Memmingen

Er setzt die Schauspieler ins rechte Licht

MM LTS-Serie: Beleuchter Georg Schlögel

MM LTS-Serie: Beleuchter Georg Schlögel

Bild: Dunja Schütterle

MM LTS-Serie: Beleuchter Georg Schlögel

Bild: Dunja Schütterle

Serie Beleuchter Georg Schlögel ist seit 40 Jahren der Herr über die Bühnenscheinwerfer im Landestheater Schwaben. Seinen ersten Einsatz hatte er beim Stück „Blick zurück im Zorn“, sein letzter vor dem Ruhestand ist in „Ewig jung“
28.02.2020 | Stand: 16:04 Uhr

Wenn ein Theaterstück auf der Bühne des Landestheaters Schwaben aufgeführt wird, liegen hinter Schauspielern und Regisseuren wochenlange Proben. Aber bis sich der Vorhang hebt, sind noch viele andere Mitarbeiter des Hauses an der Inszenierung beteiligt – von der Kostümbildnerin bis zum Beleuchter, von der Disponentin bis zum Tontechniker. In unserer Serie „Hinter den Kulissen“ beleuchten wir diese Arbeit.

Durch den kleinen Schlitz zwischen zwei schwarzen Vorhängen über einem schrägen Fenster dringt nur wenig Tageslicht ins Innere der kleinen Dachkammer, in der gerade so viel Platz ist, um bequem an einem Schreibtisch sitzen zu können. Auf diesem steht eine Art Computer – viele Tasten, Schieberegler und eine Anzeige mit bunten Feldern leuchten auf einem Bildschirm. „Das ist das regulierbare Lichtpult. Damit machen wir das Licht“, erklärt Georg Schlögel und schaut durch das kleine Glasfenster vor ihm – direkt auf die Bühne im Großen Haus des Landestheaters Schwaben (LTS).

„Ich habe im Haus praktisch die höchste Position“, sagt Schlögel lachend, der seit vier Jahrzehnten die Schauspieler auf der Bühne ins rechte Licht rückt. Seine Kommandozentrale erinnert ein klein wenig an die von Captain Kirk vom Raumschiff Enterprise: er sitzt hoch über den Köpfen der Zuschauer im Dunkeln und beamt Licht auf die Bühne.

25 Jahre alt war Georg Schlögel, als er die Stellenanzeige in derMemminger Zeitunglas, dass am Theater ein Beleuchter gesucht wird. „Ich hatte eine Ausbildung als Elektriker und in diesem Beruf schon zehn Jahre lang gearbeitet. Und da ich Lust auf etwas Neues hatte, habe ich mich beworben“, erzählt der Memminger gut gelaunt.

Seine handwerklichen Fähigkeiten waren ihm damals von Nutzen, so wurde er auch im Kulissenbau und in der Bühnentechnik eingesetzt. Früher, wie Schlögel weiter erzählt, hatte man am LTS weit weniger Budget für Produktionen zur Verfügung, was wiederum viel Improvisation erforderte. Schlögel erinnert sich zum Beispiel an Scheinwerfer, die eine Tür von hinten indirekt beleuchten sollten. Da diese aber von der Größe nicht passten, baute man einfach eine Fassung mit einer Glühbirne in eine große Gurkenkonservendose ein und bündelte das Licht für diese Zwecke. „Improvisationstalent sollte man auf alle Fälle in dem Job haben“, merkt Schlögel schmunzelnd an.

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Heute können, dank computergesteuerter Technik, sämtliche Farben und Lichtstimmungen die Illusion eines Theaterstücks unterstreichen - oder ganz für sich sprechen. „Für farbiges Licht brauchte man früher noch Farbfilterfolien, die aus weißem Licht buntes machten“, sagt Schlögel im Rückblick auf die technische Entwicklung, die er miterlebt hat. Licht ist heute elementares Gestaltungsmittel für eine Inszenierung und hat einen hohen Stellenwert. 100 bis 120 Schweinwerfer sind bei einem Stück im Großen Haus im Einsatz.

Für jede neue Produktion sitzen die einzelnen Gewerke des Theaters zunächst mit dem Bühnenbildner und dem Regisseur zusammen, um die Details zu besprechen. Besondere Lichteffekte oder Einbauten wie beispielsweise ein Fenster müssen so koordiniert werden, dass Timing, Stärke und Harmonie der Beleuchtung stimmen. Abgestimmt werden sie auch mit der Inspizienz, welche die Lichtwechsel vorgibt. „Oftmals lässt sich aber eine erste Idee nicht Eins zu Eins realisieren“, erklärt Schlögel und fügt ein aktuelles Beispiel an: Beim Theaterstück „Margarete Maultasch“ musste die Höhe des Bühnenbilds um zwei Meter reduziert werden, um alles perfekt ausleuchten zu können. Das Stück „Ab heute heißt Du Sara“ hatte mit 161 unterschiedlichen Lichtstimmungen die meisten in seiner Laufbahn. „Die Stimmungen, die mich am nachhaltigsten berührt haben, hatte das Stück ,Verbrennungen’, berichtet der 64-Jährige, der jetzt in den Ruhestand geht.

Auch wenn die Technik heute mehr Möglichkeiten bietet, ist das Berufsbild des Veranstaltungstechnikers, wie es heute heißt, noch immer mit handwerklichem Geschick und körperlicher Arbeit verbunden. Das gilt besonders für die Gastspielorte, wo nicht immer die optimalen Voraussetzungen geboten sind. „Und man arbeitet dann, wenn andere Zeit haben, ins Theater zu gehen, was meist am Wochenende ist“, fügt Schlögel an.

Deshalb freut sich der Vater von drei Töchtern und Opa von drei Enkelkindern jetzt erst einmal auf das süße Nichtstun – dem Theater will er aber weiterhin als Besucher treu bleiben. „Mit dem Theaterstück ,Blick zurück im Zorn‘ habe ich meine Arbeit begonnen. Jetzt, nach 40 Jahren, habe ich meinen letzten Einsatz bei ,Ewig jung‘“, berichtet Georg Schlögel – und wertet dies als gutes Zeichen für seinen Ruhestand.

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