20 Jahre Kneippheilbad

Wie Grönenbach zu seinem "Bad" kam

Schilder-Austausch

Die gute Nachricht erhielt die Gemeinde am 4. Dezember 1996 – die neuen Ortsschilder mit dem Titel „Bad“ wurden dann im April 1997 aufgehängt. Das Bild zeigt den damaligen Landrat Dr. Hermann Haisch (l.), Annette Geiger, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Allgäu/Bayerisch-Schwaben, und Johann Fleschhut, damals Rathauschef in Bad Grönenbach.

Bild: Marktgemeinde Bad Grönenbach

Die gute Nachricht erhielt die Gemeinde am 4. Dezember 1996 – die neuen Ortsschilder mit dem Titel „Bad“ wurden dann im April 1997 aufgehängt. Das Bild zeigt den damaligen Landrat Dr. Hermann Haisch (l.), Annette Geiger, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Allgäu/Bayerisch-Schwaben, und Johann Fleschhut, damals Rathauschef in Bad Grönenbach.

Bild: Marktgemeinde Bad Grönenbach

Nach einem Anruf am 4. Dezember 1996 stand im Kurort Grönenbach im Unterallgäu fest: Die Marktgemeinde darf sich künftig „Bad“ nennen. Inzwischen liegt die Anerkennung als Kneippheilbad 20 Jahre zurück und dies feiert der Ort mit einem viertägigen Festprogramm von Donnerstag bis Sonntag. Wie es dazu kam, das Grönenbach zu einem "Bad" wurde und was das bis heute bedeutet, liest du hier.
22.09.2020 | Stand: 11:01 Uhr

Nicht das kleinste Stäubchen trübt das Ortsbild in Grönenbach: Dafür haben Bauhof-Mitarbeiter gesorgt. Nun stehen sie an den Einfallstraßen, leiten Laster um die Gemeinde herum, in der auch die Einheimischen ihre Häuser und Gärten auf Hochglanz gebracht haben. Wegen des Besuchs, der nun bevorsteht, hat Rathauschef Johann Fleschhut sogar den Commodore des Fliegerhorstes in Memmingerberg angerufen: mit der Bitte, für ein paar Stunden keine Übungsflüge über das Dorf starten zu lassen.

So schildert Fleschhut den 21. Mai 1996 – den Tag, als eine zwölfköpfige Kommission die Gemeinde inspizierte, um herauszufinden, ob sie den Titel Kneippheilbad verdient hat. „Wir haben kein falsches Bild von der Gemeinde gezeichnet, aber wir haben alle Register gezogen“, erzählt der frühere Rathauschef: vom Elektrobus aus Oberstdorf, der für die Tour der Kommission ausgeliehen wurde, bis zu exakten Absprachen mit den Vertretern der medizinischen Einrichtungen, die in Vorträgen die Säulen der Kneippschen Lehre auch als Stützpfeiler ihrer Arbeit vorstellten.

Jahre im Voraus hatte die Gemeinde begonnen, ihre Hausaufgaben zu machen: Die medizinischen Häuser als Grundlage existierten in dem kleinen Kurort zwar bereits, doch nicht nur sie mussten sich laut Fleschhut weiterentwickeln. Anfangs habe es durchaus Skepsis gegeben, erinnert er sich – auch zur Ortskernsanierung und zur Verkehrsberuhigung, die er als zentrale Schritte zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität nennt: „Von 1989 an haben wir in etwa acht Jahren die wesentlichen Dinge geschafft“, sagt Fleschhut und spricht etwa die Neugestaltung des Marktplatzes und der Marktstraße an. Die Autos wurden weniger, die Luftqualität stieg – denn für ein Heilbad gibt es bestimmte Anforderungen, die regelmäßig bei Messungen überprüft werden: Werte, die auch der amtierende Bürgermeister Bernhard Kerler im Blick hat.

Marktplatz Mitte der 70er
So sah der Grönenbach Marktplatz noch Mitte der 1970er Jahre aus. Die Neugestaltung war eines der Projekte, das die Gemeinde auch mit Blick auf die Bewerbung als Kneippheilbad in Angriff nahm.
Bild: Marktgemeinde Bad Grönenbach

Die Kirchenglocken läuteten eine Viertelstunde lang

Und weil ein Kurheilbad als „Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel“ unter den Gesundheitsorten die Erwartungen der Gäste zu erfüllen hat, waren zudem Verbesserungen im Kurpark fällig, musste das Netz der Rad- sowie Wanderwege tadellos gepflegt sein und am Kulturprogramm gefeilt werden: „Die Sommerfrische als Festival ist nicht das einzige, aber wohl das erfolgreichste Resultat“, sagt Fleschhut. All dies habe die Gemeinde in einem Gemeinschaftswerk geschultert: Nach dem erlösenden Anruf am 4. Dezember 1996 läutete so Pfarrer Stefan Ried eine Viertelstunde lang die Kirchenglocken und es verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Grönenbach darf sich Bad Grönenbach nennen.

Dieser Triumph bringt mit sich die Herausforderung, das Prädikat „Kneippheilbad“ auch zu behalten. Zum einen muss die Gemeinde bei der Infrastruktur am Ball bleiben: Kerler zählt etwa das Wegenetz, Loipen, die Kneipp-Tretanlagen oder Parkplätze auf und weist auf den sanierten Postsaal als zusätzlichen Veranstaltungsraum hin. Andererseits hat so ein Heilbad auf sein Äußeres zu achten, setzt darum auf viel Grün und Bepflanzung. „Es profitieren nicht nur Gäste, sondern auch die Einheimischen“, betonen Kerler und Fleschhut. Ein Beispiel: „Wir haben zwei große Hausarztpraxen vor Ort – das ist nicht mehr selbstverständlich“, sagt Kerler.

Eins ist das Bad-Prädikat für die Gemeinde allerdings nicht: eine sprudelnde Einnahmequelle. „Die Kosten für Dinge wie Kur- und Gästeinformation oder Infrastruktur übersteigen deutlich die Summe, die wir an direkten Einnahmen haben, etwa durch die Kurtaxe.“ So bedeute der Titel Heilbad für kleine Orte vielmehr eine „finanzielle Anstrengung“. Es gebe darum Bemühungen des Heilbäderverbandes, einen Ausgleich durch Zuweisungen für solche Orte zu erreichen.