Jazz im Oberallgäu

Frischzellenkur in Fischen für alte Meister

Klassiker in neuem Jazz-Gewand: Das Quartett "Echoes of Swing" verpasst den Werken alter Meister in Fischen eine Frischzellenkur.

Klassiker in neuem Jazz-Gewand: Das Quartett "Echoes of Swing" verpasst den Werken alter Meister in Fischen eine Frischzellenkur.

Bild: Sascha Kletzsch

Klassiker in neuem Jazz-Gewand: Das Quartett "Echoes of Swing" verpasst den Werken alter Meister in Fischen eine Frischzellenkur.

Bild: Sascha Kletzsch

Die „Echoes of Swing“ lassen Klassiker in neuem Licht erstrahlen. Pianist Bernd Lhotzky verrät, welche Kabinettstückchen das Quartett bei seinem Auftritt in Fischen im Gepäck hat
29.09.2020 | Stand: 19:00 Uhr

Beethoven „beswingt“? Das geht, sagt Pianist Bernd Lhotzky vom Jazz-Quartett „Echoes of Swing“. Und das werden er und seine drei Mitstreiter am kommenden Sonntag in der Fiskina in Fischen beweisen: bei dem besonderen Konzert der Sonthofer Gesellschaft „Freunde der Musik“, das unter dem Motto steht: „Jazz meets Classic“. Colin T. Dawson ist zuständig für Trompete und Vocals, Chris Hopkins spielt das Alt-Saxophon und Oliver Mewes bedient das Schlagzeug. Mit dem Pianisten Bernd Lhotzky sprach Veronika Krull.

Ein Programm „nach Ansage und Inspiration“: Wovon hängt die Inspiration ab?

Bernd Lhotzky: Wir reagieren auf das Publikum. Wir haben einen Probenplan und schauen, wo’s hingeht. Ein Wunschkonzert ist es nicht, aber man sieht, was ankommt. Oder wir rufen uns etwas zu: Nicht jeder hat immer auf jedes Stück Lust. Wir haben ein breites Repertoire, aus dem wir schöpfen können.

Sie werden „improvisierte Kabinettstückchen“ spielen. Das heißt, die Stücke klingen immer etwas anders?

Lhotzky: Jedes Stück klingt immer anders. Wir haben eine Form, die wir spielen – zum Beispiel die ABA-Form. Bei den klassischen Stücken, wie etwa bei einer Adaption von Chopin, sind die Formen anders. 80 Prozent bei jedem Stück sind improvisiert. Man spielt über die Akkordfolgen, versucht, die Melodie zu variieren und zu variieren, eigene Gedanken einzubringen. Die Improvisation steht im Mittelpunkt. Aber die Stücke klingen ähnlich, sie behalten ihren Charakter. An ein Solo erinnert sich der Zuhörer nicht, nicht an jedes Detail, wie wir das durchdenken. Die Improvisation unterscheidet sich von geschriebenen Noten, dass immer eine Energie dabei ist, weil wir ständig gefordert sind. Es ist lebendig. Man kann kein Jazz-Solo einüben. Das Solo entsteht im Moment, auch die Interaktion: In dem Moment, wo der Solist agiert, reagiert die Gruppe. Das ist es, was es so lebendig macht.

Welche klassischen Kompositionen werden Sie „beswingen“?

Lhotzky: Da haben wir einiges im Programm, angefangen mit Chopin. Ich finde, dass Chopin nach wie vor gut geeignet ist, er arbeitet mit ähnlichen Mitteln wie der Jazz. Da passt es am besten. Tschaikowsky ist dabei, auch Dvořák ist eine tolle Sache, mit Beethoven kann man es auch machen, weil er taub und tot ist (schmunzelt).

Wie hat sich Ihre Arbeit in der Corona-Zwangspause gestaltet?

Lhotzky: Naja, jeder ist damit unterschiedlich umgegangen. Es ist natürlich eine Zeit, die alles komplett verändert, nicht nur im negativen Sinn. Wir haben viel geübt, uns Sachen geschickt – ich glaube nicht, dass es schlecht war, ich denke, dass dieser Abstand gut getan hat. Wir konnten als Gruppe nicht zusammenkommen, aber das macht nichts, wir spielen ja schon seit 20 Jahren zusammen. Aber jeder hat sein Spiel überdacht, hat überlegt, hat das noch Bestand oder kann man das besser machen. Wir haben gearbeitet, uns mit Plattenaufnahmen beschäftigt, Konzerte vorbereitet. Als es im Sommer etwas lockerer wurde, haben wir in ganz kleinem Rahmen, bei privaten Veranstaltungen gespielt. Man hat sich um uns gekümmert. Bei unserer Musik spielt der soziale Aspekt ja eine große Rolle, man spielt, wenn Leute zusammenkommen. In der Einsamkeit funktioniert das nicht. Colin und ich, wir sind ja hier unten (in München), wir haben uns dann schon getroffen.

Wie viele Auftritte konnten Sie nach dem Lockdown schon bestreiten?

Lhotzky: Wir haben gerade an großen Festspielen in Kärnten teilgenommen. Was stattgefunden hat, haben wir mitgenommen. Seit etwa einem Monat treten wir wieder in größerem Rahmen auf. Jetzt im Herbst fällt vieles an, weil auch vieles nachgeholt wird. Aber wir wissen nicht, ob man reisen darf, zum Beispiel nach Österreich oder in die Schweiz, ob man in Quarantäne muss – ich habe drei Kinder …

Termin: Das Jazz-Quartett „Echoes of Swing“ spielt am Sonntag, 4. Oktober, um 17 und um 19.30 Uhr in der Fiskina in Fischen. Die Spieldauer beträgt jeweils etwa eine Stunde. Es gibt keine Pause. Das Konzert ist nur für die Mitglieder der Gesellschaft „Freunde der Musik“.