Bertelsmann-Studie

Zwei Dritteln der Kitas in Bayern fehlt Personal - so ist der Stand im Allgäu

In vielen Kitas in Bayern mangelt es an Personal. Wie ist die Lage im Allgäu? Das zeigen neue Zahlen.

In vielen Kitas in Bayern mangelt es an Personal. Wie ist die Lage im Allgäu? Das zeigen neue Zahlen.

Bild: picture alliance/Uwe Anspach/dpa

In vielen Kitas in Bayern mangelt es an Personal. Wie ist die Lage im Allgäu? Das zeigen neue Zahlen.

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Wer in Bayern einen Kita-Platz für sein Kind gefunden hat, muss oft feststellen, dass es an Personal fehlt. Wie ist die Lage im Allgäu?
25.08.2020 | Stand: 11:53 Uhr

An Bayerns Kitas gibt es viel zu wenige Erzieher. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. Demnach stand zum Stichtag 1. März 2019 laut Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme für zwei Drittel (67 Prozent) der Kinder in den amtlich erfassten Kita-Gruppen im Freistaat nicht genügend Fachpersonal zur Verfügung.

Der Personalschlüssel für rund 237 000 Kita-Kinder sei "nicht kindgerecht", teilte die Stiftung mit.

  • Rechnerisch kamen demnach in Bayern 2019 in Krippengruppen durchschnittlich 3,7 Kinder auf eine Fachkraft.
  • In Kindergartengruppen waren es 8,3 Kinder pro Fachkraft.
Vor sechs Jahren hatte der Personalschlüssel in Krippen noch bei 1 zu 3,9 und in Kindergärten bei 1 zu 9,1 gelegen, heißt es weiter. Somit habe es für die älteren Kinder zwar eine Verbesserung der Personalausstattung gegeben, diese falle aber im Vergleich zu den Entwicklungen in anderen Bundesländern "eher mittelmäßig" aus.

Nach Empfehlungen der Stiftung sollten in Krippengruppen rechnerisch 3,0 Kinder auf eine Fachkraft kommen und in Kindergartengruppen 7,5.

Bildungschancen hängen stark von Wohnort ab

Die Ergebnisse des Ländermonitorings zeigten ferner, dass die Bildungschancen in Bayern wie in der Vergangenheit stark vom Wohnort abhängen: So ist eine Fachkraft im Landkreis Kulmbach (1 zu 11,5) rein rechnerisch für 4,3 Kindergartenkinder mehr verantwortlich als in Kaufbeuren (1 zu 7,2). Dies ist nach Rheinland-Pfalz und Hessen die drittgrößte regionale Streuung im Bundesvergleich.

Im Krippenbereich zeigt sich innerhalb von Bayern zudem das bundesweit größte Gefälle, so ein Fazit der Studie. In den Landkreisen Miltenberg, Rottal-Inn sowie Regensburg betreute zum Stichtag eine Fachkraft im Durchschnitt nur 3,0 Krippenkinder, während es im Landkreis Kulmbach 4,8 sind. Seit 2016 seien die regionalen Unterschiede im Krippenbereich geringer und im Kindergartenbereich größer geworden.

 

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Ein weiterer Kritikpunkt sind die Gruppengrößen und das Qualifikationsniveau des pädagogischen Personals. Von allen amtlich erfassten Kita-Gruppen in Bayern seien 65 Prozent zu groß (bundesweit: 54,1 Prozent).

Wie auch in anderen westdeutschen Bundesländern sind in Bayern die ab Dreijährigen häufiger von ungünstigen Gruppengrößen betroffen (89 Prozent) als die unter Dreijährigen (38 Prozent).

Wissenschaft empfiehlt kleinere Gruppen

Nach wissenschaftlichen Empfehlungen sollten Gruppen für jüngere Kinder nicht mehr als zwölf Kinder umfassen, für die Älteren nicht mehr als 18, hieß es. Zu große Gruppen bedeuteten für die Kinder und Personal übermäßigen Stress, etwa durch Lautstärke, und könnten dazu führen, dass entwicklungsangemessene Aktivitäten nicht ausreichend durchgeführt werden.

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Die Qualifikation des Kita-Personals ist den Angaben zufolge in Bayern im Vergleich zu den anderen Bundesländern auf einem sehr niedrigen Niveau: Von den gut 91 600 pädagogisch arbeitenden Mitarbeitern (ohne Horte) seien nur 49 Prozent als Erzieher ausgebildet. In keinem anderen Land ist der Anteil niedriger.

In Bayern arbeitet hingegen ein deutlich größerer Anteil der Fachkräfte (37 Prozent) auf Assistenzniveau, beispielsweise als Kinderpflegerin oder Sozialassistentin. Dies ist bundesweit der höchste Anteil.

Familienministerin kritisiert Studie

Bayerns Familienministerin Carolina Trautner (CSU) kritisierte die Studie zur Kinderbetreuung. Das verkenne das hohe Engagement der Beschäftigten in den bayerischen Kindertageseinrichtungen, sagte sie. "Seit Jahren beurteilt die Bertelsmann Stiftung die Qualität der Kindertagesbetreuung anhand von ihr selbst willkürlich zum Qualitätsmesser erhobenen Zahlen", so die Ministerin.

Der Freistaat habe die Kindertagesbetreuung gestärkt und die Qualität der frühkindlichen Bildung verbessert, etwa indem er die Zahl der Fachkräfte seit 2006 auf mehr als 52 600 verdoppelt habe (Stand 1.3.2019). Dazu gehörten neben Erziehern auch Sozialpädagogen und Kindheitspädagogen - was die Studie jedoch nicht berücksichtige.