Jengen

Ehrenamt mit Herzblut in Weichter Bücherei

Roswitha Martin (links) und Beatrix Unsin sind zwei der 13 Mitwirkenden, die mit viel ehrenamtlichem Engagement die Bücherei St. Vitus in Weicht betreiben.

Roswitha Martin (links) und Beatrix Unsin sind zwei der 13 Mitwirkenden, die mit viel ehrenamtlichem Engagement die Bücherei St. Vitus in Weicht betreiben.

Bild: Alexandra Hartmann

Roswitha Martin (links) und Beatrix Unsin sind zwei der 13 Mitwirkenden, die mit viel ehrenamtlichem Engagement die Bücherei St. Vitus in Weicht betreiben.

Bild: Alexandra Hartmann

Gütesiegel „Bibliothek – Partner der Schulen“ für Angebot in Dorf bei Buchloe. Wie es gelingt, Kinder fürs Lesen zu begeistern und was bei der „WeinLese“ passiert.
09.11.2020 | Stand: 11:28 Uhr

Als „Bibliothek – Partner der Schulen“ darf sich neuerdings die Bücherei St. Vitus in Weicht bezeichnen. Damit haben die bayerischen Ministerien für Kunst und Kultus die kleine Bücherei im Jengener Ortsteil ausgezeichnet – als eine von lediglich sieben in Schwaben. Für das 13-köpfige Büchereiteam, das komplett ehrenamtlich arbeitet, eine Besonderheit.

„Voriges Jahr haben wir das 60-jährige Bestehen der Pfarrbücherei gefeiert“, erzählt Beatrix Unsin, die sich schon lange für die Einrichtung engagiert. Früher seien die Räumlichkeiten im alten Pfarrhof genutzt worden und Pfarrer Jakob Rohrmayr habe sich um den Betrieb gekümmert. Als er die Aufgabe dann abgegeben hat, war zunächst nicht sicher, wer den Betrieb übernimmt und welche Räumlichkeiten genutzt werden sollen. „Mir war klar, dass wir das im Team übernehmen müssen“, sagt die 58-Jährige. Es fanden sich genug Ehrenamtliche – und auch für die Räumlichkeiten gab es eine Lösung: „Der Musikverein hat das Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. Da waren noch Räume frei und Platz für einen Anbau.“ Materialkosten habe die Diözese übernommen, die Arbeit dafür kam von den sehr engagierten Weichtern. „Der jetzige Bürgermeister Ralf Neuner hat damals viel organisiert“, erinnert sich Unsin zurück. Seit über zehn Jahren ist die St. Vitus Bücherei inzwischen in den einladenenden Räumlichkeiten, wo sich das Team um Unsin und ihre Kollegin Roswitha Martin sichtlich wohlfühlt.

Und auch Leser von jung bis alt kommen zu den Öffnungszeiten gerne vorbei und stöbern durch das Sortiment auf der Suche nach Lesestoff. Darüber hinaus ist das Team sehr engagiert, verschiedene Veranstaltungen anzubieten. „Ein absolutes Highlight im Jahr ist unsere WeinLese“, berichtet Martin. Da werden die Bücherregale zur Seite geschoben, Tische und Sitzgelegenheiten organisiert sowie für Wein, Häppchen und musikalische Untermalung gesorgt. „Da werden Bücher vorgestellt und die zahlreichen Besucher diskutieren bei Wein und Häppchen ausgiebig über die Empfehlungen“, erzählt Unsin.

Die Raupe Leselotte

Besonders wichtig sei den Ehrenamtlichen außerdem, Kindern schon früh die Welt der Bücher zu zeigen und sie für das Lesen zu begeistern. Und das fängt bereits vor der Schule an. „Die Vorschulkinder der Kindertagesstätten Beckstetten und Weinhausen machen bei uns den Bücherei-Führerschein“, berichtet Unsin. Dafür lernen sie bei gemeinsamen Besuchen, was Bücher sind und wie sie ausgeliehen werden können. „Weiter geht es dann in der Grundschule“, sagt Martin und nennt dabei die Leselotte, eine Raupe aus 25 Stofftaschen voll mit Büchern, die in der ersten Klasse der Jengener Schule vorbei kriecht.

„Die Zweit- und Drittklässler machen dann mit unserem Lesekompass weiter“, teilt Martin mit, die die Kooperation mit der Schule betreut. Bei Bibliothek-Besuchen lernen die Kinder den Aufbau kennen, machen eine Rallye, suchen bestimmte Bücher und werden sogar selbst als Schriftsteller oder beim Theater aktiv. „Das wird immer gut und gerne angenommen und die Kooperation mit der Schule funktioniert super“, sagt die 50-Jährige. Bei Lesern ab der fünften Klasse gehen die Bücherei-Besuche etwas zurück. „Das liegt vielleicht auch daran, dass wir keinen Kontakt zu weiterführenden Schulen haben“, spekuliert Unsin.

Und natürlich geht die Corona-Pandemie auch an der Weichter Bibliothek nicht spurlos vorüber: Während des ersten Lockdowns war geschlossen. „Das ging damals so schnell, dass die Leute vorher gar keine Zeit hatten, sich extra mit Büchern einzudecken“, berichtet Unsin. An Zeit zum Lesen habe es für viele zwischen Kontaktbeschränkungen und Kurzarbeit immerhin nicht gemangelt.

Mit Hygienekonzept durch den Lockdown

Seit Mitte Mai ist die Bücherei mit einem ausgeklügelten Hygiene-Konzept geöffnet – und wird es auch im November bleiben. „Wir achten sehr genau darauf, dass Besucher die Hände desinfizieren und Masken tragen“, betont Unsin. Zulässig seien acht Gäste, neben dem Eingang befinden sich laminierte Karten, die jede Person für die Zeit in der Bücherei bei sich trägt. „Sind keine Karten mehr da, darf niemand mehr herein“, erklärt Unsin.

Das reguläre Ausleihen von Medien sei also kein Problem – bei den unterschiedlichsten Aktionen und Veranstaltungen sieht es schon dramatischer aus. „Die WeinLese ist heuer ausgefallen, und sämtliche Programme mit Kindergarten und Schulklassen auch“, erzählt Martin. Normalerweise gab es auch immer Autorenlesungen und Kindernachmittage mit Bastelaktionen – das sei in gewohnter Form nicht möglich.

Doch davon lässt sich das engagierte Bücherei-Team nicht unterkriegen. Sobald die Corona-Situation es wieder zulasse, wollen die 13 Ehrenamtlichen wieder voll durchstarten. „Eine Bücherei lebt mit Veranstaltungen, nicht nur mit den normalen Öffnungszeiten. Deshalb hoffen wir, dass wir im kommenden Jahr wieder zur Normalität zurückkommen und auch unsere WeinLese, die Autorenlesungen und die Aktionen mit Kindern wieder stattfinden können“, sagt Unsin. Wenigstens seien die Büchereien inzwischen als Bildungseinrichtungen anerkannt worden, weshalb sie weiterhin öffnen dürfen. Passend dazu zeigen die beiden Frauen einen Zettel, auf den eine Kundin geschrieben hat: „In Zeiten wie diesen ist eine Bücherei für die Seele systemrelevant.“