Trump zum Trotz

Westallgäuer reiste in den Iran: "Die Menschen hoffen auf Europa"

Der Scheidegger Reiseunternehmer Manfred Przybylski mit seiner Frau Antonia im Iran.

Der Scheidegger Reiseunternehmer Manfred Przybylski mit seiner Frau Antonia im Iran.

Bild: Przybylski

Der Scheidegger Reiseunternehmer Manfred Przybylski mit seiner Frau Antonia im Iran.

Bild: Przybylski

Begegnen statt ausgrenzen. Miteinander sprechen statt auf Twitter wüten. Nach dieser Maxime ist eine Gruppe um Reiseunternehmer den Westallgäuer Manfred Przybylski in den Iran gereist. Just zu jener Zeit, als US-Präsident Donald Trump im Alleingang das Atomabkommen aufkündigte. Statt wütender Mullahs erlebte Przybylski aber freundliche Menschen und lehrreiche Begegnungen. "Die Menschen wollen, dass sich Iran moderat öffnet und Europa zu ihnen hält", so sein Fazit. Wieso er in das Land reiste und warum in Deutschland ein falsches Bild vom Iran herrscht, erfährst Du hier.
23.05.2018 | Stand: 13:43 Uhr

Mehr als 170 Länder hat Manfred Przybylski in seinem Leben bereist. Nirgendwo hat er nach eigenem Bekunden "so viel Freundlichkeit auf den Straßen erlebt" wie jetzt im Iran. Elf Tage lang war der Scheidegger Reiseunternehmer mit einer Gruppe bayerischer Unternehmer in dem vorderasiatischen Land unterwegs, just als US-Präsident Donald Trump die neuen Sanktionen über das Land verhängte. Ressentiments gegen den Westen hat Przybylski nicht erlebt. Im Gegenteil: "Die Menschen hoffen in der Mehrheit auf den Westen, gerade Europa".

Es ist das Gleiche, wenn Bilder von den Montagsdemonstrationen in Dresden gezeigt werden. Das ist auch das falsche Bild von Deutschland.
Manfred Przybylski über die falschen Eindrücke, die Bilder von wütenden Ajatollahs vermitteln

Przybylski ist Chef des Reiseunternehmens Ultramar Touristik. Regelmäßig organisiert er Gruppenreisen in eher abgelegene Länder. Jetzt in den Iran. Mit dabei waren neben dem früheren Ministerpräsidenten Günther Beckstein vor allem mittelständische bayerische Unternehmer und ihre Frauen. Die Reise führte unter anderem in die fünf größten Städte des Landes, in der fast die Hälfte der Bevölkerung des Landes lebt.

"Freundlichkeit, strahlende Gesichter, hohe Gastfreundschaft", fasst Przybylski seine Erlebnisse zusammen. Von einer Anspannung im Land angesichts der politischen Lage hat der Reiseunternehmer nichts gespürt. Bei den Begegnungen mit den Menschen hat er vor allem einen Eindruck gewonnen: "Die Bevölkerung geht nicht konform mit der Politik der Mullahs. Die Menschen wollen, dass sich das Land moderat öffnet und Europa zu ihnen hält". 

Offen empfangen wurden die Gäste im Iran. Und zwar sowohl von älteren als auch sehr jungen Iranern.
Offen empfangen wurden die Gäste im Iran. Und zwar sowohl von älteren als auch sehr jungen Iranern.
Bild: Przybylski

Auf Initiative von Günther Beckstein 

Die Bilder von wütenden Ajatollahs bei der Freitagspredigt in der Teheraner Moschee sorgen seiner Erfahrung nach für das "verzerrte Bild", das viele Menschen im Westen vom Iran haben. Er erklärt das mit einem Vergleich: "Es ist das Gleiche, wenn Bilder von den Montagsdemonstrationen in Dresden gezeigt werden. Das ist auch das falsche Bild von Deutschland".

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Bestandteil der Ultramar-Reisen sind in der Regel Gespräche mit hochrangigen Politikern oder Wirtschaftsvertretern. Geplant war das auch im Iran. Auf Initiative von Beckstein sollte die Gruppe aus Bayern den Oberbürgermeister der Millionen-Stadt Isfahan treffen. Anmelden musste das Przybylski über die iranische Botschaft in Berlin. Kurz darauf lud der Botschafter Przybylski und Beckstein in die deutsche Hauptstadt. Er habe Wert auf direkte Begegnungen der Gruppe mit iranischen Unternehmern gelegt, erzählt Przybylski.

Keine Handelsbeziehungen - dank Trump

Zu den Kontakten kam es dann auch. Unter anderem gab es Gespräche in der deutsch-iranischen Handelskammer. Geprägt seien sie auch von der Sorge der Unternehmer gewesen, was mit Investitionen angesichts des US-Embargos werde, sagt Przybylski. Iranische Firmen seien sehr an Kontakten mit Europa interessiert. Gerade mittelständische Unternehmen leiden aber - trotz erfolgter Lockerung - noch unter Handelshemmnissen. "Sie können derzeit nicht einmal Geld zu europäischen Banken transferieren", beschreibt Przybylski die Lage.

Versuche iranischer und deutscher Unternehmer, die Begegnungen in konkrete Geschäftskontakte münden zu lassen, sind bislang denn auch gescheitert. Zu hoch sind die Hürden. Und sie werden durch die Politik von Trump noch höher, erwartet Przybylski. Seine Folgerung: "Die Politik der USA geht auf Kosten eines Landes und von 80 Millionen Menschen".