Volkstrauertag

Gedenken in Buchloe: Verantwortung für das Heute lernen

Volkstrauertag 2021 Buchloe

Am Sonntag wurde der Volkstrauertag begangen. So auch in Buchloe, wo Bürgermeister Robert Pöschl (2. von links) und Helmut Seidel vom Soldaten- und Veteranenvereins Buchloe (rechts) am Kriegerdenkmal Kränze niederlegten.

Bild: Klaus D. Treude

Am Sonntag wurde der Volkstrauertag begangen. So auch in Buchloe, wo Bürgermeister Robert Pöschl (2. von links) und Helmut Seidel vom Soldaten- und Veteranenvereins Buchloe (rechts) am Kriegerdenkmal Kränze niederlegten.

Bild: Klaus D. Treude

Buchloer Bürgermeister Robert Pöschl und der Soldaten- und Veteranenverein gedenken mit Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal der Opfer von Krieg und Gewalt
##alternative##
Von Klaus D. Treude
14.11.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Am Volkstrauertag wird überall in Deutschland der Toten gedacht, die Kriege und Gewaltherrschaft in allen Völkern und Nationen gefordert haben. Das Gedenken ist heute viel weiter gefasst, als dies 1925 beim ersten Volkstrauertag der Fall war: Den Tag hatte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge 1919 als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges vorgeschlagen. Seit vielen Jahren wird zum Beispiel auch der in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr gefallenen deutschen Soldaten gedacht. In Buchloe wurde die Gedenkstunde am Kriegerdenkmal vor der Stadtpfarrkirche begangen. Zuvor fanden Gedenkgottesdienste statt.

Trotz nebliger Witterung und schwieriger werdenden Corona-Lage hatten sich etliche Bürgerinnen und Bürger am Kriegerdenkmal eingefunden, wo bereits Fahnenabordnungen der Buchloer Vereine und die Stadtkapelle unter Leitung von Jürgen Herrmann Aufstellung genommen hatten.

Trauer staatlich verordnen?

Zunächst spürte Buchloes Bürgermeister Robert Pöschl der Frage nach, ob man Trauern staatlich verordnen könne. Er könne zwar nachvollziehen, dass dies bei manchem Unbehagen oder bestenfalls Achselzucken hervorrufe. Aber, solle man es dem Einzelnen überlassen, wann und wie er sich mit der Vergangenheit beschäftigt? Er selbst sehe einen wichtigen Auftrag des Staates darin, „die Bürgerinnen und Bürger dazu zu ermuntern, sich mit den dunkelsten Kapiteln unserer Geschichte zu befassen“. Der Volkstrauertag animiere ihn dazu, nachzudenken, „was die unzähligen Kriegstoten und Gewaltopfer uns für die Jetztzeit lehren können.“ Der Blick zurück sei wichtig, um das Heute verantwortungsbewusst und friedlich miteinander zu gestalten.

Obwohl, so Pöschl weiter, die beiden Weltkriege und die menschenverachtende Nazi-Gewaltherrschaft schon Jahrzehnte zurücklägen, prägten sie heute noch viele – auch Buchloer – Familien. Er ermunterte dazu, über diese Ereignisse miteinander zu reden. Noch gebe es Zeitzeugen, die aus erster Hand berichten können. Die Welt sei kein friedlicher Ort, Tod und Terror vielerorts bittere Realität. Pöschl: „Lassen Sie uns nicht im Schweigen verharren! Lassen wir nicht zu, dass Gewalt oder gar Krieg jemals wieder Mittel der politischen Auseinandersetzung werden!“

Unvorstellbares Ausmaß an Opfern

An das unvorstellbare Ausmaß der Opfer des Zweiten Weltkrieges erinnerte Helmut Seidel, stellvertretender Vorsitzende der Reservisten- und Veteranenkameradschaft Buchloe: „Direkt oder indirekt waren über 60 Staaten am Krieg beteiligt, über 110 Millionen Menschen standen unter Waffen. Die Zahl der Kriegstoten liegt zwischen 60 und 70 Millionen.“ Jeder der Toten trage eine eigene Identität. Die Menschen hätten „leider nicht ausreichend“ aus den schrecklichen Erfahrungen gelernt. Hass, Ausgrenzung, Hunger, Flucht und Gewalt seien weltweit vielerorts Realität. Wie Pöschl rief er dazu auf, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, um die Zukunft zu sichern.

Lesen Sie auch
##alternative##
Volkstrauertag von A bis Z

Veteranenjahrtag im Ostallgäu: An diesen Orten wird am Wochenende der Kriegsopfer gedacht

Nach den Ansprachen legten Pöschl und Seidel unter Böllerschüssen und begleitet von der Stadtkapelle Kränze für Stadt bzw. Reservisten- und Veteranenkameradschaft nieder.