Corona-Pandemie

Kein Abflug ins All: Corona bremst Würzburger Satelliten-Forscher aus

Der Wissenschaftler und Präsident des Zentrums für Telematik, Klaus Schilling, klagt über Liefengpässen, die den Bau der Satelliten deutlich verzögern. Doch die Zeit drängt: Die Würzburger Wissenschaftler wollen den Weg bereiten, um von 2022 an mithilfe von Verfahren ähnlich der Computertomographie ins Innere von Wolken zu blicken.

Der Wissenschaftler und Präsident des Zentrums für Telematik, Klaus Schilling, klagt über Liefengpässen, die den Bau der Satelliten deutlich verzögern. Doch die Zeit drängt: Die Würzburger Wissenschaftler wollen den Weg bereiten, um von 2022 an mithilfe von Verfahren ähnlich der Computertomographie ins Innere von Wolken zu blicken.

Bild: Nicolas Armer, dpa (Archiv)

Der Wissenschaftler und Präsident des Zentrums für Telematik, Klaus Schilling, klagt über Liefengpässen, die den Bau der Satelliten deutlich verzögern. Doch die Zeit drängt: Die Würzburger Wissenschaftler wollen den Weg bereiten, um von 2022 an mithilfe von Verfahren ähnlich der Computertomographie ins Innere von Wolken zu blicken.

Bild: Nicolas Armer, dpa (Archiv)

Mini-Satelliten aus Würzburg sind der Fachwelt weltweit bekannt. Sie helfen, mehr über das Klima zu erfahren. Das das visionäre Projekt stagniert wegen Corona.
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dpa
21.12.2021 | Stand: 07:34 Uhr

Corona bremst auch die Arbeit der Kleinsatelliten-Forscher in Würzburg aus, die eigentlich 2022 neue Tests im All starten wollten. "Dieser Chipmangel in der Automobilindustrie - das macht sich auch bei uns leider sehr stark bemerkbar", erklärte Wissenschaftler Klaus Schilling vom unabhängigen Forschungsinstitut Zentrum für Telematik (ZfT). "Die Lieferketten sind langsamer geworden."

Dies habe massive Auswirkungen auf den Bau der Satelliten, die mithilfe von Verfahren ähnlich der Computertomographie ins Innere von Wolken blicken sollen. "Wir können im Moment die leistungsfähigen Kameras nicht geliefert bekommen, weil die Hersteller dieser Kameras ihre Bauteile nicht kriegen."

Satelliten-Forscher in Würzburg: Corona führt zu Lieferengpässen

Daher werde sich der für das neue Jahr geplante Start von zehn Nano-Satelliten, die detaillierte Aufnahmen der inneren dreidimensionalen Struktur von Wolken ermöglichen (CloudCT) sollen, wohl auf 2023 verschieben.

Ziel des Projekts sei es, durch den Blick ins Innere der Wolken mehr über die Struktur und die Bestandteile von Wolken zu lernen und damit Umweltverschmutzung und Klimaveränderung besser vorhersagen zu können, sagte Schilling. Die Satelliten sollen sich in einer Formation selbst organisieren und durch ihre Lageänderungen optimale Beobachtungsbedingungen im Raum schaffen, um so die Computertomographie einer Wolke zu ermöglichen. Sie könnten aber zum Beispiel auch bei Vulkanausbrüchen eine 3D-Karte von Aschewolken aufnehmen. Damit soll es für Flugzeuge etwa einfacher werden, diese zuverlässig und sicher zu umfliegen.

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Um die - noch fehlenden - Spezialkameras will das bis zu zehn Mann starke Würzburger Forschungsteam später die Mini-Satelliten bauen. "Sie müssen die Kamera auf das Ziel, die gemeinsame Wolke, bei allen zehn Satelliten entsprechend genau ausrichten", erläuterte Schilling.

Mini-Satelliten aus Würzburg: Einmal hochgeschossen, gibt es keinen Zugang mehr

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Die Satelliten sollen sich später untereinander austauschen und trotz einer Geschwindigkeit von rund 30.000 Stundenkilometern im All auf die Wolke fixiert bleiben. Diese sogenannte Lageregelung müsse vorher auf der Erde ausführlich getestet werden. "Denn wenn es erstmal hochgeschossen ist, dann hat man keinen Zugang mehr."

Das Geld für die CloudCT-Mission kommt vom europäischen Forschungsrat. Schilling ist Vorstand des Zentrums für Telematik in Würzburg und war 2018 gemeinsam mit zwei Wissenschaftlern aus Israel mit diesem ERC-Forschungspreis im Wert von 14 Millionen Euro ausgezeichnet worden.

Corona wirkt sich nicht nur negativ auf das wegweisende Projekt aus

Trotz coronabedingter Einschränkungen gibt es nach Schillings Worten aber auch positive Entwicklungen für das Projekt. "Bei Raketenstarts wächst die Anzahl der Anbieter stark. Insofern beobachtet man für den großen Kostenfaktor Raketenstart eine deutliche Kostenreduktion."

Der erste deutsche Pico-Satellit kam 2005 von Schillings Team an der Universität Würzburg und hieß "Uwe-1". Seine Mission: via Internet im All Signale an die Bodenstation senden und das in Experimenten optimieren. Aktuell bauen seine Studenten am Lehrstuhl Informatik VII gerade an "Uwe-5" für Telekommunikationsexperimente in der Grundlagenforschung. (Lesen Sie auch: Corona-Regeln: Was ist an Weihnachten erlaubt und was nicht?)

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Kleine Satelliten sind in Entwicklung und Platzierung in der Umlaufbahn deutlich günstiger als ihre großen Geschwister, deshalb bieten sie sich für Hochschulprojekte und Forschungsaufgaben an. Das Zentrum für Telematik ist eine außeruniversitäre Einrichtung. Es finanziert sich etwa durch Aufträge der EU, der Europäischen Weltraumorganisation, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und der Industrie. (Lesen Sie auch: RKI: Hohes Risiko durch Omikron für zweifach Geimpfte und Genesene - In USA nun vorherrschende Variante)

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