Er spielt nicht im Allgäu

Wieso die "Kluftinger"-Autoren einen düsteren Thriller schrieben

Das Duo Michael Kobr (links) und Volker Klüpfel bei einem Charity-Auftritt auf der Allgäuer Festwoche Kempten 2019.

Das Duo Michael Kobr (links) und Volker Klüpfel bei einem Charity-Auftritt auf der Allgäuer Festwoche Kempten 2019.

Bild: Ralf Lienert

Das Duo Michael Kobr (links) und Volker Klüpfel bei einem Charity-Auftritt auf der Allgäuer Festwoche Kempten 2019.

Bild: Ralf Lienert

Radikaler könnte der Genrewechsel kaum sein. Bisher schrieben Volker Klüpfel und Michael Kobr über einen Kommissar namens Kluftinger, der grantelnd, aber auch gewieft Morde im Allgäu aufklärt. Die Romane, die eine Millionen-Leserschaft fanden, sind eine rundum vergnügliche Sache. Doch nun ist Schluss mit lustig. Die beiden Autoren aus Kempten (Klüpfel) und Memmingen (Kobr) bringen am kommenden Dienstag einen todernsten Thriller auf den Markt. Und der spielt - da kiekste - in Berlin, und nicht im Allgäu!
17.09.2020 | Stand: 15:23 Uhr

Mit "Draußen" wechseln sie von den Allgäuer Wiesen in den Brandenburger Urwald, von der Kemptener Kripo in den Berliner Politikbetrieb, von Kässpatzen-Liebhabern zu Wildschweinjägern. Und die Hauptfigur ist nicht ein älterer weißer Mann, sondern ein 17-jähriges Mädchen mit dunkler Hautfarbe.

Die beiden Allgäuer wagen sich an etwas ganz anderes. Warum bloß? - Schließlich verkauften sich die bisher zehn Kluftinger-Krimis im deutschsprachigen Raum wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Sie möchten einfach mal "lustvoll einen neuen Weg ausprobieren" und zeigen, dass sie auch anderes können, antwortet Volker Klüpfel. "Wir wollen als Autoren wahrgenommen werden, nicht nur als Kluftinger-Schreiber." Michael Kobr steuert eine spaßigere Erklärung bei: "Man könne ja nicht immer nur Kässpatzen essen", sagt er.

Wir wollen als Autoren wahrgenommen werden, nicht nur als Kluftinger-Schreiber.
Volker Klüpfel

Ein Genrewechsel sei für sie auch eine Befreiung aus dem Zwang, den Kluftinger-Fans regelmäßig humorvoll-kriminalistisches Lesefutter zu servieren. Wobei das Autorenduo vor drei Jahren schon mal Humor in anderer Form auftischte: Im Roman "In der ersten Reihe sieht man Meer" unternahmen sie eine heiter-nostalgische Reise ins Italien der 1980er Jahre.

Brutales Endzeit-Szenario

Nun also ein düsteres, brutales Endzeit-Szenario, garniert mit Action und Gewalt, Mord und Totschlag. Der Plot für "Draußen" (Volker Klüpfel, Michael Kobr: Draußen. Ulstein, 384 S., 19,99 € ) stammt aus zwei Ideen: Michael Kobr hatte eine Reportage über die sogenannte Prepper-Szene gelesen und wollte etwas über Menschen schreiben, die sich auf angeblich drohende Katastrophen vorbereiten, indem sie Survival-Camps in Wäldern besuchen. Volker Klüpfel dagegen kam auf die Fremdenlegion, die legendäre Spezialeinheit des französischen Heers.

In ihrem 380-Seiten-Roman verbinden sie beides zu einer Rachestory. Inwiefern, das sei hier nicht verraten. Grob gesagt, geht es um einen Mann, der sich zusammen mit zwei Jugendlichen in den dichten Wäldern von Brandenburg versteckt. Dieses Leben außerhalb der Zivilisation ist ein steter Kampf ums Überleben, denn das Trio wird bedroht. Nach und nach wird klar, was das mit Politikern und Lobbyisten im gar nicht so weit entfernten Berlin zu tun hat.

"Verdammt, wir sind hier nicht in einem Jackie-Chan-Film", lassen Klüpfel und Kobr einen ihrer Protagonisten mal fluchen. Aber genau das ist dieser Roman: ein ziemlich verrückter Action-Thriller in Buchform samt kuriosem Personal. Die Krimi-Spezialisten bauen von der ersten Seite an Spannung auf und halten sie auch bis zum Ende. Als geschickte Konstrukteure von Plots wissen sie, was das Genre verlangt: Sie bieten den Lesern ein Puzzle an, bei dem sich immer nur ein paar Teile ineinanderfügen. Das Gesamtbild aber bleibt lange unklar. Was zum Weiterpuzzeln, sprich Weiterlesen anregt. Die Figuren sind zwar extrem, aber durchaus nachvollziehbar gezeichnet. Außerdem können die Autoren filmisch erzählen und damit im Kopf der Leser Kino entstehen lassen.

Bereits Anfragen für eine Verfilmung

Es gibt freilich auch einige haarsträubende Wendungen, die Verbindung zwischen der Verbrecherwelt und dem Politikbetrieb ist eigentümlich konstruiert, und beim Showdown rutscht der vorher recht realistische Plot ins Surreale. "Wir schreiben nicht hohe Literatur, sondern Unterhaltung", sagt Volker Klüpfel. Das funktioniert in diesem Erstlings-Thriller. Schon haben Klüpfel und Kobr Anfragen für eine Verfilmung des Stoffes erhalten.

Natürlich sind die beiden Autoren gespannt, wie ihr Genrewechsel beim Publikum ankommt, wie viele Klufti-Freunde zu diesem Roman greifen und wie viele neue Leser sie hinzugewinnen können. "Die Nervosität steigt", sagt Michael Kobr. Die Reaktionen auf dem Internetportal Vorablesen.de, wo eine Leseprobe steht, sind durchweg positiv. Vor allem die Spannung von "Draußen" wird gelobt.

Wie auch immer das Experiment ausgeht: Klüpfel und Kobr werden zum kultigen Kluftinger zurückkehren. Die Folge 11 des Allgäu-Krimis sei in Planung, Ideen gebe es einige. Die Figur sei ja "noch nicht auserzählt", sagen sie. Geschrieben ist bis jetzt aber nichts. Zunächst einmal geht das Autorenduo mit "Draußen" auf Lesereise.

>> Klüpfel und Kobr stellen ihr neues Buch am 19. November in der Kultbox in Kempten vor (20 Uhr). Karten im Vorverkauf unter Telefon 08931/206 55 55.
>> Am 26. November sind sie im Kleinen Goldenen Saal in Augsburg (19 Uhr) zum Live-Interview mit Chefredakteur Gregor Peter Schmitz und Kulturredakteurin Stefanie Wirsching. Karten beim ticketservice@augsburger-allgemeine.de, az-ticketservice.de sowie bei allen angeschlossenen Vorverkaufsstellen.