70 Jahre Vereinslokal

Wirtshaus-Sterben im Allgäu: Wie Altusrieder Trachtler erfolgreich gegen diesen Trend kämpfen

33 Jahre war Hans Bufler (l.) der Wirt des Bären in Altusried. Seitdem verbindet ihn eine tiefe Freundschaft mit Franz Merk.

33 Jahre war Hans Bufler (l.) der Wirt des Bären in Altusried. Seitdem verbindet ihn eine tiefe Freundschaft mit Franz Merk.

Bild: Stephan Michalik

33 Jahre war Hans Bufler (l.) der Wirt des Bären in Altusried. Seitdem verbindet ihn eine tiefe Freundschaft mit Franz Merk.

Bild: Stephan Michalik

Keine Wirtschaft, keine Kässpatzen: Immer mehr Traditionslokale im Allgäu müssen dicht machen, immer häufiger sind Landgasthöfe verwaist. "Des darf hier it passiera", sagt Franz Merk, Vorsitzender des Altusrieder Trachtenvereins. Seit 70 Jahren ist der "Bären" das Vereinslokal der Koppachtaler. Zu Fronleichnam, zur Fasnacht, zum Frühschoppen und zu Versammlungen pilgern die Mitglieder (oft sind es über 80) in die Altusrieder Wirtschaft und "lassen ein paar Mark flacken". Und das, obwohl sie auch im gemütlichen Vereinsheim feiern könnten - wesentlich billiger. Ja, selbst die Vereinsfahne hängt seit 70 Jahren im Lokal. Was diese Verbindung so besonders macht, erfährst Du hier.
15.10.2018 | Stand: 12:19 Uhr

"Das gehört einfach so", antwortet Franz Merk (62) auf die Frage, warum die Koppachtaler dem Bären seit 70 Jahren treu sind. "Das gehört einfach so". Eine simple Wahrheit, gesprochen in tiefem Oberallgäuer Dialekt und ruhiger Stimme. "Auf dem Dorf muss man sich doch gegenseitig unterstützen!" Auch am vergangenen Sonntag waren es wieder über 80 Vereinsmitglieder, die "70 Jahre Vereinslokal" feierten, musizierten, den Sonnentag genossen und mit zahlreichen Bestellungen für Umsatz sorgten. "Wir Vereine dürfen mit unseren Vereinsheimen doch keine Konkurrenz für die Dorftwirtschaften aufbauen", sagt Merk. 

Hell, freundlich, gemütlich: Das Vereinsheim ist eigentlich der perfekte Ort für Feiern. Trotzdem unterstützten die Koppachtaler die regionale Dorfwirtschaft.
Hell, freundlich, gemütlich: Das Vereinsheim ist eigentlich der perfekte Ort für Feiern. Trotzdem unterstützten die Koppachtaler die regionale Dorfwirtschaft.
Bild: Stephan Michalik

Die Terrasse voller Trachtler 

"Da geht mir das Herz auf", sagt Hans Bufler, der noch vor sechs Jahren nicht mit am Tisch gesessen, sondern hinter dem Tresen gestanden hätte. 33 Jahre führte er den Bären - 33 Jahre "musste ich diesen Haufen ertragen", sagt er und lacht laut. "Nein, im Ernst: Die Koppachtaler sind anständige Gäste, da gibt's schon ganz andere". Zwischen fünf und zehn Mal im Jahr besuchen die Trachtler die Dorfwirtschaft. "Und wenn, dann g'scheit", verrät Bufler. "Feiern können die! Aber sie helfen auch beim Aufräumen." 

Und selbst als Bufler vor vielen Jahren schwer ins Fettnäpfchen trat (stell Dir vor, er hatte zu blieben keine Brätknödelsuppe angeboten!) behalfen sich die Trachtler selbst und bleiben dem Bären treu: "Für unseren Vorstand Xaver Sauter war das damals wirklich ein Unding. In einem unbeobachteten Moment haben wir also ein Vereinsmitglied in die Konkurrenz-Wirtschaft geschickt - er kam mit genau einem Teller Suppe zurück", erinnert sich Merk grinsend. 

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Dass Franz Merk ein Heimat-Gefühl überkommt, wenn er den Bären betritt, hat aber noch einen persönlich Grund: Er durfte seine Stammkneipe selbst einrichten! Hans Bufler renovierte die komplette Gaststätte im Laufe der Jahre - und welchen Schreiner beauftragte er? Natürlich seinen Spezl von den Koppachtalern, Franz Merk.

"Der Bären ist wie ein Wohnzimmer für mich geworden", sagt er und zeigt auf sein Werk: die hellen Holzbänke schmücken die Gaststätte noch heute. Schon jetzt weiß Franz Merk: "Wir werden die nächste Zeit eher noch öfter hier sein". Gemeinsam mit den „d’Allgäuer“ aus Bad Grönenbach richten die Koppachtaler das Gautrachtenfest 2021 aus. Die Planungsrunden? "Finden sicher im Bären statt!" Das gehört schließlich so - auf dem Dorf unterstützt man sich.