Entgegenkommen nach Kritik

Pläne für "Grünten-Bergwelt" abgespeckt: Investor will auf "Walderlebnisbahn" verzichten

Skigebiet Grünten Grüntenlifte

Winter wird's am Grünten und es ist geplant, dass am 21. Dezember die Saison mit den alten Anlagen beginnt. Wie es danach weitergeht, ist unklar.

Bild: Christoph Kölle

Winter wird's am Grünten und es ist geplant, dass am 21. Dezember die Saison mit den alten Anlagen beginnt. Wie es danach weitergeht, ist unklar.

Bild: Christoph Kölle

Die Oberallgäuer Unternehmerfamilie Hagenauer, die am Grünten investieren will, verzichtet auf die geplante „Walderlebnisbahn“. Damit wolle man „vor allem einer weiter fortschreitenden Polarisierung innerhalb der Bevölkerung entgegenwirken“, heißt es in einer Erklärung der Familie, die auch die „Alpsee-Bergwelt“ bei Immenstadt betreibt. Ob das nun die Wogen glättet und warum es heuer erstmals seit zwei Jahren wieder einen Winterbetrieb an den alten Grüntenliften gibt, erfährst Du hier.
11.12.2019 | Stand: 18:17 Uhr

Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass sich hauptsächlich an der geplanten „Walderlebnisbahn“ die Geister scheiden, sagte Anja Hagenauer. Sie stellte aber zugleich klar: Es gehe nicht darum, die Pläne des Unternehmens für den Grünten zu beerdigen.

Wie mehrfach berichtet, sollen an dem Berg oberhalb von Rettenberg die alten, zum Teil noch dieselbetriebenen Grünten-Lifte abgebaut werden. Geplant ist zudem der Neubau einer Zehner-Kabinenbahn für den Sommer- und Winterbetrieb sowie einer Sechser–Sesselbahn für den Winter und ein neuer Schlepplift an der Mittelstation. Die alte Grüntenhütte soll einer neuen Gastronomie weichen.

Weniger Besucher erwartet

Anja Hagenauer bleibt dabei: „Wir wollen der örtlichen Bevölkerung und den Besuchern schon bald ein modernes, sicheres und umweltgerechtes Ski- sowie ein von Altlasten und Trampelpfaden befreites Wandergebiet präsentieren.“ Die Unternehmerin rechnet damit, dass der Verzicht auf die „Walderlebnisbahn“ zu geringeren Besucherzahlen führen werde. Vorgesehen waren zwei unterschiedliche Linien, an denen die Gäste mit 15 oder mit 60 km/h zu Tal gleiten. Trotz des Verzichts auf die Bahn, die in der Branche auch als „Rollglider“ bezeichnet wird, könne eine „Grünten-Bergwelt“ wirtschaftlich betrieben werden, sagte Hagenauer.

In einer ersten Stellungnahme sagte Max Stark von der Initiative „Rettet den Grünten“, die die Erschließungspläne ablehnt, zum Verzicht auf die „Waldseilbahn“: „Wir begrüßen das und glauben, dass diese Entscheidung dem öffentlichen Druck geschuldet ist.“ Es sei nicht auszuschließen, „dass in ein paar Jahren doch wieder so etwas beantragt wird“.

Wir begrüßen das und glauben, dass diese Entscheidung dem öffentlichen Druck geschuldet ist.
Max Stark von der Initiative „Rettet den Grünten“

Die Initiative werde weiter gegen die Pläne für den Grünten mobil machen, kündigte Stark an. Man halte die Investitionen in den Winterbetrieb angesichts des Klimawandels für fragwürdig und die Bahn für den Sommerbetrieb sei überdimensioniert. Dadurch werde der Berg „überlastet“.

Der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz hofft, dass sich nach den emotional geführten Diskussionen über das Projekt in den vergangenen Monaten jetzt die Wogen glätten. Die Entscheidung der Familie Hagenauer sei richtig und geeignet, „den Druck aus dem Kessel zu nehmen“. Klotz ist ein Befürworter des Projekts, er sagte gegenüber der Allgäuer Zeitung aber auch: „Der Sommerbetrieb ist wichtiger als eine Erlebnisbahn.“

Alpenverein pocht auf Verkehrskonzept und naturschonende Maßnahmen

Zu den Kritikern gehört auch der Deutsche Alpenverein (DAV) in München. „Wir begrüßen den Schritt der Familie Hagenauer ausdrücklich, die Walderlebnisbahn nicht weiter zu verfolgen,“ sagte Steffen Reich auf Anfrage. Er ist beim DAV-Hauptverein Referent für Naturschutz. Mit der Entscheidung der Investoren werde der größte Kritikpunkt des Alpenvereins ernst genommen. Nun komme es darauf an, „dass auch andere Maßnahmen möglichst naturschonend geplant werden und ein vernünftiges Verkehrskonzept erstellt wird“, ergänzte Reich.

Der DAV sei gerne bereit, „sich konstruktiv in die weitere Entwicklung einzubringen“. Das Grüntengebiet ist nicht nur bei Pistenfahrern, sondern auch bei Schneeschuh- und Skitourengehern beliebt.

Wie geht es nun weiter? Sie könne noch nicht sagen, wann die Pläne für die Grünten-Bergwelt bei der Genehmigungsbehörde eingereicht werden, sagte Anja Hagenauer auf Anfrage. Es sei aber auszuschließen, dass kommenden Sommer schon gebaut werden könne.

Demgegenüber wird es erstmals seit zwei Saisonen 2019/20 wieder einen Winterbetrieb an den Grüntenliften geben. Die alten Anlagen wurden überholt und technisch überprüft. Inzwischen präsentiert sich das Skigebiet winterlich-weiß. Auch die Schneekanonen waren bereits in Betrieb.

Der Saisonstart ist für Samstag, 21. Dezember, geplant.