäste zum Essen in die Wirtschaft – und konnte dann im Stall melken. Die Urlauber nahmen es gelassen hin. 24 Milchkühe plus Jungvieh sind gewiss kein Großbetrieb; sie zu füttern, ist aber keine Kleinigkeit: Denn mit dem bisschen Notstrom lässt sich der Futterkran nicht bedienen. Mühsame Konsequenz: Rasch musste von Hand Futter im Gesamtgewicht von etwa einer Tonne verschaffen – im Lichtschein einer kleinen Stirnlampe.

Der Landwirt ist auch Skilehrer an der Thalerhöhe und erinnert sich genau an den Moment des Stromausfalls: Als der Sturm die Kinder am Schlepplift regelrecht aus dem Ausstieg blies, wurde der Lift abgeschaltet. Rasch hatte gerade erst klitschnass die Talstation erreicht, als auf einen Schlag die Versorgung zusammenbrach. In dem Moment wusste er, dass es alles andere als einen gemütlichen Tag geben würde.

Ein 'Hoch!' auf ein gutes Notaggregat

Nicht ganz so schlimm lief es im Ferienhof Müller in Wiederhofen. Auch dort fiel Mittwoch der Strom aus, aber nur drei Stunden. Und der Betrieb hat laut Thomas Müller ein starkes Notaggregat (50 Kw), denn bei 80 Milchkühen geht mit Handarbeit nichts mehr: 3,5 Tonnen Futter lassen sich ohne Maschinenhilfe nicht einfach verteilen. Auch Kraftfutterautomat und Pumpen der Wasserversorgung würden stehen. Hauptproblem aber wäre das Melken von Hand: Bei etwa zehn Minuten pro Kuh sind das bei 80 Kühen 13 Stunden. Und dann könnte man direkt wieder vorne anfangen.